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Kein Zutritt: Der Petitionsausschuss beim Ortstermin auf dem Hof des ehemaligen Kochler Verstärkeramts. 

Petitionsausschuss des Landtags in Kochel

Verstärkeramt: Ortstermin hinter Gittern

  • Alois Ostler
    vonAlois Ostler
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So viel Interesse hat das ehemalige Verstärkeramt am Ortsrand Kochel schon lange nicht mehr erfahren.

Kochel am See – Die Öffentlichkeit allerdings blieb beim Ortstermin ausgesperrt, als sich der Petitionsausschuss des bayerischen Landtags am Dienstagnachmittag auf dem Gelände umsah. Bürgermeister Thomas Holz hatte von seinem Hausrecht Gebrauch gemacht. Und so warteten Heiko Folkerts und Birgitt Borio, die die Petition eingereicht hatten, vor dem Gitterzaun an der Einfahrt. Mit ihnen verfolgten eine Handvoll Interessierter und einige Pressevertreter das Geschehen im Innenhof. Eine Entscheidung wurde nicht getroffen.

„Das ist eine sehr komplizierte Gemengelage“, sagte der SPD-Landtagsabgeordnete Volkmar Halbleib in einer kurzen Stellungnahme nach dem fast zweistündigen Ortstermin. „Wir konnten uns einen persönlichen Eindruck verschaffen und wir haben mit Betroffenen gesprochen.“ Halbleib ist auch Mitglied im Landesdenkmalrat. Er räumte ein, dass der staatliche Denkmalschutz beim ehemaligen Verstärkeramt „zu spät aktiv geworden ist“.

„Ich sehe die Nöte der Gemeinde Kochel“, sagte die Grünen-Abgeordnete Sabine Weigand. Auch sie ist Mitglied im Landesdenkmalrat. Ihrer Ansicht nach geht es der Kommune vorrangig um den Bauhof, der auf dem Gelände des ehemaligen Verstärkeramts gebaut werden soll (wir haben berichtet). Weigand meinte, dass man die Belange des Denkmalschutzes bei der Bauleitplanung berücksichtigen hätte müssen. Auch sie konnte nach dem Ortstermin nicht sagen, „wie der Ausschuss entscheiden wird“.

Der Weilheimer Architekt Heiko Folkerts und Birgitt Borio nutzten das Zusammentreffen am Zaun, um den Politikern historische Bilder zu zeigen und ein weiteres Mal für den Erhalt des Ensembles zu werben. „Wir hätten es natürlich gern dem ganzen Petitionsausschuss gezeigt“, sagte Folkerts den Journalisten. Die Überzeugungsarbeit lebe vom persönlichen Gespräch.

Dem pflichtete Rechtsanwalt Benno Ziegler bei, der die Unterzeichner der Petition juristisch vertritt. „Wir fechten die Bauleitplanung der Gemeinde Kochel mit einer Popularklage an“, ließ er die Pressevertreter wissen. „Wir wollen erfahren, was der bayerische Verfassungsgerichtshof zu dem Vorhaben der Kommune sagt.“ Und man werde mit aller Kraft gegen die Abrissverfügung vorgehen. Wenn man diesen Bescheid des Tölzer Kreisbauamts mit Schulnoten bewerte, dann verdiene das Papier „nicht einmal die Note fünf“.

Der Ausschuss unter der Führung des CSU-Landtagsabgeordneten Robert Brannekämper hatte sich nach dem Rundgang vom Kochler Bürgermeister Thomas Holz unter anderem die Pläne für das Gelände zeigen lassen. Auch ein Besuch in der Wohnung der letzten Mieterin stand auf dem Programm. Der 87-jährigen Frau, die seit 55 Jahren in dem Haus lebt, wurde bereits zum 31. Januar 2020 gekündigt. „Meine Mutter darf aber noch so lange bleiben, bis für sie ein Platz in einem Seniorenheim in Penzberg frei ist“, so ihre Tochter Eva Stoyke. Die Mutter habe lediglich vorsorglich Widerspruch gegen die Kündigung eingelegt. Nun müsse man noch abwarten, bis der Corona-bedingte Aufnahmestopp für Seniorenheime aufgehoben sei.

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Mit Interesse verfolgte Stefan Bauer das Geschehen. Er war früher selbst Mitglied im Kochler Gemeinderat. „Es war kein Fehler, das Verstärkeramt zu kaufen“, so seine Einschätzung. Er weiß, dass sich viele Gemeindebürger den Abriss gut vorstellen können. „Es gibt aber auch einige, die den Erhalt befürworten.“ Die Wohnungen, die neben dem geplanten Bauhof und in der Nachbarschaft des Supermarkts entstehen sollen, sieht er problematisch. Neuer Wohnraum wäre seiner Meinung nach sinnvoller auf der grünen Wiese angesiedelt. 

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