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Diese Pferde-Skulptur schuf Franz Marc 1908/09. Das Werk ist eine Dauerleihgabe der Erbengemeinschaft von Maria Marc für das Museum in Kochel.

Werke aus der Zeit von 1904 bis 1914

Neuer Blick auf Skulpturen von Franz Marc

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Die aktuelle Ausstellung im Franz-Marc-Museum in Kochel ist deutschlandweit einmalig. Man sollte sie sich unbedingt vormerken für die Zeit, in der eine Museumsöffnung wieder möglich ist.

Kochel am See– Auch das Franz-Marc-Museum ist derzeit wegen der Corona-Pandemie geschlossen. Wenn es wieder öffnet, sollte man der aktuellen Sonderausstellung „Skulpturen“ einen Besuch abstatten: Denn einige der 14 Objektehaben einen direkten Bezug zum Leben des Künstlers in Kochel und Sindelsdorf.

Die Skulpturen stehen verteilt in mehreren Räumen und machen deutlich, wie sich Marc nicht nur dem Malen, sondern phasenweise auch dem Modellieren widmete. Die Werke entstanden zwischen 1904 und 1914. Zu sehen ist zum Beispiel eine mehrfarbige Schafsplastik in Wachs, geschaffen in den Jahren zwischen 1905 und 1907. 

Skulptur „Zwei Pferde“ entstand in Franz Marcs erstem Sommer in Sindelsdorf

In dieser Zeit verbrachte der Künstler die Sommermonate auf der Staffelalm und zeichnete und malte die Schafe dort, berichtete Museumsleiterin Cathrin Klingsöhr-Leroy beim Rundgang. Und während Marcs erstem Sommer in Sindelsdorf (1908) entstand die Skulptur „Zwei Pferde“ – gut möglich, dass der Künstler dabei zwei Tiere sah, die vor dem Haus auf den hügeligen Wiesen weideten. Auch die Katzen, die Franz Marc ab 1910 in Sindelsdorf im Atelier Gesellschaft leisteten, dienten als Modell: 1912 schuf Marc eine Katze in Stein.

Ungewöhnlich ist, dass es keinen Katalog zur Ausstellung gibt. Das hat aber einen Grund. Klingsöhr-Leroy wird sich am 3. Juli im Museum mit Restauratoren und Kunsthistorikern treffen, um Marcs plastische Arbeiten zu studieren. Von diesen Gesprächen erwartet sie sich neue Erkenntnisse, auch zur Entstehung. „Die meisten Skulpturen wurden erst nach dem Tod von Marc gegossen“, sagte die Direktorin. Unklar sei zum Beispiel, warum eine große Steinskulptur, die Bären zeigt, nicht fertig wurde – vielleicht, weil ein Stück Stein abbrach? „Gerade im Gespräch mit Restauratoren ist das spannend zu diskutieren.“

Schau mit Skulpturen von Franz Marc ist bundesweit einmalig

Am 3. Juli nachmittags stellen sich die Fachleute dann den Fragen der Öffentlichkeit. Die Vorträge halten Annegret Hoberg vom Lenbachhaus in München, Felicia Leu vom Marc-Museum, Hans-Jörg Ranz vom Bayerischen Nationalmuseum in München und Cornelia Wieg vom Kunstmuseum Moritzburg in Halle. Mit diesem kooperiert das Kochler Museum für diese Ausstellung, die 2021 in Halle zu sehen sein wird.

Wer sich intensiv mit Marc beschäftigen will, kann das bereits am 3. Mai. Dann ist Annegret Hoberg in Kochel zu Gast, die Kuratorin am Lenbachhaus in München. Sie gab im vergangenen Jahr ein Buch mit bislang zumeist unveröffentlichten Brief zwischen Franz und Maria Marc heraus. „Der Briefwechsel wirft ein differenziertes Licht auf die Beziehung“, sagt Klingsöhr-Leroy.

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Die Skulpturen-Schau ist bundesweit einmalig. „Ergänzt durch wenige Leihgaben aus dem Lenbachhaus in München und dem Schlossmuseum Murnau, verfügen unser Museum in Kochel und das Kunstmuseum Moritzburg gemeinsam über fast alle Skulpturen, die Marc geschaffen hat“, sagte Klingsöhr-Leroy. „Dazu gehören nicht nur die Bronzegüsse, sondern auch seine Entwürfe in Wachs sowie die Steinskulpturen, sodass die Ausstellung einen breiten Überblick über Marcs skulpturales Werk gibt.“ Bis zum 13. September ist die Sonderausstellung zu sehen, so ist zumindest der aktuelle Stand.

Corona: Anselm Kiefer hat alle Reisen abgesagt

Der Höhepunkt im Museumsjahr wird sie jedoch nicht sein – das wird das „Opus Magnum“ von Anselm Kiefer ab dem 17. Mai. Ausgestellt werden 23 Vitrinen, die wie Zeitkapseln verschiedene Topoi seines Werks enthalten. Die Schau fragt nach der Rolle von Literatur und Lyrik im Werk von Anselm Kiefer, deshalb werden der Kunst Texte von bekannten Schriftstellern gegenüber gestellt, etwa von Christoph Ransmayr, Nora Bossong, Marion Poschmann und Ferdinand von Schirach. Das Kochler Museum arbeitet hier eng mit dem Bayerischen Rundfunk zusammen. Am 17. Mai gibt es abends eine Lesung mit den Autoren sowie Klingsöhr-Leroy und Cornelia Zetzsche vom BR im Marstall in München.

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Ob Anselm Kiefer am 17. Mai nach Kochel zur Vernissage kommt, ist noch offen:„Ich stehe in regem Austausch mit seinem Atelier, das mir mitgeteilt hat, dass Kiefer im Augenblick wegen der Corona-Virus-Ansteckungsgefahr überhaupt nicht reist. Wahrscheinlich werden aber zur Eröffnung der Ausstellung eine ganze Reihe der Autoren kommen, die für den Katalog über Kiefers Werke geschrieben haben“, sagt Klingsöhr-Leroy.

Weitere Infos

Das Buch von Annegret Hoberg heißt „Ich will Dich an der Hand führen, um Dir die Wunder der Welt zu zeigen...“ und ist im Buchhandel erhältlich. Eine Übersicht über alle Termine und die aktuellen Entwicklungen (Wiedereröffnung) auf der Seite www.franz-marc-museum.de.

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