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Amtsgericht

Mit Messer auf den Kumpel losgegangen

Kochel am See/Wolfratshausen – Zwei alte Kumpel betrinken sich an einem sonnigen Freitagnachmittag in Kochel. Ein paar Stunden später sind 15 Polizisten im Einsatz, weil einer der beiden mit einem Messer auf den anderen losgegangen ist.

Der Angreifer, ein 28 Jahre alter Benediktbeurer, wurde nun vom Schöffengericht am Amtsgericht Wolfratshausen wegen gefährlicher Körperverletzung, vorsätzlicher Körperverletzung und Sachbeschädigung zu einem Jahr und acht Monaten Gefängnis verurteilt, außerdem ordnete das Gericht die Unterbringung in einer Entzugsklinik an. Die Strafe wurde zur Bewährung ausgesetzt.

Am 6. März vorigen Jahres gegen 13 Uhr kauften der Angeklagte und sein Freund, ein 34 Jahre alter Kochler, in einem Supermarkt mindestens vier Flaschen Bier sowie zwei Flaschen Wodka und einen Liter Orangensaft. Den Gerstensaft vernichteten sie bei strahlendem Sonnenschein an Ort und Stelle, bevor sie zur Wohnung des späteren Geschädigten aufbrachen.

Unterwegs kamen sie am Haus eines Bekannten vorbei. „Ich wollte ihn zusammenscheißen, weil er soviel Schmarrn über mich erzählt hatte“, begründet der Benediktbeurer, warum er plötzlich ins Haus gestürmt war, wo es zum Streit kam. Sein Freund wollte schlichten. Im Handgemenge soll er vom Angeklagten einen Schlag oder Stoß bekommen haben. Er stürzte die Treppe hinunter und erlitt eine schwere Gehirnerschütterung. „So massiv, dass man daran sterben kann“, wie der Staatsanwalt ausführte. Trotzdem zogen die zwei weiter. Schließlich landete man bei der Freundin des Angeklagten.

Inzwischen hatte sich ein dritter Mann dazugesellt. Wegen dem gab es offenbar Streit zwischen der 32-jährigen Wohnungseigentümerin und dem Beschuldigten. Der verpasste der Frau eine Watschen, weshalb sein Freund sich erneut zum Schlichter berufen sah. Das missfiel dem Angeklagten derart, dass er erst mit einem Billard-Kö, den er an der Zimmerwand zerschlug, drohte. Dann holte er ein Küchenmesser und hielt seinem Freund die 20 Zentimeter lange Klinge („mit der stumpfen Seite“, wie er beteuerte) an den Hals. Beim Abwehren des Messers zog sich der kampfsporterprobte Kochler eine Schnittwunde an der Hand zu. „Es tut mir unendlich leid. Das ist mir alles ein Rätsel. Ich lieb die Frau doch über alles“, beteuerte der Angeklagte, der bald mit der langjährigen Freundin zusammenziehen will. Auch die Freundschaft zu seinem Kumpel habe nicht gelitten. „Es hat sich nix geändert“, bestätigte der Geschädigte. „Außer, dass wir nicht mehr soviel saufen. Schnaps vor allem – und schon gar nicht in der Sonne.“

Beim Angeklagten, der nach eigenem Bekunden keinen Schnaps verträgt, wurden (zu dessen eigener Verwunderung) „nur“ 0,88 Promille Alkohol festgestellt – sein Freund brachte es auf 2,4 Promille. Aber im Blut des Beschuldigten fanden sich Spuren zahlreicher anderer Drogen, darunter Marihuana, Kokain, Heroin, Fentanyl, Amphetamin und Methadon. Das „reichhaltige Gemisch“ habe jedoch nicht zu einer Aufhebung der Steuerungsfähigkeit des Angeklagten geführt, sagte ein Gutachter.

Der 28-Jährige räumte ein, gelegentlich Drogen gegen seine Rückenschmerzen zu nehmen und sich täglich seine ein, zwei Feierabendbiere – am Wochenende auch mal mehr – zu gönnen. Ein Problem habe er damit aber nicht. „Ich fahr auf einer guten Schiene jetzt“, beteuerte der Benediktbeurer. „Ein Problem mit Alkohol hat er nicht“, attestierte ihm seine Freundin. Das sah das Schöffengericht anders. Es verordnete dem Angeklagten als Bewährungsauflage außer 3000 Euro Geldbuße an die Caritas auch „jeden Konsum von Alkohol und Drogen zu unterlassen“. „Das wird ihnen schwer fallen, das ist uns bewusst“, so Richter Helmut Berger, der die Konsequenzen deutlich aufzeigte. „Bei einem Verstoß – auch gegen Weisungen des Bewährungshelfers – geht’s direkt in die Entziehung und anschließend ins Gefängnis.“

Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig. Der Staatsanwalt hatte 28 Monate Gefängnis ohne Bewährung beantragt.

Rudi Stallein

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