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Ein solches Schild – das Foto stammt aus den Ammergauer Alpen – will der Kochler Martin Stingl nicht gesehen haben, bevor er zwischen Vorderriß und Wallgau mit de m Jagdpächter aneinandergeriet.

Begegnung hat Nachspiel

In Wildfütterung mit Jäger aneinander geraten - dann kommt Polizei zur Hausdurchsuchung 

  • Andreas Steppan
    vonAndreas Steppan
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Ein Kochler fiel aus allen Wolken, als die Polizei seine Wohnung nach Geweihstücken durchsuchte. Er fühlt sich nach einem Streit in einer Wildfütterung diffamiert.

VorderrißEin Mann geht querfeldein durch die Natur. Er betritt den Bereich einer Wildfütterung. Zwei Monate später kommt die Polizei zu ihm nach Hause und durchsucht seine Wohnung nach Geweihstücken. Diese Aufeinanderfolge von Ereignissen klingt bizarr – ist Martin Stingl aus Kochel aber genau so passiert. Er fühlt sich von Seiten des Tölzer Forstbetriebs zu Unrecht dem falschen Verdacht der Jagdwilderei ausgesetzt und spricht von einer „absoluten Frechheit“. Forstbetriebsleiter Rudolf Plochmann erklärt den Lauf der Geschehnisse hingegen zu einem Gutteil mit dem eigenen Verhalten des Kochlers. Unterm Stich bleibt es wohl ein Fall von gescheiterter Kommunikation.

Zu der folgenreichen Begegnung zwischen Stingl und einem Berufsjäger kam es am 8. März, wie der Kochler selbst in einem Beitrag in einem Internetforum beschreibt. An diesem Tag sei er „nördlich oberhalb der Isar zwischen Wallgau und Vorderriß querfeldein unterwegs gewesen“, schildert er. Der 37-Jährige interessiert sich privat für das Thema Kartografie. Auf einer alten Karte hatte er in diesem Bereich einen Weg gefunden und wollte nach eigenen Angaben nachsehen, ob dieser noch existiert.

Abgestiegen sei er über einen Forstweg, der durch die Wildfütterung „Schröfeln“ führt. Dort begegnete Stingl dem zuständigen Berufsjäger. Dieses Zusammentreffen schildern beide Seiten unterschiedlich. „Er wollte gleich meine Personalien, die ich ihm nicht gegeben habe, weil er keinen Grund dafür nennen konnte“, so Stingl über den Forstbetriebs-Mitarbeiter. Der Jäger sei „emotional“ geworden. „Ich wusste nicht, ob er gleich auf mich losgehen würde.“

Kochler kommt am nächsten Tag zurück, um sein Handy zu suchen

Forstbetriebs-Chef Plochmann hat von seinem Mitarbeiter anderes berichtet bekommen. Als der Berufsjäger den Kochler zur Rede gestellt und darauf aufmerksam gemacht habe, dass das Betreten der Jagdeinrichtung laut Jagdgesetz untersagt sei, habe dieser „wenig Verständnis gezeigt“ und sich über den Jäger „lustig gemacht“.

Dabei hatte das Eindringen des Wanderers in die Wildfütterung laut Plochmann Folgen. „Hier ist jede Störung schädlich.“ Das Rotwild sei panisch über die Mautstraße und die Isar in nördlich davon gelegene Hänge auseinandergestoben und habe dort Verbissschäden an den Bäumen angerichtet. Genau so etwas solle durch die Wildfütterung vermieden werden.

An diesem Tag gingen der Hobby-Kartograf und der Jäger auseinander. Am nächsten Tag aber tauchte Martin Stingl an derselben Stelle noch einmal auf. Er erklärt, er habe am Vortag sein Handy verloren. Nun suchte er es.

Prompt lief er wieder dem Berufsjäger in die Arme. „Unser zweites Gespräch verlief ähnlich dem ersten“, stellt der Kochler fest. „Leider vergaß ich zu sagen, dass ich wegen der Suche nach dem Smartphone nochmals dorthin bin, was ihn eventuell beruhigt hätte.“

Um diese Jahreszeit stehlen Unbefugte oft Geweihstücke

So aber war für den Forstbetrieb das Maß voll. „Wir haben uns nicht anders zu helfen gewusst und die Sache daraufhin zur Anzeige gebracht“, so Plochmann. Er streitet aber ab, dass sein Mitarbeiter Anzeige wegen Jagdwilderei erstattet habe. Vielmehr habe der aufnehmende Beamte nachgefragt, ob der Jäger eine Erklärung dafür habe, was der Fremde im Bereich der Wildfütterung zu suchen hatte.

Da der Jäger weder etwas von den kartografischen Interessen noch vom verlorenen Smartphone des Kochlers wusste, gab er zu Protokoll, dass das Rotwild um diese Jahreszeit sein Geweih verliere. Dass Unbefugte diese Abwurfstangen an sich nehmen, um sie zu verkaufen, „das erleben wir immer wieder“, sagt Plochmann. Explizit habe sein Mitarbeiter den Kochler aber nicht beschuldigt. „Er hat ihn ja nicht mit Stangen in der Hand gesehen.“

Was danach aus dem Fall wurde, war Plochmann bis zur Anfrage des Tölzer Kurier nicht bekannt. Der Tölzer Polizeichef Johannes Kufner erklärt, dass die Polizei den Vorgang mit dem Anfangsverdacht der Jagdwilderei an die Staatsanwaltschaft weitergeleitet und einen richterlichen Beschluss für eine Hausdurchsuchung beantragt habe.

Nach zwei Monaten sucht Polizei nach Beweismitteln

Knapp zwei Monate später fiel Martin Stingl dann aus allen Wolken. Er hielt sich gerade an seinem Arbeitsplatz auf, als ihn sein Vermieter anrief und informierte, dass soeben die Polizei zur Hausdurchsuchung in Stingls Wohnung eingetroffen sei.

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Gefunden haben die Beamten nichts. Doch der Schock sitzt bei dem 37-Jährigen nach wie vor tief. Er sieht sich als Opfer einer Falschaussage und hat sich nun an die Öffentlichkeit gewandt, „damit der Forstmitarbeiter derartiges Verhalten in Zukunft unterlässt“.

Plochmann hingegen fragt sich noch immer, warum der Kochler der Spur eines alten Weges denn ausgerechnet im März nachgehen musste – mitten in der Fütterungssaison, die von Dezember bis April dauere. „Und wenn er es nicht wusste, wäre doch eine normale Reaktion gewesen, sich zu entschuldigen.“

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