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Im Stau von Ried nach Kochel: Anwohner klagen über die zunehmende Verkehrsbelastung.  Foto: privat
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Im Stau von Ried nach Kochel: Anwohner klagen über die zunehmende Verkehrsbelastung. Foto: privat

Unterschriftenaktion gegen Verkehrsbelastung geplant

Anwohner im Kochler Ortsteil Ried klagt: „Tag und Nacht nur noch Lärm“

  • Franziska Seliger
    vonFranziska Seliger
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Die Kochler gingen vor Kurzem auf die Straße, um gegen die Verkehrsbelastung zu demonstrieren. Im Ortsteil Ried soll nun eine Unterschriftensammlung gestartet werden.

Kochel am SeeNicht nur der Hauptort Kochel und sein Ortsteil Walchensee ächzen derzeit unter dem Ansturm der Tagesausflügler und dem enormen Verkehrsaufkommen. Auch Bewohner der Ortsteile Ried und Pessenbach empfinden die Menge an Verkehr samt dem damit verbundenen Lärm zunehmend als Belastung – nicht nur an den Wochenenden.

„Man hat gar keine Entlastung mehr“, schildert ein Mann aus Ried die Situation. Und nicht nur er sehe das so. Er kenne einige Bürger aus Ried und Pessenbach, die es ähnlich schlimm empfänden wie er. Sein Haus stehe unweit der durch den Ort verlaufenden B 11. Der Verkehr auf der Bundesstraße sei mittlerweile an sieben Tagen die Woche stark. Frühmorgens unter der Woche durch den Berufsverkehr sowie nachts durch die Lastwagen, die die Gewerbegebiete in Benediktbeuern und Kochel belieferten. Und an den Wochenenden durch die Tagesausflügler, zu denen jetzt im Sommer oft Sportwagen-Fahrer und Motorräder gehörten. Die Lärmbelästigung durch Ausflügler dauere teilweise von frühmorgens bis Mitternacht an.

Ried: Viele fahren zu schnell, Kontrollen gebe es kaum

Viele der Durchfahrenden seien nach Einschätzung des Anwohners auf der langen und geraden Durchfahrtsstrecke durch Ried viel zu schnell unterwegs. Dass innerhalb geschlossener Ortschaften eine Höchstgeschwindigkeit von 50 kmh vorgeschrieben sei, interessiere viele Fahrer nicht. Kontrollen gebe es kaum. Dabei, so glaubt der Anwohner, der anonym bleiben möchte, weil er befürchtet, für seine Kritik angefeindet zu werden, wäre die Belastung weniger schlimm, wenn sich alle ans Tempolimit halten würden.

Der Rieder wundert sich, dass es bisher noch zu keinem schweren Unfall mit Fußgängern oder Radlern gekommen ist. Für Eltern sei die Verkehrssituation belastend. „Mit Kindern muss man echt aufpassen. Und Haustiere muss man sich gar nicht zulegen – die sind sonst platt.“ Im Laufe der vergangenen Jahre sei die Verkehrsbelastung durch den Durchgangsverkehr kontinuierlich gestiegen. „Corona hat es noch verstärkt.“ Dazu käme, dass Ausflügler in den privaten Hofeinfahrten wendeten oder sie als Parkbuchten nutzten.

Könnten Verkehrsinseln helfen, das Tempo zu reduzieren?

Mit Bürgermeister Thomas Holz habe er bereits gesprochen. Doch der habe darauf verwiesen, dass es sich bei der B 11 um eine Bundesstraße handle, die Gemeinde also nicht viel machen könne. Auch mit dem Straßenbauamt habe er Kontakt gehabt, sagt der Rieder und nach der Möglichkeit von baulichen Maßnahmen angefragt; etwa dem Bau von Verkehrsinseln an den Ortseingängen, um damit die Fahrzeuge zur Temporeduzierung zu zwingen. Doch seiner Anfrage habe die Weilheimer Behörde eine klare Absage erteilt.

Das bestätigt Abteilungsleiter Martin Herda, der für den Landkreis zuständig ist. Von Seiten seiner Behörde gebe es keine Möglichkeit, „da baulich einzugreifen“, obwohl Herda einräumt, dass vor allem die lange und gerade Ortsdurchfahrt von Ried zum Zu-Schnell-Fahren verleite. Ebenso die Etappe der sogenannten Pessenbacher-Höhe ein Stück weiter Richtung Kochel. Trotzdem: „Eine bauliche Einschränkung darf nicht das Mittel sein, um den Verkehr in den Griff zu bekommen.“ Unter anderem deshalb nicht, weil „Einbauten“ wie etwa Verkehrsinseln einen Mehraufwand bedeuteten – etwa für den Winterdienst. Querungshilfen für Fußgänger könnten nur bei ausreichend hohem Fußgänger-Aufkommen gebaut werden: konkret bei 50 Fußgängern pro Stunde – eine Zahl, die in dem kleinen Ortsteil Ried nicht erreicht wird.

Anwohner überlegt, Unterschriftenaktion zu starten

Herda regt an, dass die Gemeinde Verkehrmess-Anlagen aufstellt. „Die haben schon öfter einen positiven Effekt gehabt.“ Zusätzlich bräuchte es mehr Kontrollen durch die Polizei. Das fände auch der Bürger aus Ried einen guten Anfang. Er kritisiert, dass die Einhaltung des Tempolimits von Gemeinde und Polizei viel zu wenig kontrolliert werde. „Ein mobiler Blitzer ist noch nie aufgestellt worden“, sagt er. Und elektronische Tafeln, auf denen die Geschwindigkeit in Leuchtschrift angezeigt werden, viel zu selten. Dabei könnte beides seiner Ansicht nach für einen „Lerneffekt“ bei den Fahrzeuglenkern sorgen, weshalb er sich deutlich mehr Kontrollen wünschen würde.

Er überlege derzeit noch im Herbst eine Unterschriftenaktion gegen die Situation zu starten. In den vergangenen Jahren habe Kochel alles getan, um den Fremdenverkehr anzukurbeln. „Der Schuss ist jetzt nach hinten losgegangen.“ Angesichts der Belastung durch die Abgase verdiene Kochel auch nicht mehr das Prädikat „Luftkurort“ findet er.

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