Ein geselliges Paar: Siegfried Zauner mit seiner Ehefrau Helma. Die beiden hätten am Dienstag ihren 60. Hochzeitstag gefeiert.
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Ein geselliges Paar: Siegfried Zauner mit seiner Ehefrau Helma. Die beiden hätten am Dienstag ihren 60. Hochzeitstag gefeiert.

Nachruf

Kochel trauert um Altbürgermeister Siegfried Zauner: „Er hat Meilensteine gesetzt“

  • Christiane Mühlbauer
    vonChristiane Mühlbauer
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Die Gemeinde Kochel trauert um Altbürgermeister Siegfried Zauner. Der Träger des Bundesverdienstkreuzes starb am Montagabend im Alter von 88 Jahren.

Kochel am See – Er war ein Mensch, der stets offen auf andere zuging, zuhören konnte und der immer um Ausgleich bemüht war: Kochels Altbürgermeister Siegfried Zauner war für sein vielfältiges Engagement weit über die Grenzen des Landkreises hinaus bekannt. Am Montagabend starb Zauner im Alter von 88 Jahren nach kurzer schwerer Krankheit im Kreise seiner Familie.

Zauner, ein gebürtiger Kochler, war gelernter Schuhmachermeister, arbeitete als junger Mann auf dem Bau und interessierte sich schon früh für die kommunale Politik. 1966 wurde er in den Gemeinderat gewählt, zwei Jahre später wurde Zauner mit erst 35 Jahren Bürgermeister und Nachfolger des zurückgetretenen Engelbert Bolligs. 28 Jahre lang lenkte Zauner, der erst im Laufe seiner Amtszeit der CSU beitrat, die Geschicke im Kochler Rathaus, davon 24 Jahre auch als Vorsitzender der Verwaltungsgemeinschaft Kochel-Schlehdorf.

Zug um Zug vergrößerte Zauner den Radius seines politischen Wirkens. Ab 1972 saß er 30 Jahre lang im Kreistag, von 1984 bis 1996 war er Bürgermeistersprecher und Kreisvorsitzender des Bayerischen Gemeindetags. Auch als Mitglied im Landesausschuss des Landkreistags setzte sich der Kochler für die Belange der Region ein.

In Kochel selbst stellte Zauner die Weichen für vieles, was heute zu den Aushängeschildern der Gemeinde zählt. 1972 machte er sich für den Bau des Triminis – damals noch ein „Familienerlebnisbad“ – stark. 1973 kaufte die Gemeinde die Herzogstandbahn und ließ sie 1994 in eine Gondel-Pendelbahn umbauen. Zauner erkannte auch die Bedeutung der Bilder von Franz Marc und machte sich, zusammen mit anderen Gemeinderatsmitgliedern, dafür stark, dass aus dem ehemaligen Goethe-Institut ein Museum werden konnte. 2014 war Königin Silvia aus Schweden zu Besuch.

Auch die Belange der Bürger hatte Zauner stets im Blick. In seiner Amtszeit wurden unter anderem sechs Einheimischenmodelle für den Wohnungsbau umgesetzt sowie ein neuer Gemeindekindergarten und die Turnhalle an der Grundschule gebaut. Die Feuerwehren in Kochel und Walchensee bekamen moderne Gerätehäuser, jenes in Ried wurde umgebaut. Auch die Fußball- und Tennisplätze in Kochel und Walchensee wurden unter Zauner errichtet, berichtet Bürgermeister Thomas Holz. „Sigi Zauner war ein Mann der Tat. Die Gemeinde Kochel hat ihm sehr viel zu verdanken“, sagt Holz. Sein Vorvorgänger habe das Amt „nie nur als Beruf gesehen, sondern er hat es gelebt“. Zauners Gradlinigkeit, aber vor allem auch seine väterliche und sehr menschliche Seite machten ihn zu einer sehr geschätzten Persönlichkeit.

Siegfried Zauner

„Sigi Zauner hat Meilensteine gesetzt, die beständig und unverrückbar an seine Amtszeit erinnern“, sagt Altbürgermeister Werner Englert, Zauners Nachfolger im Amt. Englert arbeitete jahrelang in der Verwaltung unter Zauner und beschreibt ihn als „Kommunalpolitiker mit Leib und Seele“. Großen Respekt zollen ihm auch heute noch die politischen Gegner von der SPD. Zauner habe Zuhören können, sei nie nachtragend gewesen und habe großen Wert darauf gelegt, sachbezogene Entscheidungen zu treffen, sagt Monika Hoffmann-Sailer, die den Verstorbenen durch jahrzehntelange Arbeit in Gemeinderat und Kreistag gut kannte.

