Gericht

Kaffeefahrt-Betrüger auf freiem Fuß

Kochel am See – Bei einer Berufungsverhandlung gab es milde Urteile für drei Angeklagte aus Norddeutschland. Sie hatten einem Paar aus Geretsried teure und unwirksame Mineralsteinmatten aufgeschwatzt.

Die Berufungen von drei Männern aus Norddeutschland, die auf einer Kaffeefahrt nach Kochel ein Ehepaar betrogen haben, haben sich für sie gelohnt. Ursprünglich waren sie vom Amtsgericht München zu Haftstrafen verurteilt worden, weil sie dem Paar (76 und 74 Jahre alt) aus Geretsried teure und unwirksame Mineralsteinmatten aufgeschwätzt hatten. Vor dem Landgericht München I erkämpften sie sich nun aber noch einmal Bewährung. Somit konnten sie den Gerichtssaal auf freiem Fuß verlassen.

Der Vorsitzende Richter Thomas Hense brachte es gleich auf den Punkt: „Sie haben noch mal Glück gehabt. Wir haben in allen Fällen Bewährungen ausgesprochen. Das war nicht in allen Fällen ganz leicht.“ Alle drei Männer (56, 32 und 44 Jahre alt) wurden wegen dreier Vergehen verurteilt: strafbare Werbung, Verstoß gegen das Heilmittelwerbegesetz sowie gewerbsmäßiger Betrug in Mittäterschaft. Den Vorwurf des bandenmäßigen Betrugs sah das Gericht nicht als erwiesen an.

Die drei Männer hatten am 11. Februar 2014 eine Kaffeefahrt in eine Wirtschaft nach Kochel organisiert. Das Ehepaar aus Geretsried fuhr wie mehrere andere Senioren mit. Die Rentner freuten sich auf das versprochene Frühstück und Gewinnversprechen wie einen Fernseher und einen Präsentkorb. In Kochel wurden den Senioren dann erst einmal Kochtöpfe und Salben als Geschenke überreicht – die man aber nur behalten dürfe, wenn man die Matten kaufen würde. Dabei handelte es sich um sündhaft teure Mineralsteinmatten à 2200 Euro, die eigentlich angeblich 4000 Euro kosten würden. Diesen ominösen Matratzen schrieben die Männer großen medizinischen Erfolg zu. Sie würden die körpereigenen Abwehrkräfte stärken und gegen allerlei Krankheiten helfen. Doch die 74-jährige Geretsriederin hoffte vergeblich, dass sie ihr gegen ihre einschlafenden Hände und Füße helfen würden.

Doch nicht nur das. Auch das zweite Versprechen wurde nicht eingelöst: Das Paar sollte sein Geld zurückbekommen, wenn es als zufriedene Kunden an einer Werbeveranstaltung teilnehmen würde.

Am Ende sahen die Urteile so aus: Ein arbeitsloser Mann (56) aus Bremen, elffach vorbestraft, wurde zu einem Jahr und zwei Monaten auf Bewährung verurteilt. „Das war die problematischste Entscheidung zur Bewährung“, sagte der Vorsitzende Richter. Er habe „viele, viele Vorverurteilungen, auch einschlägige“, zudem unstabile Lebensverhältnisse. Doch er hat, wie die beiden anderen Angeklagten auch, ein Geständnis abgelegt. Außerdem hat er die meiste Schadenswiedergutmachung geleistet, insgesamt 3800 Euro. Das Ehepaar sei wenigstens nicht auf dem Schaden sitzen geblieben, sagte der Richter.

Ein Kraftfahrer (32) aus Quakenbrück, 15-fach vorbestraft, erhielt eineinhalb Jahre Haft auf Bewährung. Laut Gericht hätte er eigentlich keine Bewährung mehr gekriegt. Er habe allerdings zwischenzeitlich noch einmal „eine Hafterfahrung“ gemacht und arbeite seitdem durchgehend. Einen weiteren arbeitslosen Mann (44) aus Bremen verurteilte das Landgericht München I zu einer Bewährungsstrafe von einem Jahr. Nina Gut

Rubriklistenbild: © dpa

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