1. Startseite
  2. Lokales
  3. Bad Tölz
  4. Kochel am See

Kontrolliert die Polizei zu wenig? Motorradfahrer knattern Kesselberg hinauf - trotz Fahrverbots

Erstellt:

Von: Veronika Mahnkopf

Kommentare

Am Kesselberg gilt am Wochenende und an Feiertagen ein Bergauf-Fahrverbot für Motorradfahrer.
Am Kesselberg gilt am Wochenende und an Feiertagen ein Bergauf-Fahrverbot für Motorradfahrer. © arp

Motorradfahrern ist es am Wochenende verboten, den Kesselberg hinaufzufahren - trotzdem sieht man sie dort in Scharen. Kontrolliert die Polizei die Regel zu lasch?

Kochel am See - Es ist ein Phänomen: Seit 1978 gilt am Kesselberg, der in Kochel beginnt und zum Walchensee hinaufführt, ein Fahrverbot für Motorräder, die bergauf wollen. Bergab ist erlaubt. So lange schon ist der Kesselberg mit seinen anspruchsvollen Sehnsuchtsziel vieler Biker. Und so lange schon sind manche von ihnen ein Problem.

Trotz der Jahrzehnte langen Regelung trifft man samstags, sonntags und an Feiertagen zahlreiche Motorradfahrer auf dem Weg hinauf. So berichten es Leser immer wieder. Viele fragen sich: Warum kontrolliert die Polizei hier nicht intensiver? Da ließe sich schließlich auch dementsprechend der Staatssäckel füllen.

Kesselberg: Kontrollen von Motorradfahrern am Wochenende nicht permanent machbar

„Das ist personell nicht machbar“, sagt Frank Bentz, stellvertretender Dienststellenleiter der Polizeiinspektion Kochel. „Wir müssten dazu unten permanent eine Schildwache aufstellen“, so der Polizeihauptkommissar. Bei 20 Euro Bußgeld für ein illegales Hinauffahren lohne sich das nicht wirklich. Ab September soll es 50 Euro kosten, so Bentz. Doch was ist das schon, wenn man bedenkt, welche Motorradfahrer das sind, die da am Wochenende hinauffahren. „Das sind solche, die von weit her kommen, Urlauber, die lange Touren fahren und von dem Verbot nichts wissen.“ Schließlich sei es in der Form bundesweit einmalig. Die stünden dann nach 500 Kilometern am Berg und sagten sich: Das riskiere ich jetzt einfach, der Umweg wäre sehr weit. Diese Motorradfahrer, gibt Bentz zu, seien sowieso nicht die Zielgruppe der Kesselberg-Kontrollen. Schließlich führen sie in der Regel sehr vernünftig.

„High-Risk-Biker“ sind am Kesselberg das Problem - nicht die Wochenendfahrer

Vielmehr habe man es auf die sogenannten „Knieschleifer“ abgesehen, die „High-Risk-Biker“. Und die kämen nicht am Wochenende, wenn Ausflügler unterwegs seien und sie am Rasen hindern, so Bentz. Die kommen unter der Woche, und die sind das wahre Problem: Sie würden mit ihrem riskanten Fahrstil sich und andere gefährden, zur Übung mehrmals den Kesselberg hinauf und wieder hinunter jagen, viel zu schnell, jede Kurve noch etwas enger nehmen, ans absolute Fahrlimit gehen.

Übrigens: Alle Entwicklungen und Ergebnisse zur anstehenden Bundestagswahl aus Ihrer Region sowie alle anderen wichtigen Geschichten aus der Region Bad Tölz gibt‘s jetzt auch in unserem regelmäßigen Bad-Tölz-Newsletter.

Blickt man nur wenige Monate zurück in die Unfall-Berichte vom Kesselberg wird es deutlich: Die schweren, tödlichen Motorradunfälle passieren unter der Woche. So Anfang August, als ein 19-Jähriger zu schnell in die Kurve raste und gegen eine Felswand krachte. Er verletzte sich schwer. Gleiches geschah am Kesselberg im Mai. Oder der schwere Unfall im April, bei dem zwei Biker schlimm stürzten.

„Donnerstag und Freitag sind die heißen Tage“, sagt Bentz. Deshalb sei es so wichtig, dass unter der Woche kontrolliert werde. Und es wird kontrolliert, sagt Bentz. „Den Vorwurf kann ich nicht gelten lassen.“ Die Polizeidichte am Kesselberg sei so hoch wie sonst nirgends, er selbst sei so oft dort, dass er den Kesselberg „schon nicht mehr sehen“ könne. Freilich versuche man, auch am Wochenende das Fahrverbot zu kontrollieren - auch mit Unterstützung der Kontrollgruppe Motorrad der Autobahnpolizei Holzkirchen. Doch die könne man auch nicht „ordern wie ein Schnitzel“.

Auch interessant

Kommentare