Zauner war über 70 Jahre lang Mitglied der Kochler Bergwacht und rückte bei vielen Einsätzen mit aus, dankt Bereitschaftsleiter Toni Geiger. Für sein politisches und gesellschaftliches Engagement erhielt Zauner höchste Auszeichnungen: 1984 das Bundesverdienstkreuz am Bande, zwei Jahre später die Bayerische kommunale Verdienstmedaille. 1987 wurde er mit der Bayerischen Umweltmedaille gewürdigt, 1993 würdigte die Gemeinde Kochel Zauner mit der Goldenen Bürgermedaille. 1995 wurden Zauner das Bundesverdienstkreuz Erster Klasse sowie das Ehrenzeichen des Deutschen Roten Kreuzes verliehen. 1997 ernannte ihn die Gemeinde Kochel zum Ehrenbürger.

Siegfried Zauners Lebensgeschichte ist auch untrennbar mit dem Herzogstand verbunden. Das Gasthaus befindet sich seit 1978 in Familienbesitz. Der Großbrand 1990, verursacht durch einen Kachelofen, und der außergewöhnliche, sehr schwierige Löscheinsatz der Feuerwehr auf dem Berg sorgte bundesweit für Schlagzeilen. Heute bewirtschaftet Sigi Zauner jun. den beliebten Gasthof. Der Vater war im Ruhestand oft oben und half beim Ausschank, und ehemalige Weggefährten waren gern gesehene Gäste. Zu ihnen zählte übrigens auch Richard von Weizsäcker (gestorben 2015), der bekanntlich in Wackersberg ein Ferienhaus besaß. Die beiden hatten sich 1982 in Berlin kennengelernt.

Siegfried Zauner starb am Montagabend im Beisein der Familie zu Hause in Kochel. Am Dienstag hätten er und seine Frau Helma ihren 60. Hochzeitstag begangen. Die drei gemeinsamen Kinder und die sieben Enkel waren in den vergangenen Jahren die größte Freude des Ehepaares.

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Erstmeldung Mittwoch, 17. Februar 2021, 9.30 Uhr:

Kochel am See - In der Gemeinde Kochel herrscht Trauer über den Tod von Altbürgermeister Siegfried Zauner. Der ehemalige Bürgermeister hat sich auch weit über die Landkreisgrenzen hinaus großes Ansehen für seine politischen Entscheidungen und seinen Einsatz für die Gesellschaft erworben.

Zauner wurde 1966 in den Kochler Gemeinderat gewählt und wurde schon zwei Jahre später Bürgermeister. Die Geschicke der Kommune leitete er insgesamt 28 Jahre lang und war zudem ab 1972 24 Jahre lang Chef der Verwaltungsgemeinschaft Kochel-Schlehdorf. „Sein großes politisches Gespür und seine besondere Menschlichkeit ließen ihn aber auch auf Landkreisebene und darüber hinaus zu einem hoch geschätzten Kommunalpolitiker werden“, sagt Kochels Bürgermeister Thomas Holz. Nicht nur, dass Zauner von 1972 an 30 Jahre dem Kreistag angehörte, er vertrat von 1984 bis 1996 als Bürgermeistersprecher und Kreisvorsitzender des Bayerischen Gemeindetags die Interessen der Kommunen sowie als Mitglied des Landesausschusses im Bayerischen Landkreistag die Belange des Landkreises. „Er war ein Mann der Tat“, sagt Holz. „Die Gemeinde Kochel hat Sigi Zauner sehr viel zu verdanken.“

Unter Zauner wurden unter anderem das Trimini gebaut und das Franz-Marc-Museum errichtet. Zudem kaufte er für die Gemeinde die Herzogstandbahn und ließ sie modernisieren. Auch für die örtlichen Vereine engagierte er sich stark, unter anderem für den Neu- bzw. Umbau der Feuerwehrgerätehäuser in Kochel, Ried und Walchensee.

„Sein Einsatz für die Gemeinde ging weit über die normalen Anforderungen an einen Bürgermeister hinaus“, sagt Holz. „Sigi hat dieses besondere Amt nie nur als Beruf gesehen, sondern er hat dieses Amt gelebt.“

Für seinen vielfältigen politischen Einsatz erhielt Zauner das Bundesverdienstkreuz Erster Klasse, das Bundesverdienstkreuz am Bande, die Bayerische kommunale Verdienstmedaille und die Bayerische Umweltmedaille. Er wurde zum Ehrenbürger der Gemeinde Kochel ernannt und ist Träger der Goldenen Bürgermedaille. Zudem wurde Zauner das Ehrenzeichen des Deutschen Roten Kreuzes zu teil.

Um Zauner trauern seine Frau Helma, drei erwachsene Kinder und sieben Enkel. Am gestrigen Dienstag hätte das Ehepaar Diamantene Hochzeit gefeiert.

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