Bei der Motorrad-Demo am Kesselberg lief am Sonntag alles vorschriftsgemäß ab. Später am Tag aber registrierte die Polizei mehrere Verstöße.
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Bei der Motorrad-Demo am Kesselberg lief am Sonntag alles vorschriftsgemäß ab. Später am Tag aber registrierte die Polizei mehrere Verstöße.

Kundgebung kein Anlass zum Umdenken

Trotz Motorrad-Demo am Kesselberg: Umstrittenes Fahrverbot soll bleiben - „Hat sich bewährt“

  • Andreas Steppan
    vonAndreas Steppan
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Eine Aufhebung des Wochenend-Fahrverbots für Motorräder am Kesselberg: Das war die Hauptforderung der Motorrad-Demo am Ostersonntag am Kesselberg. Für Landrat Josef Niedermaier (FW) ist die Kundgebung jedoch kein Anlass zum Umdenken.

Update vom 7. April, 15 Uhr:

Motorradfahrer demonstrieren am Kesselberg: Doch Fahrverbote an Wochenende und Feiertagen bleiben

Eine Aufhebung des Wochenend-Fahrverbots für Motorräder am Kesselberg: Das war die Hauptforderung der Motorrad-Demo am Ostersonntag am Kesselberg. Für Landrat Josef Niedermaier (FW) ist die Kundgebung jedoch kein Anlass zum Umdenken. „Bei allem Verständnis für das Ansinnen der vielen Demonstrierenden, überwiegt das Sicherheitsbedürfnis“, erklärt er auf Anfrage.

„Aus meiner Sicht hat sich die Maßnahme, die es seit 42 Jahren gibt, bewährt.“ Den Kesselberg an den Wochenenden für Motorräder zu öffnen, sei weiterhin nicht beabsichtigt. „Die Verkehrsdaten sagen uns, dass sich das Verbot, am Wochenende und an Feiertagen bergauf zu fahren, positiv auf die Schwere der Unfälle beziehungsweise die Zahl der tödlichen Unfälle ausgewirkt hat“, so Niedermaier.

Nach Motorrad-Demo: Landrat betont - „Unfallgeschehen am Kesselberg weiterhin extrem hoch“

„Aber: Das Unfallgeschehen am Kesselberg ist weiterhin extrem hoch, was auch eine besondere Maßnahme wie die Sperrung rechtfertigt.“ Erkennbar sei außerdem eine Konzentration der Unfälle an Wochentagen zu den Feierabendstunden. „Hierzu tragen insbesondere verunfallte Motorradfahrer bei. Bei einer Bewertung wird man diese Entwicklung kritisch beurteilen müssen.“

Ursprüngliche Meldung vom 7. April, 6.30 Uhr:

Kochel am See - Vorbildlich haben sich die 400 Teilnehmer der Motorrad-Demo am Kesselberg an die Verkehrs- und Abstandsregeln gehalten. Die Polizei hatte nichts zu beanstanden. Doch das änderte sich noch am selben Tag. Bei einer späteren Verkehrskontrolle gab es eine ganze Reihe von Beanstandungen.

Dass die Polizei am Tag der Demo noch eine Kontrolle folgen ließ, sorgte in Motorradfahrer-Kreisen für Diskussionen, wurde teils als Schikane aufgefasst. Das weist Steffen Wiedemann, Chef der Polizeistation Kochel, zurück. Die Einsatzlinie der Polizei sei gewesen, bei der Anfahrt zur und während der Demonstration die Motorräder keinen technischen Kontrollen zu unterziehen.

Motorrad-Demo am Kesselberg: Polizeikontrolle sorgt für Diskussionen bei Motorradfahrern

„Wenn Verstöße festgestellt worden wären, die zur Unterbindung der Weiterfahrt führen, hätte das bedeutet, dass wir jemanden davon abhalten, sein grundgesetzlich geschütztes Demonstrationsrecht auszuüben“, sagt Wiedemann. „Dieses Recht steht sehr hoch, daher haben wir uns bewusst zurückgehalten.“

Die spätere allgemeine Verkehrskontrolle mit Schwerpunkt auf Motorrädern habe die Polizei „zeitlich und räumlich abgesetzt“, betont Wiedemann. Auch Roman Gold, Leiter der Kontrollgruppe Motorrad des Polizeipräsidiums Oberbayern Süd, stellt klar: „Die Kontrolle galt nicht den Teilnehmern der Demonstration, sondern der Örtlichkeit.“ Dass dabei auch Kundgebungs-Teilnehmer überprüft wurden, hält Wiedemann für legitim, denn: „Auch bei einer Demonstration beziehungsweise auf dem Weg dorthin und zurück muss ein Fahrzeug verkehrssicher sein.“

Polizei betont: Verkehrskontrolle „zeitlich und räumlich abgesetzt“ von der Demo

Roman Gold zieht Bilanz: Insgesamt 25 Fahrzeuge habe die Polizei am Ostersonntag am Kesselberg kontrolliert. Acht Halter bekamen Verwarnungen, „etwa die Hälfte davon wegen eines Verstoßes gegen das Streckenverbot für Motorräder“, so der Polizist. Ob es sich bei den Verwarnten um Demo-Teilnehmer handelte, könne er nicht sagen.

Jedenfalls kamen sie mit 20 Euro relativ günstig davon. Schwerer waren die Verstöße von fünf Verkehrsteilnehmern, bei denen eine Ordnungswidrigkeit zur Anzeige kam. Grund waren in drei Fällen verbotene Überholmanöver – einmal begangen von einem Pkw-Fahrer. Das kostet laut Gold – weil man wegen der vielen Verbotsschilder von Vorsatz ausgeht – 140 Euro und einen Punkt in Flensburg.

Polizeikontrolle nach Motorrad-Demo: Acht Verwarnungen - Supermoto ohne Rückspiegel, Fahrer ohne Führerschein

Schließlich registrierte die Polizei zwei Straftaten – wobei sich beide auf denselben Fall beziehen. Ein junger Mann sei auf einer Supermoto ohne Rückspiegel, mit abgefahrenen Reifen und ohne Führerschein erwischt worden. Hier muss sich auch der Vater verantworten, weil er durch Ausleihen der Maschine das Fahren ohne Fahrerlaubnis ermöglicht hatte.

Dafür, dass Demo-Teilnehmer gegen Vorschriften verstießen, zeigt Wiedemann kein Verständnis. „Wenn man an einer Kundgebung teilnimmt, die sich Unfallprävention auf die Fahnen schreibt, und dabei ein Fahrzeug fährt, das nicht verkehrssicher ist, ist das paradox“, sagt er. Einzelfälle – etwa ein vorsätzlich nach oben gebogenes Nummernschild – empfand er sogar als Provokation. „Damit erweist man dem Anliegen der Demo einen Bärendienst.“

Gleichzeitig stellt Wiedemann klar, dass dieses Verhalten keineswegs auf die Mehrzahl der Demonstranten übertragbar sei. „Während der Veranstaltung gab es ein sehr angenehmes Miteinander und von Seiten der Motorradfahrer ein polizeifreundliches Klima“, sagt er. „Und wir haben nichts gegen Motorradfahrer, sondern nur gegen die Minderheit, die sich teils mutwillig über die Regeln hinwegsetzt.“

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(Von Andreas Steppan)

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