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Baustelleneinrichtung: Für das Einlaufbauwerk in Urfeld wird der Humus abgeräumt. Auf dem Foto vom Frühjahr 1919 links im Bild die Steinbrechanlage, darüber ein Kompressorgebäude und in der Mitte hinten die Kantine.

Der Start war unspektakulär, der Bau war es nicht

So entstand das Walchenseekraftwerk - 100 Jahre Spatenstich eines Jahrhundertbauwerks

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Der Start war unspektakulär. Der Spatenstich für das Walchenseekraftwerk fand ohne großes Aufheben 1918 statt. Sechs Jahre dauerten die Arbeiten, bis das Bauwerk 1924 ans Netz ging.

Kochel am See/Walchensee – Wenige Wochen nach dem Ende des Ersten Weltkriegs rückte der erste Bautrupp an. Schon bald fanden über 2000 Arbeiter und Ingenieure Brot und Arbeit an den Großbaustellen am Walchensee und am Kochelsee. Der Bau des Walchenseekraftwerks war für die Zeit nach dem Ersten Weltkrieg eine Meisterleistung, heißt es in einer Pressemitteilung des Kraftwerkbetreibers Uniper zu dem Gedenktag.

Schon der erste Abschnitt galt einem Herzstück des Walchenseekraftwerkssystems: In Urfeld entstand das Einlaufbauwerk für den 1,2 Kilometer langen Kesselbergstollen, der nach seiner Fertigstellung das am Ufer des 200 Meter tiefer liegenden Kochelsees platzierte Kraftwerk mit Wasser versorgen sollte. Am Anfang der Bautätigkeit in Urfeld standen Erd- und Felsarbeiten noch über dem Wasserspiegel sowie die Einrichtung der Baustelle mit zwei Dampfmaschinen zur Erzeugung von elektrischem Strom, Werkstätten, einer Schiffshütte, Kompressor- und Steinbrecheranlagen, einem Zementlager und einer Betonmischmaschine.


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Wegen seiner Gründungstiefe von über zwölf Metern unter dem mittleren Wasserspiegel und seiner unmittelbaren Nähe zum See und den damit anstehenden Wassermassen geriet das Vorhaben schnell zur schwierigsten Baustelle des ganzen Walchenseekraftwerkssystems, so Uniper-Sprecher Theodoros Reumschüssel. Demnach war das eindringende Wasser von Anfang an das größte Problem. Zuerst war die Baugrube zum See hin mit einer Metallspundwand gesichert, die aber mit zunehmender Bautiefe nicht ausreichte. Wegen der Gefahr einer Flutung wurde die Baustelle für den Einlauf gleichsam in den Berg verschoben. Damit konnte zunächst die natürliche Felsbarriere zum Walchensee erhalten bleiben, die die Baugrube zusätzlich abdichtete. Dennoch war die Baustelle nicht trocken. Es waren bis zu acht schwere Pumpen im Einsatz, um des eindringenden Wassers Herr zu werden. Bis zu 500 Mann waren an allein der Baustelle in Urfeld im Einsatz. Erst Ende Mai 1923 waren die Arbeiten beendet. Sie waren mitunvorstellbaren Mühen verbunden: Die Arbeiter mussten schwerste Bauteile wie Rohre, Turbinen und Generatoren herbeischaffen. Im Winter war das Baumaterial teilweise nur mit Schlitten zu befördern. Sehr schwere Teile zum Beispiel für die acht Maschinensätze kamen per Bahn nach Kochel. Über ein eigens verlegtes Gleis wurden sie zu einer Hafenanlage am Ufer gebracht. Von dort aus ging es per Schiff weiter zur Baustelle.

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Das fertige Einlaufbauwerk in Urfeld kurz vor der Flutung im Mai 1923.

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Schon während des Baus war das Walchenseekraftwerk ein Besuchermagnet. Der Ansturm von Wochenendausflüglern, die mit der Bahn nach Kochel kamen, um die riesige Baustelle zu besichtigen, war so groß, dass die Bauleitung 1923 an das Bezirksamt in Bad Tölz schrieb, um klarzustellen, dass man für die zahllosen Besucher keine Sicherheitsgarantien übernehmen könne. Heute sind es jährlich rund 100 000 Besucher, die das 2017 erneuerte Informationszentrum und die Maschinenhalle des Industriedenkmals besichtigen.  

Felsausbruch mit Presslufthammern im Einlaufbauwerk Urfeld bei sprudelndem Grundwasser – auf einem Foto vom Juli 1922.

ao

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