1. Startseite
  2. Lokales
  3. Bad Tölz
  4. Kochel am See

Kleine Kulturgeschichte der Tankstelle: Buch über deutsche Alpenstraße und Historische Zapfstellen erschienen

Erstellt:

Von: Christoph Schnitzer

Kommentare

Eine der wenigen denkmalgeschützten Tankstellen Bayerns steht heute in Benediktbeuern. Statt Sprit wird dort heute Obst und Gemüse verkauft.
Eine der wenigen denkmalgeschützten Tankstellen Bayerns steht heute in Benediktbeuern. Statt Sprit wird dort heute Obst und Gemüse verkauft. © Christian Bäck/nh

Ein etwas anderes Besuchsobjekt kann man im Freilichtmuseum Glentleiten seit Kurzem bestaunen: eine Gasolin-Tankstelle. Sie stand ab den 1950er-Jahren an der Deutschen Alpenstraße.

Kochel am See – Anfang Oktober wurde im Freilichtmuseum das etwas andere Besuchsobjekt eröffnet: eine Gasolin-Tankstelle. Sie stand ab den 1950er-Jahren nahe Unterwössen an der Deutschen Alpenstraße und wurde originalgetreu in Großweil wieder aufgebaut.

Ergänzend dazu ist jetzt im Volk-Verlag das passende Buch erschienen. Mit einer Sammlung von Texten und zahlreichen Fotos wird auf 288 Seiten „Die deutsche Alpenstraße – Deutschlands älteste Ferienroute“ beschrieben. Herausgeberin ist die Leiterin des Freilichtmuseums Glentleiten, Monika Kania-Schütz.

Loisachtal und Isarwinkel breit vertreten

Die deutsche Alpenstraße führt über fast 500 Kilometer durch die schönsten Ferienregionen entlang der Alpen. Loisachtal und Isarwinkel sind breit vertreten. Etwa mit dem Kesselbergrennen, das ab 1905 ausgetragen wurde und Sinnbild der automobilen Begeisterung jener Zeit darstellt. Die kühne Streckenführung der Alpenstraße ermöglichte gleich auf mehreren Abschnitten spannende Motorsportrennen, wie Autor Stefan Kotter darstellt.

Das Buch befasst sich mit der tief in die Nazizeit hineinreichenden Geschichte der Alpenstraße, beschreibt aber auch internationale Vorbilder wie die Großglockner-Straße oder bekannte amerikanische Nationalparkrouten.

Architektur- und Designentwicklung von Tankstellen

In einer Zeit der fast unbeschränkten Mobilität ist es kaum vorstellbar, was für eine Bedeutung der Bau der Alpenstraße seinerzeit hatte. In den Bänden des Tölzer Kurier ist nachzulesen, dass 1956 Bundesverkehrsminister Hans-Christoph Seebohm persönlich festlegte, dass die Alpenstraße von Krün-Wallgau aus zum im Bau befindlichen Sylvensteinspeicher und weiter nach Kreuth beziehungsweise zum Achensee führen müsse. Diskutiert worden war zuvor auch die Möglichkeit, die Alpenstraße bei Lenggries über den Hirschbachsattel in Richtung Tegernsee zu führen.

Das Foto ist von 1957, das Stationsdesign stammt aus der Vorkriegszeit. Die Tankstelle Schnitzer in Tölz.
Das Foto ist von 1957, das Stationsdesign stammt aus der Vorkriegszeit. Die Tankstelle Schnitzer in Tölz. © cs

Jedes Auto und Motorrad benötigt Benzin und Öl. Das Buch ist auch eine kleine Kulturgeschichte der Tankstelle. Anhand ausgewählter Beispiele entlang der Alpenstraße wird Architektur- und Designentwicklung nachgezeichnet. Zwischen „Bauhaus und Bauernhaus“ heißt der Titel des Kapitels. Auch die Tölzer Tankstelle Schnitzer ist mit einem Shell-Baukonzept der Vorkriegszeit vertreten.

Heute gibt es Obst und Gemüse statt Benzin und Öl

Ein bemerkenswertes Kapitel zeigt und beschreibt historische Tankstellen entlang der Alpenstraße, die nicht mehr existieren, aber zum Teil noch ihre historische Bausubstanz erkennen lassen. Kochel, Benediktbeuern und Bad Heilbrunn sind ausgewählte Beispiele. Unter dem geschwungenen Dach der zwischen zwei Straßen eingeklemmten Benediktbeurer Tankstelle wird heute Obst und Gemüse statt Benzin und Öl verkauft. Seit 2018, so ist zu lesen, „gehört sie zu wenigen Tankstellen in Bayern, die unter Denkmalschutz stehen und somit für die Nachwelt dauerhaft erhalten bleiben.“

1929 entstand am Döllerfeldweg in Kochel die Kfz-Werkstatt Poll mit frei stehender Zapfsäule.
1929 entstand am Döllerfeldweg in Kochel die Kfz-Werkstatt Poll mit frei stehender Zapfsäule. © poll/nh

Eine 16-seitiges Kapitel ist schließlich der Glentleiten-Tankstelle gewidmet. Claudia Richartz beschreibt unter dem Titel „Einmal volltanken bitte!“ die durchaus wechselvolle Geschichte des technischen Denkmals.

Fast 40 Jahre stand sie ungenutzt an der Bundesstraße 305 und blieb fast unversehrt erhalten, bevor sie buchstäblich in letzter Minute vom Freilichtmuseum Glentleiten abgebaut und 110 Kilometer weiter in Großweil wieder aufgebaut wurde. Es ist das mit Abstand jüngste Ausstellungsgebäude des Freilichtmuseums.

Das Buch

„Die Deutsche Alpenstraße – Deutschland älteste Ferienroute“ ist für 24,90 Euro beim Volk Verlag München erhältlich.

Auch interessant

Kommentare