Die Bergwacht Kochel bringt den Schwerverletzten in den Hubschrauber.
+
Die Bergwacht Kochel bringt den Schwerverletzten in den Hubschrauber.

Sportler schwerverletzt

Von Steinschlag überrascht: Eiskletterer verunglückt am Jochberg - außergewöhnlicher Einsatz für Bergwacht

  • Christiane Mühlbauer
    vonChristiane Mühlbauer
    schließen

Ein Eiskletterer ist an Heilig Drei König am Jochberg verunglückt. Für die Bergwacht bedeutete das einen komplizierten Einsatz, der etwa zwei Stunden dauerte. 

  • Zwei Eiskletterer gerieten am Jochberg in Bergnot.
  • Sie waren in der Route „Linkes Gully“ unterwegs.
  • Ein Sportler hing nach einem Steinschlag bewusstlos im Seil.
  • Alles aus der Region gibt‘s im Bad-Tölz-Newsletter.

Kochel am See – Zwei Männer aus dem Großraum München waren am Feiertag zu einer Eisklettertour an den Jochberg gekommen. Die Eiskletter-Routen dort sind anspruchsvoll, berichtet Ritchi Huber, der stellvertretende Leiter der Kochler Bergwacht. Die beiden Männer seien erfahren gewesen und hätten sich für die Route „Linkes Gully“ in der Nordwand entschieden. Für die Durchquerung braucht man je nach Situation und Können ein bis drei Stunden, so Huber.

Jochberg: Eiskletterer von Steinschlag überrascht - Begleiter setzt Notruf ab

Bei ihrer Tour wurden die Männer jedoch von einem Steinschlag überrascht. Es traf den zweiten Mann im Seil. Er wurde bewusstlos und hing in der Wand. Sein Begleiteter setzte um 14.20 Uhr einen Notruf ab.

Die Kochler Bergwacht forderte sofort einen Rettungshubschrauber mit Winde und Notarzt an. Der Helikopter „Christoph München“ war rasch vor Ort und nahm an der Rettungswache in Kochel einen Bergretter auf, mit dem er zur Unfallstelle flog. „Glücklicherweise war das zwischen zwei Wolkenschichten möglich“, sagt Huber.

Kochel am See: Eiskletterer am Jochberg verunglückt - Komplizierter Einsatz für Bergwacht

Vor Ort musste der Retter die äußerst anspruchsvolle Kappbergung durchführen, berichtet Huber. Hier muss jeder Handgriff sitzen, denn es muss schnell gehen. Der Retter wird mit der Winde zum Patienten abgelassen. Normalerweise würde er dann den Windenhaken lösen. Bei einer Kappbergung bleibt er jedoch am Windenhaken, sichert den Verletzten mit einem speziellen Gurt, trennt dessen Kletterseil und hängt den Verletzten ebenfalls an den Windenhaken. Dann werden beide wieder in den Helikopter gezogen.

Während einer Kappbergung sind Hubschrauber, Retter und Patient also ständig verbunden. „Für den Hubschrauberpiloten ist das eine große Herausforderung, weil er in dieser Zeit manövrierunfähig ist“, erklärt Huber. „Er ist quasi am Berg ,gefesselt‘.“ Zudem befinde sich der Retter in steilem, schwierigem Gelände.

Jochberg: Eiskletterer verunglückt - Schwerverletzter mit Hubschrauber ins Tal geflogen

Am Jochberg klappte diese Bergung innerhalb kürzester Zeit. Der Schwerverletzte wurde ins Tal geflogen und durch die medizinische Crew des Rettungshubschraubers sowie von der Bergwacht in der Rettungswache versorgt. Dann wurde der Sportler aus dem Landkreis Fürstenfeldbruck ins Unfallkrankenhaus nach Murnau gebracht.

Der Begleiter des Mannes blieb unverletzt. Er wurde im Anschluss ebenfalls mit dem Helikopter aus der Wand geholt und konnte anschließend selbst nach Hause fahren. Die Bergwacht Kochel ist froh, dass der Einsatz den Umständen entsprechend gut und reibungslos ablief. „Entscheidend war die Möglichkeit der Bergung mit Hubschrauber“, sagt Huber. Hier habe vor allem das Wetter eine große Rolle gespielt.

Eiskletterer am Jochberg von Steinschlag überrascht - Begleiter bleibt unverletzt

Für eine Kappbergung übe man regelmäßig im Bergwachtzentrum (ZSA) auf der Tölzer Flinthöhe. „Eine terrestrische Bergung in der gesamten Jochberg-Nordwand wäre äußerst anspruchsvoll und zeitaufwendig und erfordert ein umfangreiches Gefahrenmanagement“, sagt Huber. Um auch dafür gewappnet zu sein, hatten sich mehrere Einsatzkräfte schon in Stellung gebracht. Insgesamt waren 15 Retter im Einsatz. Nach zwei Stunden war ihr Dienst beendet.  

Es passiert immer wieder, dass Navis Autofahrer in die Irre führen. Ein 43-Jähriger und seine Familie waren deshalb kürzlich mit dem Auto plötzlich Richtung Brauneckgipfel unterwegs. Als der SUV vom Weg abkam, folgte eine dreistündige Bergungsaktion. Und in Bad Heilbrunn parkte ein BMW-Fahrer absichtlich ein Auto ein - und wollte nur gegen Bezahlung wieder wegfahren. Jetzt erwartet den Mann eine Anzeige.

(Von Christiane Mühlbauer)

Auch interessant

Mehr zum Thema

Kommentare