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Bis zu sieben Hubschrauber waren gleichzeitig im Löscheinsatz am Graseck/Jochberg.

Waldbrand in der Neujahrsnacht

So teuer war der Löscheinsatz am Jochberg

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Es ist eine Zahl, die einem den Atem stocken lässt: Rund eine Million Euro dürfte der Löscheinsatz aus der Luft Anfang des Jahres beim Waldbrand am Graseck/Jochberg gekostet haben. Auf 20 Prozent der Ausgaben könnte der Landkreis erst einmal sitzen bleiben.

Update am 3./4. März:  Das Bayerische Innenministerium hat die Kosten für den Löscheinsatz  beim Waldbrand am Graseck/Jochberg nach unten korrigiert. Zu der Rechnung des privaten Unternehmens über 461 000 Euro, die beim Tölzer Landratsamt bereits eingegangen ist, „rechnen wir für Bundeswehr und Polizeihubschrauber nur noch mit 125 000 bis 190 000 Euro“, sagte ein Sprecher des Ministeriums. Statt einer Million Euro könnten es also „nur“ rund 650 000 Euro sein. 

Bad Tölz/Kochel am See – Hubschraubereinsätze sind teuer – besonders, wenn sie mehrere Tage dauern. Beim Waldbrand am Graseck/Jochberg, der in der Neujahrsnacht ausbrach, waren bis zu sieben Maschinen gleichzeitig drei Tage lang im Dauer-Löscheinsatz oder suchten den Waldboden am steilen Berghang nach Glutnestern ab. Da Landrat Josef Niedermaier den Katastrophenfall ausgerufen hatte, trudeln die Rechnungen für den Einsatz nun beim Landkreis ein. Denn der muss für die Kosten im K-Fall erst einmal geradestehen.

Die erste konkrete Forderung, die auf Niedermaiers Tisch lag, war vor wenigen Tagen die Rechnung des privaten österreichischen Unternehmens, das mit bis zu drei Hubschraubern vor Ort war. Die Tiroler waren auch die ersten, die Hilfe leisteten, weil die Maschinen in München wegen Nebels nicht starten konnten. „Die Rechnung beläuft sich auf 461 000 Euro“, sagt Landratsamts-Sprecherin Marlis Peischer auf Anfrage. Mehr sei bislang noch nicht eingegangen. „Es kann auch sein, dass Bundeswehr und Polizei nicht mit uns, sondern direkt mit einer anderen Stelle abrechnen.“ Auch in Sachen Verpflegung der bis zu 110 Einsatzkräfte, die gleichzeitig vor Ort waren, gebe es noch keinen abschließenden Betrag. Im Vergleich zu den Hubschrauber-Kosten dürfte das aber marginal sein, so Peischer.

Im bayerischen Innenministerium liegen ebenfalls noch keine Rechnungen von Polizei und Bundeswehr vor. Grob überschlagen hat man das Ganze aber schon einmal. „Wir rechnen hier mit Kosten von 450 000 bis 600 000 Euro“, sagt ein Ministeriums-Sprecher auf Anfrage.

Unterm Strich könnte also am Ende rund eine Million Euro allein für den Löscheinsatz aus der Luft stehen. 80 Prozent davon werden aus dem Katastrophenschutzfonds des Freistaats erstattet, so der Sprecher des Innenministeriums. Auf 20 Prozent (rund 200 000 Euro) bleibt der Landkreis aber sitzen – zumindest vorerst. „Sowohl der Landkreis als auch der Freistaat Bayern werden gegebenenfalls Regress bei einem Verursacher beziehungsweise dessen Versicherung nehmen“, so das Innenministerium.

Fast drei Tage lang stieg Rauch über dem Berg auf. Der Brand war in der Neujahrsnacht ausgebrochen.

Die mutmaßlichen Verursacher des Brands sind zwei Münchner Wanderer. Die 32 und 36 Jahre alten Männer wollten das Feuerwerk im Loisachtal von oben anschauen und stiegen daher am Silvesterabend vom Kesselberg in Richtung Norden zum Gamsköpfl auf, eine Art Felsnase südwestlich des Grasecks. Dort sollen sie aus Ästen ein Lagerfeuer entzündet haben. Dieses geriet auf dem strohtrockenen Untergrund außer Kontrolle. Vermutlich beim Versuch, die Flammen zu löschen, stürzte der jüngere der beiden Männer ab und verletzte sich schwer.

Als die alarmierte Feuerwehr und die Bergwacht bei dem Abgestürzten eintrafen, entdeckten sie den Waldbrand, der sich mittlerweile ausgebreitet hatte. Vom Tal aus wurde wenig später der Großeinsatz vorbereitet. Die erste Aussage der Wanderer, sie hätten das Feuer als Signal entfacht, um die Retter auf sich aufmerksam zu machen, wurde rasch widerlegt. Aufnahmen einer Webcam am Herzogstand, die die Polizei später auswertete, zeigen bereits gegen 23.20 Uhr erste Lichtpunkte, die sich rasch ausbreiteten. Die Bergwacht wurde allerdings erst um kurz nach Mitternacht alarmiert.

Sollte den beiden Wanderern tatsächlich nachgewiesen werden können, dass sie den Brand verursacht haben, könnte deren Haftpflichtversicherung für die Kosten aufkommen müssen, die Landkreis und Freistaat entstanden sind. Aber auch vom Besitzer und vom Mieter einer Berghütte, die den Flammen zum Opfer gefallen ist, könnten Forderungen auf die beiden zukommen.

Welcher Schaden an der Natur entstanden ist, wird sich erst im Lauf der Zeit zeigen. „Wir müssen nun genau beobachten, wie sich die betroffenen Flächen in den nächsten zwei Jahren entwickeln“, sagt der Tölzer Forstbetriebsleiter Rudolf Plochmann. Etwa die Hälfte der vom Brand in Mitleidenschaft gezogenen 100 Hektar ist Staatswald.

Auch mit strafrechtlichen Konsequenzen müssen die beiden Münchner immer noch rechnen. Die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft München II laufen derzeit noch. „Aber es ist Licht am Ende des Tunnels“, sagt Sprecher Ken Heidenreich. Er rechnet damit, „dass die Ermittlungen in zwei Wochen abgeschlossen sind“.

Waldbrand am Jochberg: Bilder vom Rettungseinsatz

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