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Mit der Faust schlug ein junger Mann bei einer Party zu.

Gericht

Nasenbeinbruch auf der Faschingsparty

Kochel am See/Wolfratshausen – Nach einem Streit  ums Polizeikostüm flogen die Fäuste: 600 Euro Geldstrafe für Schlag, 100 Euro für Schwitzkasten.

Eine kurze, aber für einen Beteiligten sehr schmerzhafte Schlägerei bei einer Faschingsparty in Kochel beschäftigte zum zweiten Mal innerhalb weniger Wochen das Jugendgericht in Wolfratshausen. Ein junger Bursche (21) aus Benediktbeuern erhielt nun eine Geldstrafe.

Der junge Mann zertrümmerte einem Jugendlichen (18) aus Schlehdorf mit einem Faustschlag ins Gesicht das Nasenbein. Als dessen Freund dem Geschädigten zu Hilfe eilte, wurde er von einem Bichler (21) in den Schwitzkasten genommen. Die beiden 21-Jährigen mussten sich deshalb wegen Körperverletzung verantworten. Schon Mitte November standen die zwei vor dem Richter (wir berichteten). Damals war auf Zeugen verzichtet worden, weil die Angeklagten im Vorfeld die Vorwürfe weitgehend eingeräumt hatten. Als jedoch eine angeregte Diskussion darüber entstand, ob die bislang strafrechtlich unbescholtenen jungen Männer überhaupt verurteilt werden müssen, setzte Jugendrichter Urs Wäckerlin die Verhandlung aus. Beim zweiten Versuch wurden nun die Aussagen der Geschädigten zur Urteilsfindung hinzugezogen.

Der Streit entzündete sich am Polizeikostüm des Geschädigten. „Er schlug mir immer auf den Helm“, schilderte der 18-jährige Azubi den Beginn der Auseinandersetzung mit dem Benediktbeurer. Als er nicht aufhörte, „habe ich gesagt: Verpiss Dich“, so der Zeuge. Daraufhin habe er einen Ellbogen ins Gesicht bekommen und kurz darauf zwei Faustschläge. Dass er den Angeklagten, wie von dem 21-Jährigen behauptet, vorher mit Ausdrücken wie „Hurensohn“ beleidigt habe, stritt der Geschädigte ab. Das solche Begriffe durchaus zu seinem Vokabular gehören, belegte die Verteidigung mit Facebook-Einträgen, in denen der 18-Jährige einer Freundin mitgeteilt hatte: „Der kleine Hurensohn wird schon sehen, was er davon hat.“ Die Zwischentöne in seiner Aussage machten deutlich, dass weder ein bereits gezahltes Schmerzensgeld, noch die schon kurz nach dem Vorfall persönlich überbrachte Entschuldigung, seinen Groll gegen den Angeklagten („wenn er mich so hinrichtet?“) nicht wesentlich zu lindern vermochte.

„Dass das eine Körperverletzung ist, darüber kann kein Streit entstehen“, machte Richter Urs Wäckerlin in seiner Urteilsbegründung deutlich. Er verurteilte den Benediktbeurer zu einer Geldstrafe von 600 Euro, zahlbar an eine sozialtherapeutische Einrichtung. Die Staatsanwältin hatte einen Freizeitarrest für erforderlich erachtet, was die Verteidigung für überzogen hielt. „Er hat bisher nix gemacht. Das ist ein ganz braver Bursche, dem einmal was ausgerutscht ist“, so der Verteidiger. Und angesichts des von seinem Mandanten gezahlten Schmerzensgelds „braucht es keinen weiteren Denkzettel.“

Keine große Sache war die Auseinandersetzung zwischen den beiden anderen Beteiligten. Beide gaben zu Protokoll, dass sie eigentlich nur schlichtend eingreifen wollten. Dennoch sah das Gericht für einen Freispruch des Bichlers, wie dessen Verteidigerin beantragt hatte, keine Veranlassung. Eine Nothilfelage (um dem Freund zu helfen) habe hier höchstens für den Geschädigten vorgelegen, nicht aber für den Angeklagten, erläutete Wäckerlin. Er bedachte den Schwitzkasten mit 100 Euro Geldstrafe und einem Suchtberatungsgespräch, weil der Bichler von allen Beteiligten am betrunkensten war. „Mit 1,5 Promille waren sie ordentlich am Glas“, so der Richter.

Rudi Stallein

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