„Ich hätte ihm fast den Kopf weggefahren“

Kesselberg-Raser kracht um ein Haar in Polizeiauto - das kommt jetzt auf ihn zu

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Ein Kesselberg-Raser kracht um ein Haar in ein ziviles Polizeifahrzeug. Am Montag stand der Motorradfahrer aus dem Landkreis Starnberg vor Gericht. Diese Strafe erwartet ihn.

Kochel am See/Wolfratshausen Der Polizist war geschockt. „Ich hätte ihm fast den Kopf weggefahren“, erinnert sich der Beamte an eine Schreckensfahrt auf dem Kesselberg. Am 29. Mai vorigen Jahres war ihm in einer scharfen, nicht einsehbaren Linkskurve urplötzlich ein Motorradfahrer in extremer Schräglage entgegengekommen – auf seiner Fahrbahn. „Es war kein Teil der Maschine oder seines Körpers auf der Spur, auf der er hätte sein sollen“, so der Beamte (57), der nur durch eine Vollbremsung und ein beherztes Ausweichmanöver eine Kollision seiner BMW-Limousine mit dem Biker verhindern konnte.

Ein 21-jähriger Student aus Gilching (Landkreis Starnberg) musste sich nun wegen Gefährdung des Straßenverkehrs und anderer Delikte vor dem Amtsgericht Wolfratshausen verantworten. Er kam mit einer milden Geldstrafe davon. Der junge Mann entschuldigte sich im Gerichtssaal bei dem Polizisten „für den Schrecken, den er ihm eingejagt hat“. Der Beamte nahm die Entschuldigung an.

Es ist nur einem absoluten Zufall zu verdanken, dass es nicht zu einem verheerenden Unfall gekommen ist. Dann würden Sie hier heute nicht mehr sitzen“, hielt der Staatsanwalt dem Angeklagten vor Augen, dass sein „äußerst gefährliches Fahrmanöver“ weitaus gravierendere Folgen hätte haben können. Der Beschuldigte sagte auf Anraten seines Verteidigers nichts zu dem Vorfall. Er folgte der Verhandlung ruhig und konzentriert, mit gefalteten Händen, die auf dem Tisch vor ihm ruhten. Der 21-Jährige hatte den Ausflug, den er mit einem Freund unternommen hatte, teilweise mit einer an seinem Motorrad angebrachten Action-Kamera gefilmt (wir berichteten). Das Video zeigte, dass der Beinahe-Crash nicht das einzige waghalsige Manöver war. Weil auch ein Teil des Gesprächs mit dem Polizisten, der den Raser mit dessen markanter blauer Triumph-Maschine zwei Stunden später stoppte, aufgezeichnet worden war, umfasste die Anklage auch die „Verletzung der Vertraulichkeit des Wortes“.

„Ich habe schon viele Sachen erlebt, aber so was Krasses noch nicht“, sagte der Polizist. Er gehört der Kontrollgruppe Motorrad an. Das ist eine Spezialeinheit des Polizeipräsidiums Oberbayern-Süd, die sich auf sogenannte „High-Risk-Biker“ spezialisiert hat. „Mit sehr gutem Erfolg“, wie der Zeuge vor Gericht erklärte. Die Unfälle hätten seither stark abgenommen. „Die Motorradfahrer haben inzwischen eingesehen, dass wir nicht auf der Brennsuppen daher geschwommen sind.“ Ausnahmen wie der vorliegende Fall bestätigen da wohl die Regel.

Nach dem Schreck habe er eine längere Pause gebraucht. „Ich war fertig, musste da erst mal weg“, räumte der erfahrene Beamte ein. Zwei Stunden später entdeckte er, dass der Angeklagte und sein Freund immer noch Rennen auf der B 11 zwischen Kochelsee und Walchensee fuhren. Der Polizist „mit Vollgas hinterher“, 120 bei erlaubtem Tempo 60. In Urfeld endete die Verfolgungsjagd.

Nachdem der Polizist seine Aussage gemacht hatte, lud Richter Helmut Berger die Verfahrensbeteiligten zu einem Rechtsgespräch ins Hinterzimmer. Anschließend räumte der 21-Jährige die Vorwürfe hinsichtlich der Kesselbergfahrt ein. Er wurde zu einer Geldstrafe von 70 Tagessätzen zu je 15 Euro (gesamt 1050 Euro) verurteilt. Zudem ordnete das Gericht eine Sperre der seit drei Monaten ruhenden Fahrerlaubnis von noch fünf Monaten an. „Sie waren in euphorischer Stimmung, haben nicht nachgedacht, man könnte sagen sie reagierten hirnlos“, begründete Berger, warum er die riskante Fahrweise nur als „Fahrlässigkeit“ einstufte.

In einem weiteren Anklagepunkt wurde der Student freigesprochen. Der Vorwurf, er sei ohne gültige Fahrerlaubnis unterwegs gewesen, beruhte auf einem Berechnungsfehler der zuständigen Behörde bei der Einstufung des inzwischen abgemeldeten Motorrads.

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Rubriklistenbild: © arp

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