Die Vollmar-Akademie in Kochel (links das Seminargebäude, rechts das Hotel) bietet derzeit alle Veranstaltungen online an. Auch nach Ende der Pandemie sollen ausgewählte Seminare so durchgeführt werden.
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Die Vollmar-Akademie in Kochel (links das Seminargebäude, rechts das Hotel) bietet derzeit alle Veranstaltungen online an. Auch nach Ende der Pandemie sollen ausgewählte Seminare so durchgeführt werden.

Bildungseinrichtung in Kochel

Vollmar-Akademie am Aspenstein setzt ganz auf Online-Seminare: Nachfrage ist gut

  • Christiane Mühlbauer
    vonChristiane Mühlbauer
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Die Vollmar-Akademie am Aspenstein bietet das Bildungsprogramm derzeit komplett digital an – und ist zufrieden mit der Resonanz. Das Team hofft, im April wieder den Präsenzbetrieb aufnehmen zu können.

Kochel am See – Politische Bildung, Seminare zu Umweltthemen und Nachhaltigkeit und Diskussionsrunden über Teilhabe, Frauenrechte und aufkeimenden Rechtsextremismus – das Spektrum der Weiterbildung, das auf Schloss Aspenstein angeboten wird, ist groß. Seit Monaten wird es in digitaler Form abgehalten, und zwar in vollem Umfang. „Es läuft recht gut“, berichtet Carmen König-Rothemund, die Vorsitzende der Georg-von-Vollmar-Akademie, auf Nachfrage unserer Zeitung. „Auch technisch ist alles einwandfrei.“ Man habe nie weniger als 30 Teilnehmer verzeichnet, an einem Podiumsgespräch zum Thema Verschwörungstheorien hätten sogar 200 Interessierte teilgenommen.

Sowohl von Seminarleitern und Referenten, als auch vom Publikum gebe es positive Rückmeldungen. „Online ist ein Format, das mit entsprechender Aufbereitung Spaß machen kann, deshalb werden wir es auf jeden Fall auch nach der Pandemie für ausgewählte Themen anbieten“, sagt König-Rothemund. Ein Vorteil sei beispielsweise, dass Reisen – und damit auch Anreisekosten für externe Referenten – entfielen. „Wir können via Online-Schalte hochkarätige Fachleute einladen, die wir uns sonst in Kochel für zwei, drei Stunden Anwesenheit nicht hätten leisten könnten“, sagt die Vorsitzende. „Auch die Fachleute sind für so ein Format sehr aufgeschlossen“, hat sie schon festgestellt. Zudem hätten viele einen engen Terminplan. „Aber wenn wir das online machen, lässt sich schneller mal ein Termin finden, weil ja eben auch das Reisen entfällt.“

Am Aspenstein habe man ein Studio eingerichtet, in dem zum Beispiel Podiumsdiskussionen stattfinden können. „Die Zuschauer können in einer Chat-Funktion Fragen stellen, das Ganze wird moderiert. Es klappt sehr gut“, sagt König-Rothemund.

Dass die Pandemie die Menschen für digitale Formate aufgeschlossener gemacht habe, diese Erfahrung hat man auch in der Vollmar-Akademie gemacht. „Auch ältere Menschen sind gut dabei“, sagt die Vorsitzende.

Freilich: Das Hotel des Tagungsbetriebs ruht derzeit, nur der Hausmeister drehe seine Runden. Die fast 30 Mitarbeiter seien in Kurzarbeit. „Wir hoffen, dass die Inzidenzwerte niedrig bleiben, und dass wir im April mit einem Hygienekonzept das Präsenz-Angebot wieder aufnehmen können. Auf dem Aspenstein gibt es 40 Gästezimmer.

Wegen finanzieller Probleme war die SPD-nahe Bildungseinrichtung 2019 ins Schlingern gekommen. Durch die schlechten Wahlergebnisse der SPD auf Landesebene flossen weniger Zuschüsse. Mit großem Engagement von Seiten König-Rothemunds war es gelungen, den Förderkreis auszuweiten, Mitglieder zu generieren und Spenden zu sammeln. Darauf sei man immer noch angewiesen. „Dank der großartigen und solidarischen Unterstützung unserer Förderer stehen wir auch die Corona-Krise durch“, sagt König-Rothemund. Diese Einnahmen seien der „Zwischenschritt“, um die weggebrochenen Zuschüsse auszugleichen. Das Geld werde für laufende Kosten wie Strom und Heizung verwendet. „Wir müssen auch regelmäßig das Wasser durchlaufen lassen, damit uns die Leitungen nicht kaputt gehen“, nennt König-Rothemund ein Beispiel. Sie weiß, dass auch die Fördermitglieder von Corona-Maßnahmen betroffen sind, etwa durch Kurzarbeit. „Dass sie unsere Akademie trotzdem weiter unterstützen, finde ich beeindruckend“, sagt sie dankbar.

Heuer im September sind Bundestagswahlen. Muss die Vollmar-Akademie erneut um den Bestand fürchten, wenn die SPD schlecht abschneidet? „Persönlich hoffe ich natürlich auf ein gutes Abschneiden der SPD, aber für unsere Akademie sind wir in erster Linie auf Landesmittel angewiesen“, sagt die Vorsitzende.

In Bayern wird 2023 ein neuer Landtag gewählt. Die Akademie wurde 1948 gegründet. Aufgabe ist es, „Denkanstöße für das politisch-soziale Handeln in der Gesellschaft zu geben“. Benannt wurde die Einrichtung nach Georg von Vollmar, erster Vorsitzender der bayerischen SPD 1893.

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