Zufriedene Mienen beim Dialogforum zum Bahnausbau (v. li.): Die Bürgermeister Werner Weindl (Lenggries) und Thomas Holz (Kochel am See), Verkehrsministerin Ilse Aigner, der CSU-Stimmkreisabgeordnete Martin Bachhuber und der Tölzer Bürgermeister Josef Janker. 

Zukunft des Schienenverkehrs 

Mit der S-Bahn von Kochel bis München

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Diese Vision lässt Pendler und Ausflügler gleichermaßen schwärmen: Die Gemeinde Kochel soll an das Münchner S-Bahn-Netz angebunden werden. Doch es gibt einige Haken bei der Sache.

Kochel am See/München – Das sogenannte Dialogforum zum Bahnausbau im Süden von München unter Leitung der bayerischen Verkehrsministerin Ilse Aigner wartet nach Einschätzung des CSU-Landtagsabgeordneten Martin Bachhuber mit erheblichen Verbesserungen im Schienenpersonennahverkehr auf. „Neben den schon angelaufenen Maßnahmen zur Verlängerung der S 7 von Wolfratshausen nach Geretsried wird es jetzt auch konkret mit der Elektrifizierung auf den Strecken der Bayerischen Oberlandbahn“, so Bachhuber in einer Pressemitteilung . Und das ist neu: Auch der Anschluss der Gemeinde Kochel an das Münchner S-Bahn-Netz sei nun auf der Agenda.

Der Kochler Bürgermeister Thomas Holz wird laut Bachhuber zwar noch ein wenig warten müssen, bis „er erstmals mit der Regional-S-Bahn von seiner Heimatgemeinde nach München fahren kann“. Holz ist aber nach dem Dialogforum sehr zufrieden. „Erstmals ist die Anbindung der Gemeinde Kochel an das S-Bahn-Netz der Landeshauptstadt als erklärtes Ziel der Staatsregierung formuliert“, freute er sich.

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Dieser Anschluss ist laut Verkehrsministerin Aigner aber erst dann möglich, wenn die zweite Stammstrecke in Betrieb genommen ist. Derzeit gehe man bei der Deutschen Bahn davon aus, dass dies bis zum Ende des Jahres 2026 erfolgen wird. Eine konkrete Stellungnahme der DB war gestern nicht zu erhalten.

Mit dem S-Bahn-Anschluss von Kochel am See „soll den starken Pendlerströmen aus Richtung Kochel und Penzberg die direkte Erreichbarkeit der Münchner Innenstadt ermöglicht werden“, sagt Martin Bachhuber. Der zeitliche Fahrplan von Ministerin Aigner sieht dabei vor, dass nach der Ausschreibung der Leistungen bereits im Dezember mit den erforderlichen Untersuchungen begonnen werden soll. „In der zweiten Jahreshälfte 2019 sollen dann erste Auswertungen vorliegen. Auf Basis dieser Daten werden wir dann die weiteren Schritte einleiten“, versicherte Aigner.

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Der Kochler Bürgermeister geht davon aus, dass der S-Bahn-Anschluss „zügig umsetzbar ist, weil die erforderliche Infrastruktur bereits weitgehend geschaffen ist“. Die Triebwagen der Werdenfelsflotte fahren teilweise auch auf S-Bahn-Strecken. Die Bahnsteige seien allesamt angepasst. Was noch fehle, sei ein durchgängiges Tarifsystem. „Wir brauchen ein Ticket, mit dem wir von Kochel bis nach München fahren können.“

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Dieses einheitliche Tarifsystem ist nach Einschätzung von Landrat Josef Niedermaier der große Haken bei der Sache. „Der Teufel steckt im Detail“, sagt er. Der südliche Teil des Landkreises Bad Tölz-Wolfratshausen ist bekanntlich nicht dem Münchner Verkehrsverbund (MVV) angeschlossen ist. Sollte die Regional-S-Bahn kommen, dann müsste neben Tölz auch der Landkreis Weilheim-Schongau (mit den Haltestellen Penzberg und Seeshaupt) in den MVV eintreten. Sonst könne die Sache nicht funktionieren. Die MVV-Tarife seien ja bekanntlich günstiger als die Bahntickets. „Die Frage ist, wer hier diese Verluste übernimmt.“

Niedermaier ist grundsätzlich froh über jede Verbesserung im öffentlichen Nahverkehr. Der Werdenfels-Takt sei bereits sehr gut aufgestellt mit den 30-Minuten-Verbindungen. Wichtig sei es den Takt zu verdichten und noch mehr Fahrgastplätze anzubieten. Ob es dann künftig Regional-S-Bahn statt Werdenfels-Takt heißt, ist laut Niedermaier zweitrangig. „Die schwierigste Hürde ist der Tarif.“ Diese Frage müsse vorab geklärt sein.

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