Knapp 300 Teilnehmer haben sich zu der Motorraddemo versammelt.
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Rund 400 Teilnehmer haben sich zu der Motorraddemo versammelt.

Bis zu 500 Biker zugelassen

Motorrad-Demo am Kesselberg am Ostersonntag: B11 gesperrt - Rund 400 Teilnehmer

  • Andreas Steppan
    vonAndreas Steppan
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Mitten im erwarteten starken Ausflugsverkehr wollen an Ostern hunderte Motorradfahrer die Strecke über den Kesselberg lahmlegen. Sie protestieren gegen Fahrverbote.

Update vom 4. April:

Zur Stunde (11.30 Uhr) läuft die Motorraddemo in Kochel am See. Rund 400 Teilnehmer haben sich am Trimini-Parkplatz gesammelt. Von dort geht es nun zum Kesselberg. Auf der Passhöhe findet gegen 12.15 Uhr eine Gedenkveranstaltung für getötete Motorradfahrer statt. Während dieser Zeit wird die Bundesstraße 11 komplett für den Verkehr gesperrt. Die Sperrung dauert etwa 30 Minuten.

Die ausführliche Berichterstattung zur Demo gibt es hier.

Die ursprüngliche Meldung:

Kochel am See – Zu Ostern ist in der Region mit starkem Ausflugsverkehr zu rechnen. In Kochel am See dürfte am Sonntag ein zusätzlicher Faktor das Verkehrschaos perfekt machen: Die Gruppierung „Blue Peers“ plant eine Demonstration mit 300 bis 400 Motorrädern, die über den Kesselberg in Richtung Walchensee rollen. Die B 11 wird für die Kundgebung gesperrt. Die Motorradfahrer wollen gegen Streckensperrungen für Biker protestieren – im Allgemeinen und speziell am Kesselberg.

Die Serpentinenstrecke am Kesselberg ist an Wochenenden für Motorradfahrer in eine Fahrtrichtung gesperrt. Dagegen wollen am Sonntag 300 bis 400 Biker vor Ort demonstrieren. Die B11 wird für die Kundgebung gesperrt.

Schon im Juli 2020 hatten über 20.000 Motorradfahrer den Mittleren Ring in München lahmgelegt. Damals hatte das Kreisverwaltungsreferat zwar eine angemeldete Demo nicht genehmigt, aber die Biker rollten trotzdem scharenweise an. Mit den damaligen Dimensionen wird das Szenario am Ostersonntag in Kochel nicht vergleichbar sein. „Wir haben etwa 300 Leute eingeladen“, sagt Initiator Gábor Kovács von den „Blue Peers“. „Vielleicht werden sich noch ein paar dazumogeln. Wenn es am Ende 400 sind, ist es auch noch gut.“ Das Landratsamt hat die Teilnehmerzahl auf 500 begrenzt.

Motorrad-Demo am Kesselberg unter dem Motto „Unfallprävention statt Fahrverbot“

Die Veranstaltung steht unter der Überschrift „Unfallprävention statt Fahrverbot“. Das bezieht Kovács ganz allgemein auf Streckensperrungen für Motorräder – etwa an Sonntagen und Wochenenden – und speziell auf das Fahrverbot am Kesselberg. Das wurde 1978 eingeführt und gilt an Samstagen, Sonn- und Feiertagen in Fahrtrichtung von Kochel nach Walchensee.

Die Begründung von Seiten des Tölzer Landratsamts, diese Maßnahme diene der Verhütung von Unfällen, hält Kovács nicht für stichhaltig. Die Unfallzahlen seien zurückgegangen, in vielen Fällen seien Autofahrer schuld. „Wenn man sagt, ich sperre eine Straße, weil sie für Fahrzeuge gefährlich ist, müsste ich auch die A8 oder die A96 sperren“, sagt er.

