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Sie wissen nicht, wie es weitergehen soll: Kevin Montelli ist mit seinem Zirkus in Kochel gestrandet. Das Foto zeigt ihn mit seinen Neffen Jordan (li.) und Ricardo (re.) und einigen ihrer Tiere. 

Coronakrise 

Viele Spenden für Zirkus Montelli - neue Bleibe im Nachbarlandkreis

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Familie Montelli stand vor dem Ruin. Wegen der Coronakrise und dem Verbot von Veranstaltungen war sie mit ihrem Zirkus in Kochel gestrandet. Doch jetzt gibt es eine Lösung.

Update vom 26. März

„Über eine Spendenkampagne sind bislang fast 2.000 Euro für die Montellis eingegangen“, berichtet Initiatorin Petra Edenhofer. „Die erste Teilzahlung ging gestern schon an die Montellis raus.“ Der Rest folgt, sobald verfügbar. Ein befreundeter Musiker habe sogar angekündigt, dass er die Umsätze der nächsten zwei Wochen dem Zirkus spenden möchte, freut sich Edenhofer. Wer auch spenden will, kann das über die Plattform https://www.betterplace.me/kleiner-familienzirkus-in-not82.

Update vom 25. März:

Kochel am See - Es gibt gute Nachrichten: Nachdem der Tölzer Kurier über die akute Notlage der Schaustellerfamilie und ihrer Tiere berichtet hatte, gab es eine Welle der Hilfsbereitschaft für den Zirkus Montelli. „Es ist so toll, was wir in den letzten Tagen erlebt haben“, sagt Dominique Montelli gerührt. 

Nachdem die Heimatzeitung darüber berichtet hatte, dass der kleine Familienzirkus, der wegen der Coronakrise in Kochel gestrandet ist, dringend eine neue Bleibe braucht und außerdem um seine Existenz bangen muss, haben viele Menschen Kontakt mit ihnen aufgenommen, so Montelli. Viele haben demnach Futter für die Zirkustiere gespendet oder der Familie finanziell geholfen, da sie wegen des Verbots von Auftritten derzeit keinerlei Einnahmen hat.

Zirkus Montelli findet neue Bleibe

Dank des Zeitungsartikels konnte außerdem eine neue Bleibe für den Zirkus gefunden werden. Wie Montelli sagt, habe sich Tessy Lödermann vom Tierschutzverein aus Garmisch-Partenkirchen eingeschaltet und der Schaustellerfamilie einen Platz am Parkplatz der Hausbergbahn organisiert. Diese Fläche diente in der Vergangenheit vielfach auch großen Zirkus-Unternehmen wie etwa dem Zirkus Roncalli als Ort für Vorstellungen. Der Platz gehöre der Marktgemeinde Garmisch-Partenkirchen, berichtet Montelli. „So lange es nötig ist“, habe man ihnen gesagt, könnten sie auf dem gekiesten Areal ihre Wohnwagen aufstellen und die Stallzelte für ihre Tiere aufschlagen. Auch mit Strom und Wasser würden sie versorgt.

Bereits an diesem Mittwoch will Familie Montelli dorthin umziehen. „Wir sind schon dabei, einiges zusammenzupacken“, sagte Montelli am Dienstag im Gespräch mit der Heimatzeitung. Sie und ihre Familie seien unheimlich dankbar für die große Spendenbereitschaft der letzten Tage. Hilfsangebote seien sowohl aus Kochel selbst als auch aus der Region gekommen. 

Über die sofortigen Spenden hinaus habe mancher Landwirt auch zugesichert, in der nächsten Zeit Futter für die Zirkustiere bereitzuhalten. „Das brauchen wir bei Bedarf nur abholen“, freut sich Montelli. Unter den vielen Hilfsangeboten war unter anderem auch eines vom „Boutique-Hotel Lartor“ aus Unterammergau (Kreis Garmisch-Partenkirchen). Inhaber Christian Zott hatte der Familie eine Wiese direkt neben dem Hotel angeboten. Zirkus-Chef Kevin Montelli und seine Frau Dominique haben sich das Grundstück angesehen. Da eine gekieste Fläche für einen längeren Aufenthalt aber besser geeignet sei – vor allem bei Regen – habe sich die Familie für den „Hausberg“ entschieden. Denn wie lange man wegen der Coronakrise keine Vorstellungen geben darf, könne derzeit niemand sagen.

