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Der Badespaß im Trimini war für einen 45-Jährigen und eine Gruppe Jugendlicher vorbei, als sie in Streit gerieten.

Amtsgericht

Sauna-Streit im Trimini landet vor Gericht

Kochel am See - Mit Handgreiflichkeiten endete vergangenen Sommer ein Streit um das richtige Verhalten in der Sauna des Trimini. Ein 45-Jähriger wurde deswegen nun zu einer Geldstrafe verurteilt.

45-Jähriger soll ungezogenen Jugendlichen im Trimini mit Kopf gegen die Wand gedrückt haben – Zu Geldstrafe verurteilt

Kochel am See/Wolfratshausen – Der Angeklagte war sichtlich angefressen. „Ich habe gelernt: Zivilcourage zeigen hat keinen Sinn. Besser Augen zu, und gut ist“, sagte der 45 Jahre alte Projektentwickler mit Wohnsitz im Tiroler Brixental, bevor der Richter am Amtsgericht in Wolfratshausen sein Urteil sprach.

Am 19. Juli vorigen Jahres soll der Mann im Trimini in Kochel einen damals 15 Jahre alten Schüler am Hals gepackt und mit dem Kopf gegen die Wand gedrückt haben. Vorausgegangen war eine Diskussion um richtiges Betragen in der Sauna. Der Angeklagte wurde zu 50 Tagessätzen zu je 15 Euro verurteilt.

Ausführlich hatte der Mann zuvor seine Sicht der Dinge dargelegt. Tatsächlich sei es beim Besuch der Sauna zu unschönen Szenen mit zwei jungen Burschen und ihrem männlichen Begleiter gekommen. Die Jugendlichen hätten sich flegelhaft gegenüber einer älteren Dame aufgeführt, nachdem diese sie aufgefordert hatte, ihr Handtuch – „wie es den Bade- und Saunaregeln entspricht“ – unter die Füße zu legen. „Die Diskussion ging hin und her. Irgendwann wechselten die Herrschaften ins Englische und machten sich weiter lustig über die Dame“, berichtete der Angeklagte. Mit den Worten „Fuck you, German“ sollen sie die Saunakabine verlassen haben. Einer der beiden habe der Frau zudem empfohlen: „Jetzt kannst du dich in meinen Schweiß setzen und dich in meinem Fußpilz wohlfühlen.“

Daraufhin sei er den Burschen gefolgt und habe von deren Begleiter, den er für den Vater des ungezogenen 15-Jährigen gehalten hatte, verlangt: „Schick deinen Sohn rein, er soll sich bei der Dame entschuldigen.“ Dann habe er seinen Saunagang fortgesetzt. Später, beim Verlassen des Bades, habe es noch einen Disput mit dem Erwachsenen gegeben, der schließlich die Polizei rief.

Der Jugendliche bestätigte Differenzen in der Sauna. „Wir sollten die Badehosen ausziehen. Wir haben gesagt, das möchten wir nicht. Wir wollten nicht nackt herumlaufen“, schilderte der 15-Jährige, warum er das Handtuch nicht unter die Füße gelegt hatte. Auf den Einwand der Frau, er könne doch Fußpilz haben, habe er flapsig geantwortet. „Dann passen Sie mal auf, dass sie sich nicht reinsetzen.“ Draußen sei er dann von dem Mann gegen die Wand gedrückt worden.

Der Fall wäre vermutlich prädestiniert gewesen, eingestellt zu werden. Doch den Vorschlag des Verteidigers lehnte das Gericht mit Hinweis auf die zahlreichen Vorstrafen des Angeklagten ab. Aber Richter Urs Wäckerlin stellte in Aussicht, bei der Geldstrafe großzügig entgegenzukommen (15 statt 50 Euro bei der Tagessatzhöhe), vorausgesetzt, der Beschuldigte beschränke seinen Einspruch gegen den Strafbefehl auf die Rechtsfolgen.

Der Angeklagte willigte schließlich ein. Aber er sei der Meinung, „dass der Sachverhalt so nicht zutrifft“, erklärte der Verteidiger des Tirolers. Somit gab es zur Schuldfrage nicht mehr viel zu sagen, wohl aber zum letzten Wort des Angeklagten, das der Richter in seiner Urteilsbegründung noch einmal aufgriff. „Zivilcourage lohnt sich sehr wohl. Aber es gibt einen Unterschied zwischen Zivilcourage und Selbstjustiz“, so Wäckerlin. „Den Bademeister zu holen wäre angebracht gewesen, wenn man es auf Zivilcourage angelegt hätte.“

Rudi Stallein

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