Raser am Kesselberg sieht Kovács durchaus als Problem an. „Aber wenn man ehrlich ist: Diejenigen die den Berg einfach schnell rauf- und runterfahren, die sieht man unter der Woche nach 20 Uhr, wenn die Polizeistation Kochel nicht mehr besetzt ist.“ Am Wochenende hingegen habe diese Klientel gar kein Interesse, „den ganzen Wohnwagen hinterherzufahren“. Samstags und sonntags sei auf der Strecke der gesamte Individualverkehr das Problem, so der Demo-Initiator. Da könne man aber nicht nur die Motorradfahrer für eine Streckensperrung herauspicken.

Demo-Organisator befuhr den Kesselberg schon oft in verbotener Richtung

„Es ist eine Frechheit, Motorradfahrern zu sagen: Wenn Ihr in die Jachenau, in die Eng oder nach Vorderriß wollt, dürft Ihr den Kesselberg nicht nutzen.“ Das hält Kovács sogar für verfassungsrechtlich bedenklich. Der Biker berichtet freimütig, dass er die B11 schon oft an Wochenenden in die gesperrte Richtung befahren habe. Ein Strafzettel wäre ihm dabei sogar willkommen gewesen. „Dann könnte ich dagegen klagen.“ Er sei aber noch nie kontrolliert worden.

Auch am Sonntag bewegt sich der Tross übrigens in der Richtung, die für Motorräder eigentlich am Wochenende tabu ist. Aber als angemeldete Versammlung darf der Korso das, wie Landratsamts-Sprecherin Marlis Peischer bestätigt. „Das Wochenend- und Feiertagsfahrverbot für Motorräder wird durch das im Grundgesetz verankerte Recht auf Versammlungsfreiheit ausgehebelt.“ Die Versammlung finde unter freiem Himmel statt und sei ordnungsgemäß angemeldet. Untersagungsgründe lägen keine vor.

 „Denjenigen Bürgern, die für Fahrverbote sind, wollen wir einen Denkanstoß geben und zeigen, wie es ist, wenn man am Wochenende nicht zum Walchensee fahren kann.“

Gábor Kovács, „Blue Peers“

Anstelle von Fahrverboten setzen die „Blue Peers“ auf andere Formen der Unfallprävention. „Wir arbeiten super mit der Kontrollgruppe Motorrad der Polizei zusammen“, sagt der Sprecher der „Blue Peers“. Diese Gruppierung wirke in der Motorradszene auch auf eine vernünftige, sichere Fahrweise hin, bei Stammtischen, Gruppenausflügen, Workshops und Fahrtrainings.

Befürchten die Organisatoren nicht, mit ihrer Aktion mitten im größten Ausflugsverkehr viel Zorn auf sich zu ziehen? Der Termin sei bewusst gewählt, sagt Kovács. „Denjenigen Bürgern, die für Fahrverbote sind, wollen wir einen Denkanstoß geben und zeigen, wie es ist, wenn man am Wochenende nicht zum Walchensee fahren kann.“

Auch die einheimische Bevölkerung dürfte sich nicht über das zusätzliche Verkehrschaos zu Ostern freuen. Hier verspricht Kovács, dass die Motorräder „nicht so laut“ sein werden. „Wir fahren eingebremst und langsam. Von unserer Seite gibt es die klare Ansage: kein Überholen im Konvoi, keine aufheulenden Motoren, keine Wheelies oder sonstigen Kunststücke, keinen Müll liegen lassen.“ Auch ein Corona-konformer Ablauf sei gesichert: Es gilt die Auflage, dass die Teilnehmer Mund-Nasen-Schutz oder geschlossenen Helm tragen und den Mindestabstand einhalten.

Ablauf und Sperrung

Die Motorradfahrer sammeln sich am Trimini-Parkplatz. Von dort starten sie in einer Kolonne um 11 Uhr durch Kochel und – nur auf der rechten Fahrbahn – den Kesselberg hinauf. Am Parkplatz auf der Passhöhe ist gegen 12.15 Uhr ein Stopp für eine Gedenkminute für verunglückte Motorradfahrer geplant. In dieser Zeit ist die B11 laut Landratsamt für 30 Minuten beidseitig gesperrt. Danach fahren die Teilnehmer Richtung Walchensee ab, wo sich die Demonstration auflöst. Der Parkplatz auf der Passhöhe ist von 6 bis 12 Uhr gesperrt.

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