Ergänzung zum ursprünglichen Bericht:

Kochel am See - Kochels Bürgermeister Thomas Holz erklärt, was die Gemeinde für den Zirkus unternimmt.  „Die Gemeinde Kochel am See kümmert sich bereits seit Donnerstag um einen Ersatzplatz, da der Festplatz aufgrund der Arbeiten rund um die Sanierung der Hausmülldeponie leider nicht zur Verfügung gestellt werden kann - vor allem, weil man aktuell nicht abschätzen kann, wann der Zirkus weiterziehen kann“, sagt Holz. Er habe deswegen mit dem Grundstückspächter vereinbart, dass der Zirkus noch ein paar Tage dort stehen bleiben kann, sich aber alle intensiv um eine andere Lösung bemühen. 

Des Weiteren, so Holz weiter, stünden die Mitarbeiter der Gemeinde bereits seit Ende der Woche in engem Kontakt mit den zuständigen Stellen, die sich um das Wohlergehen der Familie und der Tiere kümmern. Zu Beginn der Woche ist geplant, dass die Mitarbeiter der Gemeinde, die Familie bei der Stellung der möglichen Anträge wie beispielsweise die Corona-Soforthilfe unterstützen.

Die ursprüngliche Meldung

Kochel am See Dominique Montelli ist völlig verzweifelt. Weinend schildert sie die Notlage, in der sich ihre achtköpfige Zirkus-Familie – darunter fünf Kinder – befindet: Vor einigen Tagen haben sie ihr Zelt auf einer Wiese in Kochel aufgebaut. Drei Vorstellungen wollten sie hier geben. Doch wegen der Einschränkungen im Zuge der Coronakrise habe keine einzige stattfinden können.

Nun müssten sie eigentlich weiterziehen. Nächste Station wäre Obersöchering gewesen. Doch dort habe man ihnen nun mitgeteilt, dass sie weder auftreten noch ihr Zelt aufbauen dürfen. Auch andere Orte wie Ohlstadt oder Krün, wo Auftritte schon fest vereinbart gewesen seien und ein Platz bereitgestellt worden war, haben abgesagt.

Ihre Familie könne also nirgendwo hin, sagt Dominique Montelli. Bleiben in Kochel könne sie aber auch nicht. Der Landwirt, der die Wiese bewirtschaft, auf der der Zirkus derzeit steht, dränge auf Abreise. Ebenso der Eigentümer der Fläche. Vor drei Tagen hätten sie eigentlich schon weiterziehen müssen. Mehrfach, sagt Zirkuschef Kevin Montelli, sei er in den vergangenen Tagen im Rathaus gewesen und habe darum gebeten, ob er mit Zelt und Co. auf den Kochler Festplatz umziehen könne. Doch das sei nicht gestattet worden.

Alle Anfragen seien bisher erfolglos gewesen

Auch Anfragen beim Landratsamt seien erfolglos verlaufen. „Sie können dort nichts machen.“ Einen festen Platz, wohin sich der Zirkus etwa im Winter zurückziehe, gebe es nicht. „Wir sind immer unterwegs“, sagt Zirkuschef Montelli.

Aber nicht nur, dass der Familienbetrieb nicht weiß wohin. Auch wirtschaftlich befindet sich die Familie in einer Notlage, wie Kevin Montelli schildert. Über den Winter seien die wenigen Geld-Reserven aufgezehrt worden. Die Saison habe gerade erst begonnen, doch außer in Bichl und Benediktbeuern hätten noch keine Vorstellungen stattfinden können. Und da seien weniger Besucher gekommen als sonst – aus Angst vor Ansteckung, wie Montelli vermutet.

Futter für Tiere wird knapp 

Wie lange sich die Familie über Wasser halten könne? „Durchhalten ist schon vorbei“, sagt Montelli, der die achte Generation einer Zirkusfamilie ist. Drei Säcke Reservefutter für seine 16 Zirkustiere – darunter Esel, Pferde, Ponys und Lamas – habe er noch. Dazu eineinhalb Rundballen Heu. „Das reicht nur noch ein paar Tage.“

Auch für die fünf Kinder und Erwachsenen im Zirkus sehe es nicht gut aus. „Ich weiß schon langsam nicht mehr, von was ich einkaufen soll“, sagt Montelli. Er und seine Familie hoffen nun auf jemanden, der ihnen einen Platz mit Strom und Wasser zur Verfügung stellt.

„Ich weiß nicht mehr von was ich einkaufen soll“ 

Auch Futterspenden für die Tiere bräuchte er dringend. „Wir haben noch nie dem Staat auf der Tasche gelegen“, betont er. „Wir sind in einer Notlage, für die wir nichts können.“ Seine Tiere verkaufen? Daran möchte Montelli nicht einmal denken. Sie sind seine Existenz und Teil der Familie.

Wer helfen möchte, erreicht Kevin Montelli unter Telefon 01 74/4 01 66 43.  Franziska Seliger 

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