Auf dem Rewe-Parkplatz in Bad Heilbrunn parken vor allem an schönen Samstagen viele Wanderer. Das beklagte zuletzt der Betreiber des Markts.
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Auf dem Rewe-Parkplatz in Bad Heilbrunn parken vor allem an schönen Samstagen viele Wanderer. Das beklagte zuletzt der Betreiber des Markts.

Verkehrspolitik in Kommunen

Parkplätze für den Ausflugsandrang: Das planen die Gemeinden im Loisachtal

  • Melina Staar
    vonMelina Staar
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Durch stetig steigende Zahlen an Tagesausflüglern hat so manche Gemeinde mit Wildparkern zu kämpfen – trotz reichem Parkplatz-Angebot. Ein Überblick.

Kochel/Schlehdorf/Benediktbeuern/Bichl/Bad Heilbrunn – Sobald das Wetter es zulässt, drängt es die Menschen nach draußen in die Natur. In Pandemie-Zeiten bekommen dies vor allem attraktive Ziele in der Nähe zu spüren – häufig auch mit den unangenehmen Nebenwirkungen. Eine davon sind Wildparker. Viele Gemeinden im Loisachtal haben deswegen reagiert und planen Änderungen.

Bichl

Die Gemeinde Bichl hat zahlreiche Parkplätze anzubieten, wie Bürgermeister Benedikt Pössenbacher sagt. „Am Schwimmbad, am Bahnhof, im Dorfgebiet.“ Es habe noch nie Schwierigkeiten gegeben, dass die Parkplätze nicht ausreichten oder Wanderer wild geparkt hätten. Was Bichl allerdings deutlich spürt: „Der Durchgangsverkehr ist enorm“, so Benedikt Pössenbacher. „Und das nicht nur an Ausflugstagen.“

Bad Heilbrunn

„Sehr, sehr viele Parkplätze“ gibt es nach Angaben von Bürgermeister Thomas Gründl in Bad Heilbrunn: Einen Wanderparkplatz am Haus des Gastes und einen großen Parkplatz am ehemaligen Höfter-Areal gegenüber dem Rathaus. Die Anzahl sei schwer zu schätzen. Wie berichtet, hatte kürzlich der Betreiber des Rewe-Markts im Dorf beklagt, dass sehr viele Wanderer am Samstag den Parkplatz vor dem Supermarkt nutzen würden. Darüber hatte der Gemeinderat diskutiert.

Grundsätzlich wolle man am städtebaulichen Vertrag festhalten, so Thomas Gründl. Dieser sehe keine Sperrung des Rewe-Parkplatzes vor. „Das war eine klare Vorgabe des Gemeinderats vor dem Bau des Marktes.“ Daher habe der Gemeinderat um Verständnis gebeten. „Wenn die Pandemie vorbei ist, wird sich das wieder regulieren.“ In jener Sitzung wurde auch darüber gesprochen, dass möglicherweise ein Parkplatz am Bierhäuslweg geschaffen werden könnte –dabei handelt es sich allerdings um Privatgrund. Gründl: „Die Pläne hierfür werden in einer der nächsten Sitzungen präsentiert.“

Kochel am See

Im Winter hat Bürgermeister Thomas Holz in seiner Gemeinde alle Parkplätze erfasst. Der Gedanke dahinter: „Wir möchten ein neues Parkplatz-Konzept entwickeln.“ Insgesamt gibt es über 40 – die sind aber nicht alle in gemeindlichem Eigentum. „Bisher wurden diese Parkflächen aber nicht bewirtschaftet.“ Könnte man die Parkmöglichkeiten anders anordnen, bekäme man einiges mehr an Platz. In seinen Augen bleibe aber das Problem: „An Spitzentagen reichen sie nicht aus.“

Die Gemeinde hätte in Walchensee eine Fläche für einen Parkplatz angeboten bekommen. „Aber es waren viele Bürger dagegen.“ Die Frage sei: „Kommen wegen mehr Parkplätzen auch mehr Leute?“ Er halte das eher für unwahrscheinlich. Das Parkplatzkonzept, das ab Mitte April vorgestellt werden soll, soll vor allem bewirken, dass die Autos nicht mehr in den Ortsteilen parken und keine Rettungswege zugestellt werden. Vergangenes Jahr habe die Gemeinde bereits mit baulichen Maßnahmen versucht, entgegenzuwirken. „Aber da sind dann Leute aus dem Auto ausgestiegen, haben die dort platzierten Baumstämme weggeräumt und haben trotzdem auf dem Rettungsweg geparkt.“

Im Ortsteil Walchensee seien die Nebenstraßen besonders betroffen gewesen. „Da haben sich Leute teilweise vor Privatgaragen gestellt oder sind bis auf die Halbinsel Zwergern gefahren.“ Grob könne man sagen: „Überall dort, wo Wanderungen beginnen, geht es auf den Zufahrtsstraßen mit dem Parken los – ohne Rücksicht auf die Anwohner.“ Das könne er nicht nachvollziehen. „Warum versteht man nicht, dass auch die Leute, die dort wohnen, einen Notfall haben könnten oder einfach nur zum Einkaufen gehen müssen?“ Er fürchtet, dass es in diesem Jahr zu ähnlichen Problemen kommen könnte. „Bei manchen helfen alle Appelle nichts.“

Die Gemeinde hat sich daher dazu entschlossen, in diesem Jahr die Überwachungsstunden, die vom Zweckverband Kommunale Verkehrsüberwachung übernommen werden, zu verdoppeln. „Das Ganze lässt sich wahrscheinlich nur über den Geldbeutel regeln.“ Sehr wichtig seien auch die Ranger, die sich um Verstöße im Landschaftsschutzgebiet kümmern.

Benediktbeuern

Auch in Benediktbeuern parkten bislang Autos auf Privatgrund, auf landwirtschaftlichen Flächen und entlang von Anwohnerstraßen. Obwohl es zahlreiche Möglichkeiten gibt, an den beliebten Wanderrouten zu parken, wie etwa rund um das Alpenwarmbad, in Mariabrunn oder in Richtung Lainbachtal. „Wir haben auf den erhöhten Ansturm reagiert“, sagt Geschäftsleiter Michael Herrmann. Die Gemeinde hat zum einen Flächen von Raiffeisenbank und Staatsforsten gepachtet und somit neue und erweiterte Parkplätze geschaffen. Außerdem werden für etwa 50 000 Euro Parkautomaten angeschafft.

Um zu überprüfen, dass die Gebühren bezahlt werden, hat sich Benediktbeuern nun dem Zweckverband Kommunale Verkehrsüberwachung angeschlossen. Außerdem sollen die Parküberwacher dafür sorgen, dass nicht zu viele Leute – um den Gebühren zu entgehen – wieder wild parken. „Wir hoffen, dass wir so alles in geregelte Bahnen bekommen“, sagt Herrmann. „Wir haben über 300 Stellplätze, damit müsste man einiges abfedern.“

Schlehdorf

Von „keinen größeren Behinderungen“ berichtet Bürgermeister Stefan Jocher. Die Gäste ziehe es in Richtung See, so dass sich das Parken hauptsächlich dorthin verlagert. „Es gibt dort einen privaten Holzlagerplatz. Wenn der voll ist und auch der Parkplatz am Klosterbräu, dann wird an der Straße geparkt.“ Auch an der Grundschule gebe es Stellplätze. Bislang lief aber alles in halbwegs geregelten Bahnen. Die Gemeinde hätte auch „gar keine Möglichkeit, noch weitere Parkplätze zu schaffen“, so Jocher.

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