Ein teures Mountainbike wurde vergangenen April im Kochel gestohlen. Der Besitzer fand es auf einem Verkaufsportal im Internet wieder. SymbolFoto. DPA
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Ein teures Mountainbike wurde vergangenen April im Kochel gestohlen. Der Besitzer fand es auf einem Verkaufsportal im Internet wieder.

Verhandlung am Amtsgericht

Kochler findet gestohlenes Mountainbike im Internet wieder: Dieb muss in den Knast

  • vonRudi Stallein
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Am 29. April 2020, irgendwann in der Nacht, verschwand in Kochel am See ein teures Mountainbike. Das Rad war mit einem Kabelschloss gesichert. Wenige Tage später entdeckte der Besitzer sein mit diversen Extras ausgestattetes Bike auf einem Verkaufsportal im Internet. Der Dieb stand nun vor Gericht.

Kochel am See - Der Produktionsarbeiter aus Selb (Landkreis Wunsiedel im Fichtelgebirge) wegen eines besonders schweren Falls des Diebstahls vor dem Wolfratshauser Amtsgericht verantworten. Der Mann wurde zu einer Freiheitsstrafe von sechs Monaten verurteilt – wegen „Diebstahls oder Hehlerei“.

„Ihre Geschichte ist erstunken und erlogen“, sagte der Richter

Diese sogenannte „Wahlfeststellung“ traf das Gericht, weil durch die Beweisaufnahme nicht eindeutig geklärt werden konnte, wie das laut Anklageschrift rund 3000 Euro teure Bike in den Besitz des Beschuldigten gelangt war. Fest stand für Richter Helmut Berger jedoch: „Bei ihrer Geschichte stimmt es vorne und hinten nicht. Die ist erstunken und erlogen.“

Er habe das Fahrrad am 2. Mai, einem Samstag, in Leipzig gekauft, versichtete der Oberfranke. Und zwar auf dem „Kiezflohmarkt“. Dort habe eine Familie aus ihrem VW-Bus heraus diverse Bikes verkauft. „Das Cube war das günstigste, kostete 300 Euro.“ Er habe es „ein bisschen herrichten und weiterverkaufen wollen“, so der Angeklagte. Als er es im Internet anbot, habe es zunächst niemand haben wollen, „weil ich keine Kaufquittung hatte“. Dann habe sich ein Interessent aus Nürnberg gemeldet. Der sei jedoch kurzfristig wieder abgesprungen, als er, der Beschuldigte, bereits mit dem Rad im Zug auf dem Weg in die Frankenmetropole gewesen sei. Name und Adresse des Interessenten konnte er dem Gericht nicht nennen. Dafür aber das Pfandleihhaus, wo er das Rad schließlich losgeworden sei – für 350 Euro. Der Pfandleiher hatte das Rad später im Internet zum Kauf angeboten, dabei entdeckte es der Eigentümer.

Angeklagter hat zehn Vorstrafen - darunter auch einschlägige

Der größte Haken an der Erzählung des Angeklagten: Zu jener Zeit, im Mai 2020, gab es wegen der Pandemie in Leipzig keine Flohmärkte. Das hatte der Veranstalter auf Nachfrage der ermittelnden Polizei in Kochel mitgeteilt. „Es gibt keine Beweise, dass ich jemals in Kochel war. Auch der Diebstahl ist nicht bewiesen“, verteidigte sich der Mann, der kein Auto besitzt, dessen Eintrag im Bundeszentralregister aber bereits zehn Verurteilungen enthält. Davon etliche wegen Eigentumsdelikten. Zuletzt war er 2018 vom Amtsgericht Bayreuth wegen Diebstahls zu einer Gefängnisstrafe von zwei Jahren und acht Monaten verurteilt worden, die er abgesessen hat. „Es spricht viel für Diebstahl, aber auch Hehlerei wäre nicht unmöglich“, erläuterte Richter Helmut Berger in seiner Urteilsbegründung. „Wenn einer nur 300 Euro für ein hochwertiges Rad verlangt und keine Quittung hat – das springt einen doch regelrecht an, dass da was nicht stimmt.“

Der Angeklagte legte noch im Gerichtssaal gegen das Urteil Berufung ein. Das Mountainbike ist laut Polizei inzwischen „an den Besitzer zurückgegangen“.

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