Amtsgericht Wolfratshausen
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Vor dem Amtsgericht Wolfratshausen musste sich ein Farchanter wegen Beamtenbeleidigung verantworten

Amtsgericht

„Mongo, Alter“ oder doch „Wenn s’ moana“? Beamtenbeleidigung nicht nachzuweisen

  • vonRudi Stallein
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Ein vermeintliches Kraftfahrzeugrennen hatte für einen unbeteiligten jungen Mann aus Farchant (Kreis Garmisch-Partenkirchen) ein Nachspiel vor dem Wolfratshauser Amtsgericht. Er soll einen Polizisten als „Mongo“ beleidigt haben. Der Mann wurde freigesprochen.

Kochel am See - In der Nacht vom 27. auf den 28. April vorigen Jahres hatte der angeklagte Bürokaufmann (27) einen Freund und Geschäftspartner sowie dessen BMW aus Kochel am See abholen wollen. Dem Freund war von der Polizei vorgeworfen worden, an einem unerlaubten Straßenrennen teilgenommen zu haben. Sein Führerschein war einkassiert, das Auto beschlagnahmt worden.

„Was für ein Mongo, Alter“, soll der Angeklagte gesagt haben

Letzteres habe er nicht gewusst, als er sich auf dem Parkplatz am Schmied von Kochel gegen das Fahrzeug, gelehnt habe, erläuterte der Beschuldigte vor Gericht. Er habe sich nichts dabei gedacht, da es sich um einen Firmenwagen – und somit auch sein Eigentum – gehandelt habe. Ein Polizist habe darauf ungehalten reagiert und ihn vom Fahrzeug weggeschoben. Um zu verhindern, dass an dem sichergestellten Auto womöglich Kratzer oder Dellen entstehen, wie der Beamte versicherte: „Bei solchen hochpreisigen Autos werden Schäden gerne der Polizei in Rechnung gestellt.“

In dieser Situation soll der Angeklagte gesagt haben: „Was für ein Mongo, Alter.“ Weil der Polizist, der ihn vom Wagen weggeleitet hatte, sich angesprochen fühlte, zeigte er den 27-Jährigen wegen Beleidigung an. Der junge Mann widersprach dem Vorwurf entschieden. Er habe, während er sich wie von dem Beamten gewünscht, auf eine Bank setzte, lediglich auf gut Bairisch vor sich hin gebrabbelt „Wenn s’ moana.“

Im Zweifel für den Angeklagten

Sein Geschäftspartner sowie dessen Ehefrau bestätigten die Einlassung des Angeklagten in ihren Zeugenaussagen nahezu im Wortlaut.

Die Erläuterungen der beiden Polizeibeamten wichen hingegen in Details voneinander ab. Sicher waren sich beide jedoch, dass das Wort „Mongo“ gefallen sei. Es handele sich womöglich um „ein Missverständnis, das nicht aufzuklären ist“, begründete die Staatsanwältin nach der zweistündigen Beweisauf-nahme ihren Antrag, den Angeklagten gemäß dem Grundsatz „in dubio pro reo“ (im Zweifel für den Angeklagten) freizusprechen. Richter Helmut Berger folgte dem Antrag. „Ich kann mich nicht entscheiden, wem ich glauben soll“, sagte er in seiner Urteilsbegründung. „Was ich persönlich darüber denke, behalte ich besser für mich.“

Übrigens: Das Verfahren wegen eines unerlaubten Kraftfahrzeugrennens gegen den Freund des Angeklagten war zwischenzeitlich „aus Mangel an Beweisen“ eingestellt worden.  

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