Der Bergsteigerbus des RVO passiert auf dem Weg in Richtung Eng die Sylvensteinseebrücke.
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Der Bergsteigerbus des RVO passiert auf dem Weg in Richtung Eng auch die Sylvensteinseebrücke.

Fahrplan ins Glück

Mit Bus und Bahn zum Walchensee oder in die Eng: Wie lange es dauert und was es kostet

Wer typische Ausflugsziele wie den Walchensee oder Wandergebiete im Karwendel mit öffentlichen Verkehrsmitteln ansteuert, muss deutlich mehr Zeit einplanen

  • Das Tölzer Land erstickt vor allem an schönen Tagen im Verkehr
  • Besonders die Touristenziele am Walchensee und in den Bergen sind überlaufen
  • Sind öffentliche Verkehrsmittel eine Alternative zum Auto?

Bad Tölz-Wolfratshausen – Kaum ist das Wetter schön, rollt aus Richtung München eine Blechlawine durch den Isarwinkel und in Richtung Walchensee: Die Region ächzt heuer mehr denn je unter der Verkehrsbelastung. Doch lässt sich ein Ausflug von der Landeshauptstadt aus eigentlich auch bequem, umweltfreundlich und stressfrei per Bus und Bahn unternehmen? Der Tölzer Kurier hat nach Alternativen geforscht.

Mit dem ÖPNV an den Walchensee

Der Klassiker ist ein Ausflug zum Walchensee. Badehose, Handtuch, Buch und Brotzeit lassen sich mit gutem Willen im Rucksack verstauen, auf die Vollausrüstung mit aufblasbarem Einhorn, Sonnenschirm und Klappstuhl wird man als ÖPNV-Reisender vermutlich eher verzichten.

Die Fahrplanauskunft auf bahn.de zeigt: Ausgehend von einer Adresse im Münchner Süden mit sechs Minuten Fußweg zur nächsten Bushaltestelle dauert die Reise bis zur Haltestelle Walchensee-Herzogstandbahn 2:22 Stunden. Wobei: Ist man erst mal mit Bus und U-Bahn am Hauptbahnhof angekommen, muss mann nur mehr gut eineinhalb Stunden veranschlagen, bis man am Walchensee ist. Mit dem Zug geht es in 1:09 Stunden nach Kochel. Dort fährt nach sieben Minuten Umsteigezeit der Bus 9608 in Richtung Garmisch-Partenkirchen ab. Der braucht dann 21 Minuten zur Herzogstandbahn.

Prinzipiell kommen drei vernünftige Abfahrtszeiten ab der Münchner Beispiel-Bushaltestelle in Frage: 7.20, 8.20 oder 9.20 Uhr mit Ankunft um 9.36, 10.36 oder 11.36 Uhr.

Auch mit den Öffentlichen ist ein Badeausflug an den Walchensee möglich

Für die Rückfahrt kann der Badeausflügler an der Herzogstandbahn einen der Busse nehmen, die von 15 bis 18 Uhr immer neun Minuten nach der vollen Stunde abfahren. Bis er zu Hause ist, dauert es dann 2:26 Stunden. Die letzte Möglichkeit, um noch heim zu kommen, wäre ein Bus um 18.36 Uhr. Diese Verbindung mit Umstiegen in Garmisch-Partenkirchen dauert allerdings 3:31 Stunden.

Fazit: Auch mit den Öffentlichen ist ein Badeausflug an den Walchensee realistisch machbar – wenn man bereit ist, zirca fünf Stunden des Tages mit An- und Abreise zu verbringen und (im Sparpreis) 22 Euro pro Person zu bezahlen.

Die meisten Fahrgäste nutzen nach Auskunft von RVO-Niederlassungsleiter Andreas Päschel das Bayernticket, das für Gruppen deutlich günstiger ist (zum Beispiel 53 Euro für fünf Personen). Zum Vergleich: Die Anreise mit dem Auto dauert laut ADAC-Routenplaner einfach rund 1:20 Stunden – beim an schönen Tagen üblichen Stau natürlich meist viel länger. Der Sprit kostet – je nach Verbrauch und aktuellem Literpreis – 12 bis 15 Euro. Wie Päschel erklärt, ist die Busverbindung von Kochel in Richtung Walchensee äußerst beliebt. Weil zu Stoßzeiten bis zu 100 oder 120 Fahrgäste mitwollen, „setzten wir gerade am Wochenende Verstärkerbusse ein“, so der RVO-Niederlassungsleiter.

