+
Wenn es glatt ist, soll man aufpassen (Symbolbild).

10.000 Euro Schmerzensgeld

Mann stürzt auf schneeglatter Straße und verklagt Gemeinde Schlehdorf

Einen Tag vor Silvester stürzt ein Mann auf winterglatter Straße, sechs Wochen danach wird eine Hirnblutung diagnostiziert. Er verklagt die Gemeinde. Nun gibt es ein Urteil.

München/Schlehdorf - Der heute 59 Jahre alte Münchner war vor fast genau vier Jahren - am 30. Dezember 2014 - zu einem Friseurtermin nach Schlehdorf* gefahren und auf dem Rückweg zu seinem Auto auf einer abschüssigen Straße gestürzt. 

An dem Tag hatte es durchgehend geschneit, die Gemeinde hatte die Straßen nicht mit Rollsplitt gestreut - weil Streuen bei Dauerschnee aus Sicht der Kommune nichts gebracht hätte.

Mann stürzt auf schneeglatter Straße und verklagt Schlehdorf

Der Mann erlitt eine Knieverletzung, sechs Wochen später wurde auch noch eine Hirnblutung festgestellt. Er gab an, auf einer Eisfläche unter der Schneedecke ausgerutscht zu sein. Zwei Jahre nach dem Sturz reichte er Klage ein und verlangte mindestens 10.000 Euro Schmerzensgeld. Der Gericht bezifferte den Streitwert auf 14.500 Euro.

Das Geld steht dem Kläger aus Sicht des Gerichts aber nicht zu. „In Situationen, in denen Streuen keinen Sinn ergibt“, habe die Gemeinde nicht die Pflicht zu streuen, entschied Richter Florian Schweyer - und wies die Klage ab.

Klage wegen Sturz in Schlehdorf - Gericht weist Klage ab

Wären die Straßen der Gemeinde am Tag des Sturzes tatsächlich großflächig vereist gewesen, wäre die Kommune zwar in der Streupflicht gewesen. „Es handelte sich aber - wenn überhaupt - um eine einzelne, punktuelle Eisfläche.“ Laut diversen Urteilen des Bundesgerichtshofes (BGH) müsse der Winterdienst der zuständigen Gemeinde auch immer zumutbar sein. „Bei allgemeiner Glätte ist zu streuen - aber nicht bei punktuellen Glättestellen.“

Warum der damals 55 Jahre alte Münchner einen Tag vor Silvester für einen Friseurbesuch in das rund 70 Kilometer von der bayerischen Landeshauptstadt entfernte Schlehdorf am See fuhr, wurde nach Angaben Schweyers in der Verhandlung nicht geklärt.

dpa/lby

*In einer ursprünglichen Version des Artikels war die Gemeinde Kochel am See als Beklagte genannt. Das war falsch. Es handelt sich um Schlehdorf gleich nebenan.

Eine ganze Familie trauert: Nichte und Onkel sterben kurz hintereinander - und finden gemeinsam letzte Ruhe

Betina Westernacher und Stefan Chymyn waren Nichte und Onkel, sie hatten eine besondere Beziehung zueinander. Tragischerweise starben sie in der Weihnachtszeit kurz hintereinander, und sie werden gemeinsam die letzte Ruhe finden.

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Hamsterkäufe gegen die eigene Ohnmacht
Wie wirkt sich die derzeitige Krise auf die Psyche der Menschen aus? Im Interview erklärt Psychologe Dr. Markus Reicherzer, die Auswirkungen - und den Hintergrund von …
Hamsterkäufe gegen die eigene Ohnmacht
Kontaktlos einkaufen auf dem Bauernhof
Die Hofläden im Landkreis versorgen die Menschen auch in der aktuellen Corona-Situation weiter mit selbsterzeugten und regionalen Produkten. Dafür gibt es jedoch einige …
Kontaktlos einkaufen auf dem Bauernhof
Kreativ in Zeiten der Krise
Veronika Ranz näht leidenschaftlich gerne. Ihr Hobby nutzt die Kochlerin nun dazu, Stoffmasken als Behelfs-Mund- und Nasenschutz zu nähen. Die Nachfrage ist groß. Ihren …
Kreativ in Zeiten der Krise
Abitur-Vorbereitung zur Zeit der Pandemie
Aufgrund der aktuellen Lage wurde das bayerischen Abitur verschoben. Am 20. Mai – drei Wochen später als einst geplant –soll es nun mit den Prüfungen los gehen. Während …
Abitur-Vorbereitung zur Zeit der Pandemie

Kommentare