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Kurven schneiden ist jetzt unmöglich: Auf 1,2 Kilometern Länge werden die Schwellen samt Warnbaken entlang der Mittellinie angebracht. Dass der Fahrer auf dem Foto auf der falschen Straßenseite fährt, liegt daran, dass der Verkehr bis Ende der Woche einspurig an der Baustelle vorbeigeleitet wird

Motorradfahrer

Hindernisse sollen den Kesselberg sicherer machen

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Kochel am See - Nirgendwo ereignen sich mehr Unfälle in Bayern als am Kesselberg. Seit 2012 hat es über 100 Mal gekracht – häufig unter Beteiligung von Motorradfahrern. Jetzt versucht das Staatliche Bauamt mit einem baulichen Eingriff, die Situation zu entschärfen.

Seit Jahren befassen sich Baubehörde, Verkehrsexperten und Polizei immer wieder mit der bei Motorradfahrern beliebten Kochler Bergstrecke. Es gibt ein Tempo-Limit, ein Überholverbot und ein Fahrverbot am Wochenende. Seit über einem Jahr ist die eigens gegründete Kontrollgruppe der Polizei regelmäßig vor Ort. Zuletzt wurden außerdem vor und nach einigen Kurven Rüttelstreifen in die Straße eingebaut, die zum Langsamfahren zwingen sollten. Allein nichts davon „ist der Weisheit letzter Schluss“, sagte am Montag Michael Kordon, Leiter des Staatlichen Bauamts. Mehr als 100 Unfälle in den vergangenen Jahren mit zahlreichen Schwerverletzten – viele davon Motorradfahrer – zeugen davon, dass nichts richtig fruchtete. „Seit 2012 hatten wir Gott sei Dank keinen Toten mehr. Vielleicht haben also Maßnahmen wie der Unterfahrschutz der Leitplanken was gebracht“, sagte Kordon. „Aber es sind natürlich nach wie vor viel zu viele Unfälle.“ Man sei ja gerne die Nummer eins – aber nicht unbedingt, wenn es um das Thema unfallträchtigste Strecke gehe.

Mit den Leitschwellen, die seit Montag entlang der Mittellinie installiert werden, „soll nun noch einmal ein physisches Element entstehen, das sagt: Hier nicht über den Mittelstreifen lehnen.“ Dafür, dass der nicht überfahren wird, sorgen nicht nur die wenige Zentimeter hohen gelben Leitschwellen, sondern auch die gut kniehohen rot-weißen Warnbaken, die in regelmäßigen Abständen auf die Schwellen montiert sind. „Auf 1,2 Kilometern Länge werden wir das anbringen“, sagte Kordon.

Schilder weisen die Verkehrsteilnehmer auf die Neuerung hin, damit niemand unvorbereitet in die Kurven rauscht.

Im Vorfeld gab es auch Bedenken, dass die Schwellen bei einem Unfall für den Rettungswagen zu einem unüberwindlichen Hindernis werden könnten und er die Unfallstelle bei einem Rückstau nicht erreicht. „Wir haben das ausprobiert. Der Sanka kann zur Not sehr langsam über die Schwelle drüberfahren“, erklärte Kordon. Die Warnbaken klappen nämlich um. Das Schneeräumfahrzeug passe daran vorbei. Außerdem sind die Schwellen alle drei Meter unterbrochen, damit sich kein Regenwasser staut.

Landrat Josef Niedermaier war eher verhalten optimistisch, dass die bauliche Veränderung Besserung bringt. „Meines Erachtens geht das nur über den Geldbeutel ins Hirn“, plädierte er für noch mehr Kontrollen. Er bedauere die Gerichtsentscheidung, die der Polizei untersagt, in größerem Stil Motorräder nach Verstößen gleich vor Ort sicherzustellen. Wobei das durchaus noch – legal – getan wird, betonte der Kochler Polizeichef Steffen Wiedemann. Allerdings müsse die Polizei nachweisen können, dass von dem Fahrer weiterhin eine konkrete Gefahr ausgeht. „Das gilt beispielsweise bei Wiederholungstätern, die wir an einem Tag mehrmals erwischen. 400 Euro Abschleppkosten bewirken dann vielleicht ja doch was“, so Wiedemann.

Wobei sich auch alle einig waren, „dass 80 Prozent aller Motorradfahrer vernünftig sind“, sagte Niedermaier. Sie müssten ausbaden – Stichwort: Fahrverbot am Wochenende –, was „ein paar Deppen“ anrichten. „Wer es jetzt nicht kapiert, dem ist nicht mehr zu helfen“, meinte CSU-Landtagsabgeordneter Martin Bachhuber aus Bad Heilbrunn. Er hoffe, dass die Maßnahme greife.

Drei Jahre werden die Schwellen auf jeden Fall liegen bleiben. Dann wird Bilanz über das Pilotprojekt gezogen. Der Bund investiert rund 50 000 Euro in die baulichen Veränderungen auf der B11, die bis Ende der Woche abgeschlossen sein sollen. Derzeit wird der Verkehrs mittels Ampelregelung einspurig an der Baustelle vorbeigeleitet

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