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Kletterer kommen dem Uhu zu nahe: Sorge um Bestand am Kochelsee

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Von: Christiane Mühlbauer

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Gesperrt: An der Rauter Wand darf man gar nicht mehr klettern, an der Panoramawand nur mit Einschränkungen. Dies gibt es auch für den Kienstein. © Pröhl/A

Die zwei Uhu-Paare am Kochelsee sind etwas Besonderes im Tölzer Land. Eine Gefahr für sie geht jedoch von Sport-Kletterern aus, die die Tiere beim Brüten stören. Deshalb wurde 2017 das Klettern in dem Gebiet eingeschränkt. Doch nicht alle Sportler halten sich daran.

Kochel am See – Für manche Menschen ist es ein Traum, für den Uhu ein Problem: Klettern in unberührter Natur und von dort aus ins Wasser springen. Im Fachjargon nennt man das „Deep Water Soloing“, und manche brüsten sich dann gerne im Internet damit. An der Rauter Wand am Kochelsee kommt das vor.

Wie häufig es geschieht, darüber gibt es keine definitiven Zahlen. „Die Leute fahren im Paddelboot dorthin und klettern hoch“, weiß Michael Schödl, Leiter der Geschäftsstelle des Landesbunds für Vogelschutz (LBV) in Garmisch-Partenkirchen. Von dort wird das Kochler Uhu-Revier betreut und beobachtet. „Das Problem ist die Mundpropaganda in Kletterkreisen“, sagt Schödl. Das Klettern in diesem Gebiet sei „nicht zu tolerieren“.

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Wird ein Uhu während der Brut gestört, reagiert er sehr empfindlich. Das gefährdet die Zukunft der streng geschützten Tiere. © dpa

Um die am Kochelsee lebenden Uhus zu schützen, wurde 2017 eine Vereinbarung von allen Interessenverbänden unterschrieben. Es unterzeichneten das Landesamt für Umwelt, der Landesbund für Vogelschutz, der Alpenverein, die „Interessensgemeinschaft Klettern München & Südbayern“, die Kochler Bergwacht und die Naturschutzwacht sowie das Landratsamt. Diese Vereinbarung umfasst einen ganzjährigen Kletterverzicht an der Rauter Wand. An der Panoramawand darf man nur noch außerhalb der Brutzeit klettern, also von August bis Dezember. Am Kienstein darf man an der Nord- und Nordwestseite gar nicht mehr klettern, im Süden und Osten jedoch ohne Einschränkung (wir berichteten). „Mit der Vereinbarung sehen sich alle Beteiligten in der Verpflichtung, die Einhaltung sicherzustellen“, sagt Sabine Schmid, Pressesprecherin des Tölzer Landratsamts.

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Die Kontrolle der Uhu-Brutgebiete wurde in den Aufgabenbereich der Naturschutzwacht und Bergwacht Kochel integriert und wird auch innerhalb der Bergwacht regelmäßig kommuniziert, so Schmid. Auch seitens der Kletterer werde in eigenen Kreisen und Foren auf die Einhaltung der Regelungen hingewiesen. Zudem weisen Info-Tafeln vor Ort auf das Schutzgebiet hin. Trotzdem gab es in den vergangenen Monaten immer wieder Verstöße. „Der Besucherdruck steigt in allen Bereichen der Natur aber schneller, als wir entsprechende Kontroll- oder Regelmechanismen vorlegen, geschweige denn umsetzen können“, sagt Schmid. Nun sei deutlich, dass auch für den unteren Bereich der Rauter Wand ein vom See aus sichtbares Hinweisschild angebracht werden muss. Dafür ist – wie schon an anderer Stelle – der Alpenverein zuständig. Ihn will das Landratsamt jetzt damit beauftragen.

Freilich ist es schwer, Kletterer, die dort gegen die Regeln verstoßen, umgehend zu melden. Schmid rät, in so einem Fall die Sportler zuerst mal darauf anzusprechen und auf das Verbot hinzuweisen. Gebe es kein Einsehen, sollte man den Vorfall dem Landratsamt melden. Bei schlimmen Verstößen und groben Schädigungen der Natur könne man freilich auch die Polizei rufen. „Kein leichtes Thema“, sagt Schmid. Sie hofft, dass mit zunehmender öffentlicher Verbreitung des Themas die Kletterer sensibilisiert werden. „Aber schwarze Schafe wird es leider immer geben.“

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Der Uhu stand Mitte der 1950er-Jahre in Deutschland kurz vor dem Aussterben. Die dann eingeleiteten Schutzmaßnahmen halfen jedoch, dass sich der Bestand wieder erholen konnte. Derzeit gibt es rund 500 Uhus in Bayern. Sie stehen unter strengem Naturschutz. Das Gebiet am Kochelsee wird von Garmisch-Partenkirchen aus mitbetreut. „Beide Revierpaare waren in diesem Frühjahr im Bereich der bekannten Brutnischen aktiv und man konnte ihre Balzrufe hören“, berichtet der Pressesprecher des Landesamts für Umwelt. „Ob aber tatsächlich gebrütet beziehungsweise Junge flügge wurden, konnte heuer nicht ermittelt werden, da die Uhus nachtaktiv und die Brutnischen aus der Ferne nicht direkt einsehbar sind.“

Der Uhu sei an seinem Brutplatz sehr störungsempfindlich, so der Pressesprecher: „Eine einzige Störung kann ausreichen, dass es zu keinem Bruterfolg kommt.“ Wird das Weibchen aus der Brutnische vertrieben, können die Eier bis zur Rückkehr des Weibchens in der Abenddämmerung durchgefrieren. Ist die Brut gestorben, muss das Pärchen ein Jahr warten, bis es einen neuen Anlauf nehmen kann. Uhus sind sehr gebietstreue Tiere. Sie werden bis zu einem Meter groß, sind etwa fünf Kilo schwer und können bis zu 20 Jahre alt werden. Die Vögel überwintern auch in der Region.

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