Starkregen, Sturm, Blitz und Donner – beim Wetter war am Samstagabend einiges geboten. Der Stimmung der Besucher beim „Musiksommer am Walchenseekraftwerk“ tat das trotz der langen Unterbrechung keinen Abbruch.
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Starkregen, Sturm, Blitz und Donner – beim Wetter war am Samstagabend einiges geboten. Der Stimmung der Besucher beim „Musiksommer am Walchenseekraftwerk“ tat das trotz der langen Unterbrechung keinen Abbruch.

„Musiksommer am Walchenseekraftwerk“

Open-Air bei gutem Wetter kann jeder: Pippo Pollina muss Konzert bei Starkregen unterbrechen

Ein starker Gewitterregen sorgte dafür, dass das Konzert von Pippo Pollina beim „Musiksommer am Walchenseekraftwerk“ erstmal unterbrochen werden musste, kurz nachdem es begonnen hatte. Doch weder der Künstler noch das Publikum ließen sich die Stimmung verhageln.

Kochel am See - Der sizilianische Singer-Songwriter Pippo Pollina ist in der Region bestens bekannt, gastiert er hier doch regelmäßig auf seinen Konzerttourneen. Im Juli ist er nun auf Duo-Tour unterwegs mit einem Best-of-Programm und dem Klarinettisten und Saxofonisten Roberto Petroli. Vorletzte Station des Duos war am Samstagabend die neue Open-Air-Reihe „Musiksommer am Walchenseekraftwerk“.

Die Wettervorhersage verhieß nichts Gutes, davon ließen sich die Besucher aber nicht abschrecken. Und so konnte Initiatorin und Organisatorin Sabine Pfister vom „KKK“ Lenggries ihre Gäste im ausverkauften Haus begrüßen. Wäre es nur ein Haus gewesen: Während es bei Pfisters Begrüßung noch sachte tropfte, schwoll der Regen pünktlich mit Pollinas Auftritt kurz nach 20 Uhr heftig an. Wacker versuchte er, dagegen anzuspielen. Doch nach wenigen Takten brach er ab: „Könnt ihr eigentlich irgendwas hören?“ Zustimmendes Nicken im Publikum. Also ein neuer Versuch. Doch der ging alsbald hoffnungslos unter im wild prasselnden Starkregen.

Dazu brauste der Wind. Bange Blicke nach oben: Hält die Teil-Überdachung? Für die hinten sitzenden Zuschauer wurde ein Raum aufgeschlossen, in dem sie Zuflucht suchen konnten. Pollina dirigierte derweil Besucher auf trockene Plätze neben der Bühne. Dann trat er ab. Gegen 20.30 Uhr erklärte Pfister, man wolle noch zehn Minuten abwarten und dann entscheiden, wie es weitergehe. Begeisterte Zustimmung im Publikum. Dann kamen Donner und Blitz zum Starkregen. Weiteres Warten war angesagt, doch die Stimmung blieb erstaunlich gut.

Der sizilianische Singer-Songwriter Pippo Pollina (re.) wird auf seiner Tour vom Klarinettisten und Saxofonisten Roberto Petroli begleitet.

Als Pollina und Petroli dann etwa eine Stunde nach dem regulären Konzertbeginn wieder auf der Bühne stehen, ist die ganze Unbill rasch vergessen. Schlag auf Schlag reiht er die Nummern seines Best-of-Programms aneinander und wird laut bejubelt. Er singt, spielt Klavier oder Gitarre und beweist, dass er sowohl rockig als auch schmusig kann. Sobald er hämmernde Klavierakkorde greift, setzt der Mitklatschreflex im Publikum ein.

Dazwischen erzählt er in gutem Deutsch (er lebt in Zürich) von allerlei Begebenheiten am Rande der Entstehung oder früherer Aufführungen seiner Lieder. Das macht er sehr charmant, man hört ihm gerne zu.

Viele Eigenkompositionen

Petroli an Saxophon oder Klarinette ist ein kongenialer Partner. Oft wird er gleichsam zum instrumental-singenden Gegenpart und Duettpartner des Sängers. Mitunter heizt er mit harten Rhythmen Pollinas Gesang oder Gitarrenspiel an. Der hat nicht nur Eigenkompositionen im Gepäck, sondern auch italienische Versionen großer Welthits. Besonders stolz ist er, dass Jacques Brels Witwe ihm seine Fassung von „Amsterdam“ autorisierte, denn die allermeisten Anfragen dieser Art habe sie abgelehnt.

Ein Tamburin dürfe bei seinem Best-of keinesfalls fehlen, denn es bringe „ein bisschen Percussion“ ins Spiel, erklärt Pollina. Und was er diesem an Sound entlockt, reißt das Publikum schier vom Hocker. Dann kommt er auf das sehnsüchtig-verklärte Verhältnis der Deutschen zum Meer zu sprechen. In seiner Heimat Sizilien sehe man das pragmatisch: Das Leben dort sei nie vom Fischfang, sondern von der Landwirtschaft geprägt worden. „Das Meer ist bei uns eine August-Sache. Dann wollen alle dort sein. Aber am 1. September geht keiner mehr hin.“ Der ausgelassene Song „Mare, Mare, Mare“ lässt dann aber vermuten, dass zumindest Pollina doch eine engere Beziehung zum Meer hat.

Abschließend gibt es einen Lockdown-Rückblick: Er habe in der Zeit 14 neue Lieder geschrieben, die bei seiner Tour im nächsten Jahr auch in Bayern zu erleben sein werden, kündigt Pollina an. „Fantastico: Ihr seid alle hier geblieben!“, lobt er dann die Zuhörer. Und fügt an: „Künstler brauchen Publikum. Und das Publikum braucht die Künstler.“ Tosender Applaus. (Sabine Näher)

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