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Am Freitag wurden zwei Motorradfahrer aus München am Kesselberg schwer verletzt. Bei der Kollision, verursacht durch zu schnelles Fahren, flog eine der Maschinen über die Leitplanke. 

Nach schweren Unfällen

Schwere Unfälle am Kesselberg: Gibt es bald ein Komplett-Verbot für Biker?

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Die schweren Motorradunfälle am Kesselberg reißen nicht ab und keine bauliche Maßnahme auf der Straße fruchtet wirklich. Jetzt denkt das Innenministerium offenbar über eine Sperrung des Kesselbergs für Biker nach. Die Gemeinde Kochel würde das begrüßen.

Kochel am SeeAm vergangenen Freitagabend mussten die Rettungskräfte wieder wegen zwei schwer verletzten Motorradfahrern aus München ausrücken. Es war laut Polizei-Statistik heuer der fünfte Verkehrsunfall am Kesselberg, insgesamt gibt es jetzt schon drei Leicht- und zwei Schwerverletzte. Zudem verunglückte Anfang Mai noch ein Motorradfahrer schwer an der Galerie am Walchensee.

Die am Kesselberg veranlassten baulichen Maßnahmen brachten in den vergangenen Jahren nicht den durchschlagenden Erfolg. Bewährt hat sich zwar der Unterfahrschutz an den Leitplanken, der bei Aufprall beziehungsweise Durchrutschen schwere Körperverletzungen verhindert. Die Rüttelstreifen in der Fahrbahnmitte, auf die man seit 2014 große Hoffnungen setzte, brachten nicht den erhofften Erfolg. Sie wurden im April entfernt. Am Kesselberg wird nach wie vor von einigen Motorradfahrern rücksichtslos gerast.

Nun wird im Innenministerium offenbar diskutiert, den Kesselberg für Motorradfahrer komplett zu sperren, beispielsweise von April bis Oktober. Ob dies wirklich geschieht und wann eine Entscheidung fällt, ist offen. Derzeit ist der Kesselberg nur am Wochenende für Motorradfahrer tabu.

„Das wäre eine konsequente Maßnahme“

Die Gemeinde Kochel würde eine solche Sperrung jedenfalls begrüßen. „Das wäre eine konsequente Maßnahme“, sagt Bürgermeister Thomas Holz. Es dürfe nicht sein, dass 95 Prozent der Verkehrsteilnehmer am Kesselberg, meist Einheimische und Touristen, unter einer Minderheit von Motorrad-Rasern zu leiden haben, „denen jegliche Einsicht fehlt“, so Holz.

„Eine Sperrung wäre die Ultima Ratio, also das allerletzte Mittel“, sagt Roman Gold, Leiter der Kontrollgruppe Motorrad, angesiedelt bei der Autobahnpolizei Holzkirchen. Die Beamten sind immer wieder vor Ort, auch in zivil, und führen Geschwindigkeitsmessungen und Fahrzeugkontrollen durch. Den Unfall am Freitagabend bezeichnet Gold als „typischen Feierabendunfall“. Die Beteiligten kommen zumeist aus dem Großraum München und sind werktags zwischen 16 und 20 Uhr unterwegs. Im Motorradjargon spricht man von „Kesseln“, berichtet Gold: „Man fährt den Berg fünf- bis zehnmal rauf und runter und kehrt zwischendurch am Walchensee irgendwo ein.“ Die meisten Verursacher sind Männer, denn nur 13 Prozent aller deutschen Motorradfahrer sind weiblich. Allerdings gebe es auch hier „leistungsorientierte Fahrerinnen“, so Gold.

Polizei bietet Sicherheitstrainings an

Zuletzt verunglückte 2011 ein Motorradfahrer am Kesselberg tödlich. Dass die Zahl der schweren Unfälle nicht abreißt, führt Gold auch darauf zurück, dass die Maschinen kontinuierlich schneller werden. „Vor 20 Jahren hatten sie maximal 100 PS, heute hat die Mittelklasse 100 bis 120 PS“, sagt Gold. Und die Preise seien erschwinglich. Viele Biker würden zudem die Kraft der Maschine und ihre eigenen Fahrkünste überschätzen. Gerade jetzt im Frühjahr sei es sinnvoll, „,mal auf einem großen, leeren Parkplatz ein paar Balance- und Fallübungen zu machen, etwa einen Parcours mit Flaschen zu fahren“, sagt Gold. Die Polizei bietet zudem Sicherheitstrainings an.

Dass so mancher Autofahrer am Kesselberg Angst hat, kann Gold nachvollziehen. Der Polizist rät, vorausschauend zu fahren und in Kurven, die schwer einsehbar sind, vom Gas zu gehen und bremsbereit zu sein. Zudem sei es sinnvoll, mit Licht und eher rechts anstatt mittig zu fahren, so dass im Falle des Falles auch ein Motorradfahrer, der die Kurve schneidet, noch reagieren könne.

müh

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