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530 Kilo zentimetergenau platzieren – das war vergangene Woche keine leichte Aufgabe.

franz-Marc-Museum

Neue Plastik soll in Kochel bleiben

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Das Franz-Marc-Museum in Kochel möchte die neue Skulptur „Torso – Ast“ von Per Kirkeby erwerben, damit sie dauerhaft im Park stehen kann. Dieser wurde gestalterisch ein wenig verändert. Auch sonst hat das Museum einiges vor.

Kochel am See – Es war keine leichte Arbeit, als fünf Männer vergangene Woche die 530 Kilogramm schwere Skulptur mithilfe eines Flaschenzugs zentimetergenau auf dem Rasen vor dem Museum platzierten. Museumsdirektorin Cathrin Klingsöhr-Leroy trug sich schon länger mit dem Gedanken, eine Plastik im Franz-Marc-Park aufzustellen: „Es sollte eine Plastik sein, die dem Besucher schon vor dem Betreten unseres Hauses ein Gefühl gibt, was ihn hier erwartet.“ Als sie die Skulptur des dänischen Künstlers das erste Mal sah, habe sie den Eindruck gewonnen, dass sie gut nach Kochel passen würde. Es folgte ein längerer Diskussionsprozess, unter anderem mit Leitern anderer Museen, einem Kunsthistoriker und dem Marc-Freundeskreis.

Klingsöhr-Leroy schätzt Per Kirkeby, „weil er so vielschichtig arbeitet und die Natur einen großen Raum in seinen Werken einnimmt“. Diese Plastik sei einerseits massiv, habe aber andererseits eine grazile Oberfläche. „Man hat das Gefühl: hier passiert etwas, es geht unter die Haut“, erklärt sie. Der Torso spiele auf einen Baum, aber auch auf einen menschlichen Körper an, aus dem ein Arm oder eben ein Ast abzweige.

Im Laufe des Diskussionsprozesses bekam Klingsöhr-Leroy nicht nur positive Rückmeldungen, sondern auch das Angebot des Freundeskreises, die 1988 geschaffene Plastik zu erwerben, damit sie dauerhaft in Kochel stehen kann. Wie viel sie kostet, gibt das Museum nicht bekannt – dem Vernehmen nach soll es sich aber um einen sechsstelligen Betrag handeln. Ein Drittel der Summe konnte der Freundeskreis schon aufbringen. „Es werden weiter Spenden gesammelt“, sagt Klingsöhr-Leroy. Am Sonntag, als die neue Kirkeby-Schau eröffnet wurde, enthüllten Kochler Kinder die neue Plastik.

Es ist nicht das einzige neue Kunstwerk im Museumspark. Dort gibt es seit Kurzem einen Panoramaweg, benannt nach Charlotte Mittelsten Scheid, eine der Stifterinnen des Museums. Er führt zu einer Anhöhe, auf der ein Pavillon steht, von dem man aus einen Blick auf Kochel hat (zehn Minuten zu Fuß). Am Beginn des Panoramawegs stehen zwei Skulpturen von Hans Stangl, geschaffen in den 1930er-Jahren. Der Bildhauer war der Vater von Otto Stangl, dem späteren Galeristen von Franz Marc. Die eine Figur, „die Ruhende“, war bislang an anderer Stelle platziert; die zweite Figur, „die Stehende“, ist neu.

Park und Panoramaweg sind auch Teil einer neuen Smartphone-App, die in Kürze zum Download bereit steht. Die App informiert über Entstehungsgeschichte und Architektur des Hauses sowie über aktuelle Ausstellungen und Führungen.

Bei der Pressekonferenz ließ Klingsöhr-Leroy auch das vergangene Franz-Marc-Gedenkjahr kurz Revue passieren. Das Museum habe von einer „überregionalen Wahrnehmung profitiert“, sagte die Direktorin. Daraus seien neue Kooperationen entstanden, etwa mit dem Residenztheater und der Ludwig-Maximilians-Universität (LMU) in München.

Dort wird Klingsöhr-Leroy heuer ein Seminar halten, in dem sie mit Studenten über Sammlungskataloge spricht, dass heutige Nutzerverhalten analysiert und über ein neues Konzept für den Kochler Katalog nachdenkt. „Unser erster Katalog ist nämlich schon fast vergriffen.“ Das „neue“ Franz-Marc-Museum wurde 2008 eingeweiht.

Ferner ist ein Projekt mit der Pinakothek der Moderne geplant (Thema: Paul Klee). Außerdem möchte Klingsöhr-Leroy in einem anderen Projekt die Beziehung zwischen Bildender Kunst und Literatur herausarbeiten und unterschiedliche Wahrnehmungsweisen nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs in Deutschland erörtern.

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