Er benennt aber auch die Probleme: Bei dichtem Ausflugsverkehr steht natürlich auch der Bus mit im Stau. Gerade auf dem Rückweg könne daher bisweilen der an sich perfekte Anschluss an den Zug in Kochel öfters nicht erreicht werden. Eine Schwierigkeit sei auch, dass auf vielen Strecken ein Bus einen Radfahrer nicht unter Einhaltung des Mindestabstands von zwei Metern überholen kann. „Deswegen müssen wir immer wieder über den ganzen Kesselberg Radfahrern mit zehn Stundenkilometern hinterherfahren. Das sorgt für zusätzliche Verspätungen.“

Von der BOB in den Bergsteigerbus

Wer von München aus in Richtung Isarwinkel will, für den ist die Bayerische Oberlandbahn (BOB) das öffentliche Verkehrsmittel der Wahl. Fabian Amini, Geschäftsführer des Mutterunternehmens Bayerische Regiobahn (BRB) listet auf Anfrage eine lange Liste von Ausflugzielen im Landkreis auf, die mit dem Zug erreichbar sind. „In Lenggries ist es vom Bahnhof aus ein kurzer Spazierweg beziehungsweise eine noch kürzere Busfahrt bis an den Fuß des Braunecks“, stellt er fest. In die Jachenau fährt vom Lenggrieser Bahnhof der Bus 9595 weiter. Von Bad Tölz aus wiederum sei die Buslinie 9612, mit der man zum Blomberg kommt, auf den Zugfahrplan abgestimmt, so Amini.

Wer von München Richtung Isarwinkel will, für den ist die BOB das öffentliche Verkehrsmittel der Wahl.

Am interessantesten für Ausflügler ist der vom Deutschen Alpenverein mitfinanzierte „Bergsteigerbus“, der von Lenggries siebenmal täglich bis in die Eng fährt und auf dem Weg an etlichen Ausgangspunkten für Wanderungen hält: etwa am Sylvensteinsee (Kraftwerk), am Aufstieg zur Tölzer Hütte, der Mautstelle Hinterriß oder am Einstieg ins Laliderertal. Ab München ist die günstigste Fahrkarte das „Kombiticket Karwendel“ für BOB und Bus. Hin- und Rückfahrt für 31 Euro (Kinder: 15,50 Euro). Die Hin- und Rückfahrt allein mit dem Bergsteigerbus kostet ab Bad Tölz 18 Euro, ab Lenggries 16 Euro (Kinder die Hälfte).

In gut drei Stunden geht es öffentlich in die Eng

Von genannter Münchner Beispieladresse aus müsste der Ausflügler an einem Sonntag um 7.14 Uhr aufbrechen, um den Bus um 7.20 Uhr zu erwischen. Am Hauptbahnhof könnte er dann um 8.04 Uhr in die BOB steigen. Ankunft in der Eng wäre um 10.32 Uhr – also nach insgesamt gut drei Stunden. Das gleiche ist auch ein oder zwei Stunden früher oder eine Stunde später möglich.

Für den Rückweg bieten sich drei Abfahrtszeiten an: 16.25, 17.30 oder 18.35 Uhr. Nimmt man den letzten Bus ab Eng, so ist man – läuft alles glatt – um 21.47 Uhr daheim. An Wochentagen allerdings gibt es nur je eine Hin- und Rückfahrt mit dem „Bergsteigerbus“. Einzig möglicher Reiseplan dann: 9.04 Uhr ab München Hauptbahnhof mit Ankunft in der Eng um 11.19 Uhr. Von dort geht’s um 16.35 Uhr wieder zurück.

BOB verzeichnet deutlich weniger Fahrgäste als im Vorjahr

Und auch hier der Vergleich zur Autofahrt: Die dauert bei üblicher Verkehrslage 1:40 Stunden. Für Hin- und Rückfahrt ist mit mit 12 bis 15 Euro Spritkosten zu rechnen. Wohl wegen solcher Unterschiede geht für viele Ausflügler die Kalkulation mit den öffentlichen Verkehrsmitteln noch nicht auf. Doch auch die Corona-Pandemie hält offenbar noch so manchen ab, wieder mit dem Zug zu fahren – obwohl dies unter Infektionsschutz-Gesichtspunkten „bedenkenlos“ möglich sei, versichert BRB-Chef Amini.

Diese Zurückhaltung „macht uns weiterhin zu schaffen“, sagt er. Nicht nur dass viele Pendler, Dienstreisende und der Schülertransport wegfielen – auch im Ausflugsverkehr stellt Amini nach wie vor „eine deutliche Verlagerung auf andere Verkehrsmittel“ fest. Und ausländische Touristen fehlen fast ganz als Fahrgastgruppe. Zwar gebe es am Wochenende durchaus auch mal volle Züge. „Aber im Durchschnitt ist es deutlich weniger als früher.“ Unterm Strich verzeichne die BOB 40 Prozent weniger Fahrgäste als im Vorjahr.

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