Einradeln für die 4500 Kilometer: Askan von Schirnding auf dem Weg zum Start des „Northcape 4000“ in Rovereto am Gardasee. Das Event führt die 180 Teilnehmer zum Nordkap in Norwegen.
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Einradeln für die 4500 Kilometer: Askan von Schirnding auf dem Weg zum Start des „Northcape 4000“ in Rovereto am Gardasee. Das Event führt die 180 Teilnehmer zum Nordkap in Norwegen.

Tour zum Polarkreis

Extrem-Radler Askan von Schirnding auf dem Weg vom Gardasee ans Nordkap

  • Nick Scheder
    VonNick Scheder
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Vom Gardasee an den Polarkreis: Diese über 4000 Kilometer lange Strecke hat nun der Ultra-Distanz-Radler Askan von Schirnding aus Kochel in Angriff genommen. Die Bedingungen der Tour sind abenteuerlich.

Kochel am See – 350 Kilometer auf dem Rad. Jeden Tag. Schlafen im Bushäusl, Pausen auf ein Minimum reduziert: Für die meisten eine Tortur. Für Askan von Schirnding das größte Gefühl von Unabhängigkeit. „Das ist für mich der Inbegriff von Reisen“, sagt der 27-jährige Ultra-Distanz-Radler aus Kochel am See. „Das Schöne am Reisen ist doch, unterwegs zu sein.“

Über 4000 Kilometer mit dem Rad über den Plattensee, Polen und Lappland Richtung Polarkreis

Und das ist von Schirnding, der bereits im Winter mit seiner abenteuerlichen Fahrradtour ans Nordkap in Norwegen und zurück für Aufsehen sorgte. Jetzt ist er wieder unterwegs und nimmt das gleiche Ziel auf einer anderen Strecke in Angriff: Beim „North Cape 4000“, bei dem 180 Teilnehmer von Rovereto am Gardasee in Italien bis zum Polarkreis fahren.

Mehr als 4000 Kilometer. Zunächst geht es nach Osten, über Slowenien, Kroatien, Ungarn und zum Plattensee. Dann wenden sich die Biker Richtung Norden in die Slowakei, Polen, an der Grenze zur Ukraine und Weißrussland Richtung baltische Staaten, Litauen, Lettland und Estland. „Da gibt es dann vielleicht ein paar Passagen auf Schotterwegen“, sagt von Schirnding.

Extrem-Radler von Schirnding peilt 350 bis 400 Kilometer am Tag an

Von Talinn setzen die Teilnehmer über nach Helsinki, durch Lappland nach Rovaniemi, das Tor zum Polarkreis. Von da aus bleiben noch 700 Kilometer bis zum Ziel, dem Nordkap, vorbei an Oldefjord und der Barentssee. Das Rennen ist zwar nicht als Wettkampf ausgeschrieben. Sonst müssten wohl Streckenabschnitte gesperrt werden. Aber der sportliche Anspruch ist durchaus vorhanden. Es geht schon darum, wer als Erster das Nordkap erreicht. „Und das möchte ich sein“, sagt von Schirnding.

Er ist gut vorbereitet auf das laut Webseite „teilnehmer-stärkste Ultra-Distanz-Fahrrad-Abenteuer der Welt“, das am Samstag begann. „Ich bin so fit wie nie zuvor“, sagt der Extrem-Radfahrer. Die Teilnehmer haben 22 Tage Zeit für die fast 4500 Kilometer lange Strecke. Das Limit möchte der Kochler aber bei Weitem nicht ausreizen. Er peilt 350 oder auch mal 400 Kilometer am Tag an. Dann wäre er in nicht einmal zwei Wochen am Ziel. Vorausgesetzt, es kommen keine Schwierigkeiten auf ihn zu. „Ich möchte diesmal mehr rausholen als im Winter.“

Den größten Kampf ficht Askan von Schirnding gegen die Müdigkeit aus

Zumal er jetzt nicht mit Kälte und Schnee zu kämpfen hat. Bei seiner Wintertour zum Nordkap kämpfte er sich mit dem Mountainbike über vereiste Fahrbahnen und durch Schneestürme. „Jetzt geht die Temperatur auch im hohen Norden nicht unter zehn Grad“, glaubt von Schirnding. Auf dem Weg sind keine großen Berge zu überwinden. „Die Höhenmeter halten sich in Grenzen.“ Sein größter Kampf wird der gegen Erschöpfung und Müdigkeit sein. „Mehr als fünf Stunden Schlaf gönne ich mir nicht, das würde zu viel Zeit kosten“, sagt von Schirnding. Auch die Pausen möchte er gering halten.

Aber geht das nicht auf Kosten seiner Unabhängigkeit? Dort die Landschaft und das Leben zu genießen, wo ihn die Strecke hinführt? „Nein, das Schöne am Radfahren ist ja, dass man so schnell auch wieder nicht ist. Dass man das Schöne quasi im Vorbeifahren aufsaugen kann.“ Seine aktuelle Fahrt, bei der er sich erneut komplett selbst versorgen muss, steht in vollem Kontrast zu seiner Winter-Tour: „Damals war es kalt und im Norden den ganzen Tag dunkel“, sagt der selbständige Filmemacher. „Jetzt ist Sommer, und die Sonne geht auch nachts nicht mehr richtig unter.“ Und er reduziert sein Gepäck auf das nötigste: Regenkleidung, Isomatte, Schlafsack, GPS-Tracker, selbst das Zelt spart er sich. „Ich brauche nur irgendein Dach, Bushäuschen, Kapelle, Friedhof, da ist es schön ruhig“, sagt von Schirnding.

Freund bastelt ultra-distanz-taugliche Spezialausstattung zusammen

Und Werkzeug hat er im Gepäck. Damit er das so wenig wie möglich benötigt, hat von Schirnding im Vorfeld nicht nur sich gut vorbereitet. Sondern auch an seinem Setup gefeilt. Mit Hilfe eines guten Freundes, Falko Wittneben. „Der ist Handwerker und hat mit alles zusammengebastelt, was man haben will. Zum Beispiel hat er meinem Fahrrad in mühevoller Arbeit Licht-, Wasser-, und eine Handy-Halterung verpasst – Teile, für die es noch keine ultra-diststanz-tauglichen Lösungen auf dem Markt gibt“, freut sich der Kochler.

Es kann losgehen. Den Weg zum Start am Gardasee hat von Schirnding schon bewältigt. Natürlich mit dem Fahrrad.

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