Qualvoll verendet ist dieses trächtige Reh am Karfreitag im Rieder Moos. 
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Qualvoll verendet ist dieses trächtige Reh am Karfreitag im Rieder Moos. 

Nach Spurenlage war es ein wildernder Hund

Rieder Moos: Trächtige Rehgeiß verendet qualvoll nach Attacke 

  • Andreas Steppan
    vonAndreas Steppan
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Ein verstümmeltes Reh, das offenbar von einem Hund gerissen worden war, wurde am Karfreitag im Rieder Moos gefunden. Die Polizei sucht jetzt nach Zeugen.

Kochel am See – Ein grausamer Anblick bot sich am Karfreitag im Rieder Moos. Ein Passant entdeckte dort ein totes und verstümmeltes Reh, das offenbar von einem wildernden Hund gerissen worden war. Was die Sache noch trauriger macht: Das Tier war trächtig. Die Polizei ermittelt nun wegen Jagdwilderei und Verstoßes gegen das Tierschutzgesetz und bittet um Zeugenhinweise.

Als „Bild des Grauens“ bezeichnet der betroffene Jagdpächter die Szenerie. „Die über eine große Fläche verteilten Fellfetzen zeugten davon, dass sich die trächtige Rehgeiß zunächst verzweifelt gewehrt hat und noch versuchte zu entkommen“, so der Jäger. „Die Verletzungen am Hals zeigen, dass das Tier dann niedergerissen und getötet wurde. Da der Räuber bei seinem Tun offensichtlich nicht gestört wurde, hat er sich anschließend am Schlegel gütlich getan.“ Alle Spuren weisen laut dem Jagdpächter auf einen Hund hin, der gewildert hat „oder sich zumindest außerhalb des Einwirkungsbereiches seines Besitzers bewegt hat“.

Viele Spaziergänger waren im Rieder Moos unterwegs: Es muss Zeugen geben

Da sich das Geschehen auf offener Wiese abgespielt hat und am Karfreitag etliche Wanderer und Spaziergänger unterwegs waren, gehen Jagdpächter und Polizei davon aus, dass Zeugen das Geschehen beobachtet haben müssen. Laut Polizei hat sich der Vorfall am Vormittag ereignet.

Laut dem 1. Jagdvorsteher von Ried, Peter Schalch, hat ein Facebook-Aufruf schon erste Hinweise erbracht, denen die Jagd- und Waldgenossenschaft Ried nun nachgehe. „Falls sie belastbar sind, werden wir mit allen rechtlichen Möglichkeiten gegen die Verantwortlichen vorgehen“, kündigt er an.

Dem Jagdpächter zufolge ist so eine Attacke eines wildernden Hundes kein Einzelfall. „Wenn man sie auf ihren frei laufenden Hund anspricht, bekommt man von Hundebesitzern leider immer die gleichlautende Antwort, dass das arme Tier doch Auslauf brauche im Übrigen nicht wildere.“ Diejenigen vergäßen aber, „dass auch ihr Liebling vom Wolf abstammt und diesem der Jagdtrieb angeboren ist“.

Rehgeiß gerissen: „Tierliebe sollte nicht beim eigenen Hund enden“

Schalch betont, dass sich die überwiegende Mehrzahl der Hundehalter vernünftig verhalte. Doch bei den anderen hat auch er die Erfahrung gemacht: „Wenn man sie darauf anspricht, reagieren die meisten ungehalten.“ Schlach findet es bedauerlich, dass man sich als Jäger, der in enger Absprache mit Fachberatern und unterer Jagdbehörde die Natur „hegt und pflegt“, dabei in einer „Bittsteller-Position“ befinde. Immerhin werde ein guter Teil der Jagdpacht auch zur Pflege der Wege verwendet, die der Allgemeinheit zugute kommen.

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Schalch plädiert daher für ein „gutes Miteinander“. Dass zahlreiche Radfahrer, Wanderer, Jogger oder Nordic-Walker in der Natur unterwegs sind, „das können und wollen wir gar nicht verhindern“. Aber er appelliert an die gegenseitige Rücksichtnahme. Hundebesitzer sollten verantwortungsvoll und vernünftig genug sein und ihre Tiere an die Leine nehmen, „wenn sie wissen, dass der Hund einen Jagdtrieb hat und schon mal abhaut“.

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Teilweise gelte auch eine Anleinpflicht, wie der Jagdpächter ergänzt: im Kochler Moos etwa wegen des Wiesenbrüterprogramms bis 15. Juli. Er weist auch darauf hin, dass ab Anfang Mai Rehe ihre Kitze setzen und Feldhasen Junge hätten, „die sie dann bevorzugt in Wiesen und Feldgehölzen entlang der Spazierwege ablegen“. Der Jagdpächter findet: „Eine zehn und mehr Meter lange Leine sollte dem Bewegungsbedürfnis des Hundes wenigstens in dieser Zeit genügen.“ Die Tierliebe dürfe nicht beim eigenen Hund enden. 

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Zeugenhinweise werden unter Telefon 08041/76106-273 entgegengenommen.

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