Die Kurven am Kesselberg sind äußerst reizvoll für Motorradfahrer.
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Die Kurven am Kesselberg sind äußerst reizvoll für Motorradfahrer.

„Motorradfahrer haben Nachholbedarf“

Trotz Fahrverbot: Hochbetrieb am Kesselberg - Polizei stößt bei Motorrad-Rasern an ihre Grenzen

  • Andreas Steppan
    VonAndreas Steppan
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Motorradfahrer nutzen das schöne Wetter, um die Kesselberg-Strecke zwischen Kochel und Walchensee wieder in Beschlag zu nehmen. Ein Polizist berichtet.

Kochel am See – Spät, aber umso heftiger kommt die Motorradsaison am Kesselberg in Schwung. Wie berichtet hatte die Kochler Polizei vor wenigen Tagen darauf hingewiesen, dass die „heimische und überörtliche Raser- und Rennszene“ wieder verstärkt auf der Serpentinenstrecke anzutreffen sei. Dieser Trend dürfte sich bei den sonnigen Wetterprognosen diese Woche fortsetzen. Ob die Polizei dem mit verstärkten Kontrollen begegnet, „das kann ich nicht garantieren“, erklärt jedoch der stellvertretende Leiter der Polizeistation Kochel.

Motorradfahrer am Kesselberg: Verkehrsfunk warnte vor Überlastung des Walchensee-Gebiets

„Die Motorradfahrer haben Nachholbedarf“, stellt Frank Bentz fest. „Wenn das Wetter mal passt, dann ist die Konzentration der Fahrzeuge umso höher.“ Je nach Wochentag stößt die kleine Polizeistation Kochel dann auf jeweils andere Art an ihre Grenzen.

Da sind Tage wie der vergangene Sonntag, an denen sich der allgemeine Ausflugsverkehr dicht an dicht über den Kesselberg schiebt. Da der Verkehrsstrom nicht abriss, veranlasste Bentz gegen Mittag sogar eine Durchsage im Verkehrsfunk: Dass Walchenseegebiet sei überlastet und solle am besten nicht mehr angefahren werden.

Motorrad-Fahrverbot am Kesselberg: Für Polizei nur schwer zu kontrollieren

An solchen Tagen seien er und sein Kollege zu zweit praktisch ganztägig damit beschäftigt, Falschparker im Bereich zwischen Urfeld und Walchensee aufzuschreiben. Bentz berichtet von teils erbosten Reaktionen. „Da heißt es dann: ,Kümmert Euch lieber mal um die bösen Motorradfahrer.‘ Wir können es keinem recht machen.“

Zu tun gäbe es auch in Bezug auf Motorradkontrollen genug. An Samstagen sowie Sonn- und Feiertagen gilt für Motorradfahrer auf dem Kesselberg ein Befahrungsverbot Richtung bergauf – also von Kochel nach Urfeld. Und das wird vielfach missachtet. „Wenn wir vom Walchensee zurück nach Kochel fahren, kommen uns die Motorräder entgegen“, sagt Bentz. „Aber wo, bitte, sollen wir auf dieser Strecken wenden? Auch für uns gilt die Straßenverkehrsordnung.“ Wenn man das Fahrverbot kontrollieren wolle, „dann müsste man ganztägig eine Schildwache in Altjoch aufstellen“, so Bentz. Das aber sei personell nicht zu leisten.

Motorradraser meiden Kesselberg am Wochenende - sie haben andere Lieblingstage

Zudem glaubt Bentz nicht, dass die 20 Euro Bußgeld, die bei Missachtung des Fahrverbots fällig werden, eine abschreckende Wirkung haben. „Das betrachten die Motorradfahrer doch als eine Art Mautgebühr.“ Bentz würde daher höhere Bußgelder begrüßen.

Davon abgesehen: Diejenigen, die sonntags mit dem Motorrad über den Kesselberg fahren, seien in aller Regel eher „Cruiser“, die es gemütlich mögen und teils schon aufgrund der Bauart ihrer Maschinen „am liebsten geradeaus fahren“, wie Bentz zum Beispiel über Harleys sagt.

Der Risikofahrer, der in den engen Kurven am Kesselberg ausprobieren wolle, wie weit er sich mit seiner Rennmaschine in die Kurve legen kann, der meide sonnige Wochenenden. Da kann man im dichten Ausflugsverkehr nämlich gar nicht richtig Gas geben. Diese kritische Klientel ist laut Bentz vor allem wochentags anzutreffen, und da speziell am Donnerstag und Freitag.

Zur Verfolgung der Raser am Kesselberg braucht Polizei PS-starke Maschinen mit Kamera

Und warum wird dann nicht effizienter kontrolliert, wenn man es schon vorher weiß? Die Kochler Polizisten verbringen viel Arbeitszeit am Kesselberg. „Aber unser Dienstbereich ist noch viel größer“, gibt Bentz zu bedenken. „Auch die Bürger in Schlehdorf, Benediktbeuern, Bichl und Kochel haben einen Anspruch darauf, dass wir ihre Anzeigen aufnehmen.“

Zudem verfüge die Kochler Polizei nicht über PS-starke Motorräder, am besten mit Videokamera, mit denen sie Temposünder verfolgen und Verstöße gut nachweisen könnte. „Mit unserem VW-Bus fange ich da nicht an, hinterherzufahren.“

Entsprechend ausgerüstet seien zum Beispiel die Beamten der überörtlichen Kontrollgruppe Motorrad. „Ich kann jedes Mal ein Aufgebot an Fremdkräften anfordern“, sagt Bentz. Die Kollegen von der Autobahnpolizei Holzkirchen oder der Verkehrspolizei Weilheim seien aber an Schönwettertagen auch noch an vielen anderen Brennpunkten wie dem Sudelfeld gefragt. „Der Bereich Oberbayern Süd ist groß. Und jetzt gerade saugt die Internationale Automobil-Ausstellung in München Kräfte wie ein trockener Schwamm auf.“

Abends sind Polizeiinspektionen Bad Tölz und Mittenwald für Kesselberg zuständig

Dass am Kesselberg abends gar nicht mehr kontrolliert werde, das stimme so nicht, sagt Bentz. Wenn aber die Mitarbeiter der Polizeistation Kochel „nach zehn oder elf Stunden Feierabend machen, dann ist das eben so“. Von da an seien die Polizeiinspektionen Bad Tölz und Mittenwald für den Kesselberg zuständig. Und die kämen „je nach Kapazitäten“. Auch die Kontrollgruppe Motorrad sei durchaus abends im Einsatz – doch wie gesagt nicht nur am Kesselberg.

Immerhin: Die jetzt schon früher hereinbrechende Dunkelheit verkürzt auch die Motorradabende am Kesselberg. „Motorradfahrer brauchen eine trockene Fahrbahn und Tageslicht“, stellt Bentz fest.

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