Justitia im Gericht
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Wegen Nötigung stand jetzt ein Rentner vor Gericht.

Vorfall am Walchensee

Radelndes Mädchen mit Wohnmobil bedrängt: Urlauber wegen Nötigung vor Gericht

  • vonRudi Stallein
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Eine Reise ins Oberland hat einem Rentner aus Baden-Württemberg Ärger mit der Justiz beschert. Der 69-Jährige soll im Tunnel am Walchensee mit seinem Wohnmobil eine vor ihm radelnde Schülerin (14) angehupt und durch dichtes Auffahren bedrängt haben.

Walchensee - Dieses Vorgehen des Rentners erfüllt nach Auffassung der Staatsanwaltschaft den Straftatbestand der Nötigung. Per Strafbefehl wurde der Mann zu einer Geldstrafe von 800 Euro verdonnert. Dagegen legte der Mann Einspruch ein, weshalb der Fall jetzt am Wolfratshauser Amtsgericht gelandet ist: Dort wurde das Verfahren gegen eine Zahlung von 400 Euro eingestellt.

„Ich habe das Mädchen zu keiner Zeit genötigt oder bedrängt“, sagt der Angeklagte

Der Vorfall ereignete sich am 11. September vorigen Jahres gegen 18.45 Uhr. Der Angeklagte suchte für die Nacht einen Stellplatz am Walchensee, landete aber schließlich in Mittenwald. Dorthin war auch die Schülerin (14) unterwegs, die mit ihrem Vater (56) und ihrer Schwester (16) in Planegg (Landkreis München) gestartet war.

Kurz vor dem Tunnel teilte sich das Trio. Das jüngere Mädchen eilte voraus. Der Vater folgte mit der älteren Tochter in einigem Abstand. Am Eingang des Tunnels wurde er von dem Wohnmobil überholt, welches sich dann hinter der 14-Jährigen einreihte. Er sei bis auf etwa acht Meter herangefahren, „bei einer Geschwindigkeit von unter 20 Stundenkilometern“, berichtete der Angeklagte. Aber nicht er habe gehupt, sondern ein Auto hinter ihm. Das Mädchen sei dadurch sehr verunsichert worden. „Sie wurde immer langsamer, drehte sich mehrfach um“, erinnerte sich der Rentner. Er betonte: „Ich habe das Mädchen zu keiner Zeit genötigt oder bedrängt.“

Vater des Mädchens schildert den Vorfall anders

Das hatte der Vater aus seinem Blickwinkel anders wahrgenommen: „Ich habe es als drängend empfunden.“ Er habe bemerkt, dass seine Tochter „immer wackliger fuhr“. Deshalb habe er versucht, sich rechts neben das Wohnmobil zu zwängen, um den Fahrer durch Klopfen aufmerksam zu machen. „Das war keine clevere Idee“, räumte der Zeuge ein. Seine Tochter, die am Ende des Tunnels „völlig aufgelöst“ wieder mit ihrem Vater und ihrer Schwester zusammengekommen war, sagte vor Gericht: „Ich habe mich beim Hupen erschrocken, habe gedacht, ich hätte etwas falsch gemacht.“ Alle drei waren sich einig: „Das Hupen kam vom Wohnmobil, weil in dem Moment noch kein anderes Auto da war.“

Rentner zahlt 400 Euro an die beiden Mädchen

Am nächsten Morgen entdeckte die Mutter der Mädchen das Wohnmobil beim Semmelholen auf dem Campingplatz in Mittenwald. Ihr Mann hatte sich nach dem Zwischenfall im Tunnel das Kennzeichen gemerkt. Den Weg zur Polizei konnte er sich sparen, die Beamten kamen zum Campingplatz, wo sie die Anzeige aufnahmen. Nach Aussage der drei „sehr effektiven Zeugen“ war auch Richter Helmut Berger überzeugt: „Ich sehe kein anderes Auto, das gehupt haben kann.“

Dazu kam noch dichtes Auffahren. „Da bin ich in der Nötigung drin“, betonte der Richter, der dem Angeklagten jedoch ein gutes Stück entgegenkam. Er regte an, die Sache ohne Urteil zu lösen – durch „eine Zuwendung an die Mädels“.

Der 69-jährige Rentner schüttelte – wie zuvor schon mehrfach bei den Zeugenaussagen – nur seinen Kopf. Nach einer kurzen Besprechung mit seinem Anwalt lenkte der Baden-Württemberger jedoch ein und erklärte sich bereit, insgesamt 400 Euro an die beiden Teenager zu zahlen. Daraufhin stellte das Gericht das Verfahren vorläufig ein.  

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