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Die neu montierten Leitschwellen in der Fahrbahnmitte einiger Bereiche der Kesselberg-Strecke zeigen nach Einschätzung der Polizei Wirkung.

Bilanz nach Ende der Motorrad-Saison

Kesselberg: Leitschwellen verderben Rasern den Spaß

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Kochel am See - Seit Mitte Juli sollen Leitschwellen am Kesselberg die Motorrad-Raser ausbremsen. Polizei und Staatliches Bauamt ziehen jetzt, nach Saisonende, eine vorsichtig optimistische Bilanz. Eine Beobachtung hat die Behörden jedoch auch schockiert.

Kaum zu glauben: Es gab Biker, die nachts die Leitschwellen abmontierten, um ihrer Raser-Lust in den Kurven freien Lauf zu lassen. Michael Kordon, Leiter des Staatlichen baumats Weilheim, bestätigt: „Ja, das stimmt.“ Man habe deshalb nicht die Öffentlichkeit informiert, weil man hoffte, mit nächtlicher Überwachung den oder die Täter zu finden. Doch die Polizei hat niemanden erwischt. „Wir haben für so eine Gefährdung des Straßenverkehrs überhaupt kein Verständnis“, sagt Kordon. Wer erwischt werde, müsse mit einer „empfindlichen Strafe“ rechnen.

Polizei und Staatliches Bauamt sind ansonsten vorsichtig optimistisch, dass die Leitschwellen-Maßnahme fruchtet. Die Schwellen wurden am 18. Juli montiert. Der Kochler Polizeichef Stefan Wiedemann hat die Unfallstatistik entsprechend unterteilt: von Saisonbeginn im April bis zum 17. Juli gab es am Kesselberg 13 Unfälle, davon elf mit Personenschaden (sechs Schwer- und fünf Leichtverletzte). Von diesen 13 Unfällen passierten vier im „Zentralbereich“, also jenem Kurvenabschnitt, in dem jetzt die Leitschwellen stehen. „Die Ursache dieser Unfälle war immer überhöhte Geschwindigkeit“, sagt Wiedemann.

Vom 18. Juli bis zum 7. November gab es insgesamt acht Unfälle mit sieben Verletzten (drei schwer, vier leicht). Von diesen acht Unfällen geschahen aber nur zwei im „Zentralbereich“. „Und hier war nur einer ein Raser, der andere war ein Anfänger und stürzte wegen mangelnder Fahrpraxis“, sagt Wiedemann. Die übrigen Unfälle in der zweiten Saison-Hälfte hätten sich an anderen Stellen am Berg ereignet.

Wiedemann zieht daraus die Schlussfolgerung: Die Leitschwellen zeigen Wirkung, und es wäre klug, sie zu erweitern, etwa in den unteren Bereichen nahe Kraftwerk Altjoch beziehungsweise Urfeld. Generell, sagt Wiedemann, „wollen wir aber nicht den ganzen Berg zupflastern. Wenn man die Brennpunkte beruhigen könnte, hätte man schon viel gewonnen.“

In Kürze soll es eine Saison-Nachbesprechung von Polizei, Staatlichem Bauamt und Verkehrsbehörde geben. Bauamts-Leiter Michael Kordon ist mit einer Bewertung noch zurückhaltend, meint aber: „Die Tendenz geht schon in die Richtung, dass die Leitschwellen ihren Zweck erfüllen.“ Man müsse jetzt auch schauen, wie sie sich im Winter – sprich: für den Schneepflug – gestalten. „Um die Situation endgültig zu bewerten, müssen wir vier Jahreszeiten anschauen.“ Das sage er auch zu Kollegen aus anderen Regierungsbezirken, die mit Interesse die Entwicklungen am Kesselberg verfolgen.

Nicht glücklich mit der Situation sind übrigens Radfahrer. Es gibt Klagen, dass für sie der Kesselberg jetzt gefährlicher geworden sei, weil Autos und Busse nur mit geringem Abstand überholen könnten. Bei Polizei und Straßenbauamt ist die Situation bekannt. „Das ist ja einer der Gründe, warum wir die Leitschwellen nur in Kurvenbereichen montiert haben“, sagt Kordon. Auch hier gelte es, Erfahrungen zu sammeln, und dann die Situation zu bewerten.

Apropos Bewertung: Motorradfahrer, die den Rausch der Geschwindigkeit lieben, haben in entsprechenden Biker-Foren den Kesselberg als „negativ“ eingestuft, berichtet Polizeichef Wiedemann. „Denen ist die Lust vergangen.“ Auch die Präsenz der Kontrollgruppe Motorrad habe dazu beigetragen. Wiedemann sagt aber auch, dass man durch die Maßnahmen die Raser lediglich verdränge. „Die toben sich dann irgendwo anders aus.“

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