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Kinderheim wird Heimat von Behinderten

Kochel am See - Die Zukunft des einstigen Kinderheims der Annaschwestern in Kochel ist besiegelt. Das Dominikus-Ringeisen-Werk hat das Areal übernommen und wird dort in einem ersten Schritt ein Heilpädagogisches Heim für Kinder und Jugendliche aufbauen.

Rund 90 Jahre nachdem die St. Annaschwestern aus dem ehemaligen Kurhotel Bad Kochel ein Heilpädagogisches Kinderheim machten, wird in der Geschichte des Areals an der Badstraße ein neues Kapitel aufgeschlagen – das zugleich die Geschichte des Hauses fortschreibt. Wie Vertreter des Dominikus-Ringeisen-Werks sowie die Generaloberin der St. Annaschwestern, Sr. Waltraud, am Dienstag bei einem Pressegespräch bekannt gaben, hat der Orden das Kochler Areal dem Dominikus-Ringeisen-Werk, eine kirchliche Stiftung des öffentlichen Rechts, fast vollständig zugestiftet. Am Montag sind die entsprechenden Verträge bei einem Notar unterzeichnet worden. Wegen Personalmangels und Überalterung der Ordensfrauen war das Kinderheim 2004 geschlossen worden. Bereits seit 1990 habe man versucht, einen neuen Träger dafür zu finden, so Sr. Waltraud – aber erst jetzt mit Erfolg. Bis auf das Mutterhaus, in dem die verbliebenen sechs Schwestern laut der Generaloberin weiterhin leben werden, ist das gesamte Areal nun an das Dominikus-Ring-eisen-Werk übergeben worden; inklusive des Gebäudes, das das Montessori-Kinderhaus beherbergt. Bürgermeister Thomas Holz und Wolfgang Tyrychter von der Geschäftsführung des Werks versicherten, dass die Einrichtung „langfristig“ in dem Gebäude bleiben darf. Und was passiert mit dem Rest? Er soll Heimat für mehrfach geistig oder psychisch behinderte Kinder und Jugendliche werden.

Wie Andrea Falkowsky, zuständige Projektleiterin des Werks sagte, werde in einem ersten Schritt der Gebäudekomplex A zu barrierefreien Wohngruppen umgebaut. Im angrenzenden Gebäudeteil (B-Bau) soll eine Schule mit drei Klassen für die Heimkinder eingerichtet werden. Insgesamt sollen maximal 20 Kinder und Jugendliche ab 10 Jahren in familienähnlichen Strukturen betreut werden. Mit den Planungen stehe man allerdings noch ganz am Anfang. Deshalb gebe es auch noch keine Kostenkalkulationen. Derzeit würden die notwendigen Umbaupläne erarbeitet. Bestenfalls im Spätherbst könnte Baubeginn sein. „Unser ganz ehrgeiziger Plan ist es, mit dem Schuljahr 2017/18 zu beginnen“, so die Projektleiterin. Erste Gespräche mit den Fachbehörden sind laut Holz positiv verlaufen. „Sie waren sehr angetan.“

Parallel zu den Planungen wird laut Tyrychter schon jetzt mit der Suche nach geeigneten Mitarbeitern begonnen – etwa Heilerziehungspfleger, Kinder- oder Krankenpfleger. Rund 40 Stellen sollen in dem Kochler Heim geschaffen werden. Das sogenannte „Haus am Hang“ soll zu einem Wohnheim für Mitarbeiter werden.

Was mit den übrigen Gebäuden geschieht, sei derzeit noch unklar. „Wir haben keine konkreten Pläne, aber viele Ideen“, sagte Falkowsky und Tyrychter ergänzte: „Wir wollen klein starten, damit was Gutes entsteht.“ Das einstige Schulhaus der Annaschwestern am Hang, mit seiner Küche, die immer wieder von Ortsvereinen und Gruppen genutzt wird, könne vorerst weiter genutzt werden.

Franziska Seliger

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