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In der Herzogstandsauna wurden die Gewinner bekannt gegeben – bevor die acht Besten einen gemeinsamen Aufguss zelebrierten.

„International Masters Freestyle Aufguss“

Ein richtig heißer Wettkampf: Hochvirtuoses Wedeln im Kristall-Trimini

Zur Qualifikation für den internationalen „Masters Freestyle Aufguss“ Wettkampf 2020 treffen sich internationale Aufgießer in der Kristall-Therme in Kochel.

Kochel am SeeAus aller Welt sind sie nach Kochel gereist: 20 Bewerber, je zehn Männer und Frauen, haben in der Kristall Therme buchstäblich alles gegeben, um zu den acht Erwählten zu gehören, die 2020 beim „International Masters Freestyle Aufguss“ dabei sein dürfen. In 50 Aufgüssen traten sie gegeneinander an, um vor begeistertem Publikum und unter den strengen Augen der achtköpfigen Jury ihre Kunst zu demonstrieren.

Anders als in den klassischen Musikwettbewerben, wo Zuschauer nicht klatschen dürfen, soll das Publikum die Kontrahenten hier nach Kräften anfeuern. „Voten darf es aber nicht“, erklärt Rob Keijzer, der die Idee hatte, diese Wettbewerbe in Kochel auszutragen. „Die Zuschauer haben meist Favoriten und würden nicht so objektiv werten wie die Jury.“ Der Holländer weiß, wovon er spricht, war er doch dreimal Weltmeister im Show-Aufguss.

Und was sind nun die Kriterien für die aus Holland, Polen und Italien angereisten Juroren? „Es geht um Professionalität – in der Ansprache ans Publikum, im souveränen Umgang mit den Handtüchern, im Einklang der Bewegungsabläufe.“ Welche Aromen der Bewerber seinem Aufguss beimischt, spielt eine untergeordnete Rolle; es gibt allerdings Wettbewerbe, wo es genau darauf ankommt. „Wir verwenden bei den Aufgüssen hier nur Wasser, Eis und ätherische Öle“, erklärt Keijzer. „Der Duft darf nicht unter-, aber auch nicht überdosiert sein.“ Und dann eilt er davon, um beim 50. und letzten Aufguss mitten unter der schwitzenden Menge Platz zu nehmen.

Herzogstand-Sauna bis auf letzten Platz gefüllt

Die Herzogstand-Sauna, die maximal 300 Personen fasst, ist komplett belegt. Einige Zuschauer ziehen es vor, das Spektakel durch die riesige Fensterfront von der Terrasse aus zu verfolgen, den See und die Berge im Rücken. Unter dem Jubel des Publikums ziehen die Kontrahenten ein. „Das sind Daniel, der hier bei uns im Haus arbeitet, und Maciek, der amtierende Weltmeister“, erklärt Alice Hartebur, die Social-Media-Managerin der Kristall-Thermen-Gruppe. „Es gibt drei Runden, jede dauert etwa fünf Minuten. Jeder Teilnehmer sucht sich seine Musik aus, auf die er seine Vorführung ausrichten kann. Auf die Musik des Gegners muss er sich dann spontan einstellen.“

Und los geht’s: Mit eleganten Bewegungen schöpfen die jungen Männer – im Gegensatz zum Publikum sind sie bekleidet – mit riesigen Kellen den Aufguss und lassen ihn über die glühend heißen Lavasteine rinnen. Danach ergreifen sie ihre Handtücher und beginnen einen wirbelnden Tanz, mit dem sie die feuchtheiße Luft zum Publikum wedeln. Für besonders filigrane Wedelaktionen gibt’s Zwischenapplaus. Dann lässt der Weltmeister sein Handtuch fallen. „Ohhh!“, stöhnt das Publikum auf.

Publikum  johlt vor Begeisterung

Zweite Runde, Seitenwechsel. Neuer Aufguss aus dem zweiten Kübel. Man verwende Lavasteine, hatte Keijzer zuvor erklärt, weil diese Hitze und Wasser aufnehmen und wieder abgeben können. „Andere Steine könnten bersten.“ In der 3. Runde steht dann der „Battle“ an: Die Musik dröhnt fetzig, die Kontrahenten geben alles. Jetzt wird nicht mehr filigran, sondern hochvirtuos gewedelt, teilweise sogar mit zwei Handtüchern gleichzeitig. Das Publikum klatscht rhythmisch mit und johlt vor Begeisterung.

Am Ende der letzen Runde streben alle rasch hinaus, entweder direkt in den See oder auf die Terrasse. Keijzer kommt nochmals vorbei und zeigt sich begeistert darüber, wie das Publikum mitgegangen ist. „Dass man hier die zwei großen Saunaöfen nebeneinander stehen hat und auf jeder Seite 150 Leute Platz finden, ist einzigartig in der Welt“, erklärt er. „Ich schätze, eben waren mehr als 300 Zuschauer dabei.“

Bis zur Siegerehrung bleiben 90 Minuten. Um 20.30 Uhr ist die Sauna wieder rappelvoll. Erst nimmt die Jury Aufstellung vor der Glasfront, die im letzten Licht nur noch die Umrisse der Berge zeigt. Keijzer bedankt sich für „vier Tage Super-Event“ bei allen Beteiligten. Und dann kommen unter tosendem Beifall alle 20 Master herein. Schließlich verkündet Keijzer, wer 2020 dabei sein darf. Alice Sanesi, Tereza Madaraszova, Jacqueline Keijzer, Karolina Jarzabek, Marcel Hetzel, Dylan Beemer, Daniel Bulka und Maciek Piczura strahlen um die Wette – und zelebrieren schließlich gemeinsam einen allerletzten Aufguss. (SABINE NÄHER)

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