Mammut-Tour 

Mit dem Rad bis nach China

Solche Touren unternimmt man nicht alle Tage: Askan von Schirnding, Michael Drs und Lasse Kurz sind im Sommer bis nach China geradelt. Selbstdisziplin wollte von Schirnding damit üben. Und auch Gesellschaftskritik.

Kochel am See „Es macht schon einen Unterschied, ob du über einen Gipfel hinweg ziehst wie Schwarzenegger, oder dabei keuchend überm Lenker hängst,“ sagt Askan von Schirnding. Anfangs hatte er sich seine Radtour nach China eher in Schwarzenegger-Manier vorgestellt, doch schnell war klar: „So einfach, wie wir uns das vorgestellt hatten, wird es nicht.“

Der 24-jährige Kochler schwang sich im Juli 2017 aufs Fahrrad, um in 99 Tagen nach China zu radeln. In Stettin bekam von Schirnding Gesellschaft von seinen beiden Freunden: Lasse Kurz und Michael Drs, die aus Dietramszell stammen und nun in Hamburg leben, kamen mit ihren Rädern dazu.

Die drei Männer schwitzten, froren, mussten sich gegen verwilderte Hunde mit Deo-Sprays wehren und in der Wüste trank ein Fremder einmal ihren letzten Schluck Wasser. Ob so ein ‚Berg an Strecke’ nicht nervös mache, am ersten Tag der Reise? „Nein, man ist ja nicht aus der Welt. Das war ein guter Tag, ich war sehr euphorisch“, sagt von Schirnding. Die Touren-Tage waren strukturiert: Um 8 Uhr aufstehen, alle 50 bis 70 Kilometer essen. „Da hat man keine Zeit rumzusitzen“, so von Schirnding.

Die Reise hatte vielerlei Gründe. Die künstlichen, menschengemachten „Systemgrenzen“ wollte von Schirnding beispielsweise aufzeigen. Aber nicht nur der Protest gegen Systemgrenzen sowie pure Lust an Abenteuer und Herausforderung veranlasste den jungen Mann zu der Reise. Auch von Schirndings Wunsch, eine Veränderung in seine Lebensweise zu bringen, war ein Grund: „Ich wollte Dynamik in mein Verhalten bringen,“ sagt von Schirnding, der in Harmating aufwuchs und heute in Kochel lebt. Seit seinem Realschulabschluss war von Schirnding auf der Suche nach Orientierung. „Die Reise hat mich verändert“, sagt er. Er sei nun täglich voller Tatendrang, das tägliche frühe Aufstehen und die erfüllten Tage auf der Reise hallen nachhaltig in ihm wider. Die Rad-Freunde durchquerten bis nach China die Länder Polen, Litauen, Lettland, Russland und Kasachstan.

Ursprünglich wollten die Männer über Spanien in Richtung Marokko. Doch die Strecke erschien ihnen durch das Mittelmeer „zu begrenzt“. „Wir haben dann auf die Karte geschaut und gesehen, dass China über den Landweg erreichbar ist“, erinnert sich von Schirnding. Damit war die Herausforderung gestellt. „Michi und ich hatten beide kein Rad, da mussten wir bei Null anfangen. Ich bin dann auch erst einmal los und habe mir ein Mountainbike gekauft,“ sagt von Schirnding.

Der Kochler und Drs recherchierten für die Tour über benötigte Visa und Ausrüstung. Der Clou: „Als Deutscher über den Landweg nach China einzureisen ist nicht vorgesehen. Für das Visum musste ich einen Flug reservieren,“ sagt von Schirnding. Ein weiteres Problem: „Mein Name war zu lang.“ Auf die Namenslänge eines „Freiherr Schirndinger von Schirnding“ sind die Buchungssysteme der meisten Airlines nicht eingestellt.

Zahlreiche Eindrücke gewannen die jungen Männer auf der Reise. „China war landschaftlich am schönsten. Auf der menschlichen Ebene war Kasachstan toll. Jeder dort wollte Fotos mit uns machen oder uns bei sich übernachten lassen“, so von Schirnding. Die Gleichschaltung der Menschen in der Volksrepublik China fiel von Schirnding besonders auf. „Die Menschen dort kamen mir vor, wie gehirngewaschen. Das System tut denen das an,“ reflektiert er.

Von Schirnding hat nun viele Pläne für die Zukunft: „Nächstes Jahr will ich zu Fuß los, vielleicht in den Regenwald. Dazwischen werde ich noch zwei Dokumentarfilme drehen, ein Buch schreiben und besser im Boxen werden, das habe ich vor Kurzem angefangen.“ Die Reise nach China will er fortsetzen. „Wir wollen irgendwann nach Mittelchina fliegen, von da aus nach Japan, Neuguinea, Malaysia, Thailand, Myanmar und Tibet.“ (Nora Linnerud)

Doku im Internet

Auf „youtube.com“ sind die ersten Videos der Radtour unter dem Stichwort „Askan von Schirnding“ zu finden.

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