Jörg Findeisen von der Herzogstandbahn in Walchensee
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Jörg Findeisen ist der Betriebsleiter der Herzogstandbahn.

Corona-Beschränkungen

Herzogstandbahn: Statt 4000 nur noch 1600 Passagiere täglich

  • Patrick Staar
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Bis zu 4000 Gäste transportierte die Herzogstandbahn früher pro Tag auf den Berg. Doch dann kam Corona, und seither können die Betreiber von solchen Zahlen nur träumen. Im Gespräch mit unserem Mitarbeiter Patrick Staar zieht Betriebsleiter Jörg Findeisen sechs Wochen nach Wiedereröffnung eine erste Bilanz.

WalchenseeHerr Findeisen, wie kommt die Herzogstandbahn mit den Corona-Beschränkungen zurecht?

Jörg Findeisen: Überwiegend gut. Durch die Lockerungen dürfen wir wieder mehr Personen mitnehmen. Das entspannt bei uns die finanzielle Situation ein bisschen. Mit den Umsatzzahlen, die wir an normalen Tagen erreichen, können wir leben.

Wie wirken sich die Lockerungen aus?

Jörg Findeisen: Am 7. Juli sind für den gesamten Freizeitbereich die Abstandsregeln weitgehend aufgehoben worden. Theoretisch dürften wir wieder voll zuladen. Das gibt aber unser Hygiene-Konzept nicht her. Wir haben daher die Kapazität pro Fahrt auf 19 Leute plus Kabinenbegleiter begrenzt. Reinpassen würden 30 Personen plus Kabinenbegleiter.

Wie viele Beförderungen können Sie nun pro Tag erreichen?

Jörg Findeisen: Wir fahren 100 Mal pro Tag und schaffen maximal 1600 Beförderungsfälle. Mehr sind aufgrund des Arbeitszeit-Gesetzes nicht möglich.

Was hat sich am Aufwand verändert?

Jörg Findeisen: Früher waren wir eine halbe Stunde vor Betriebsstart an der Bahn, jetzt bereiten wir mindestens eine Stunde vor Beginn alles auf der Anlage vor. Auch am Abend haben wir durch die Hygiene- und Aufräumarbeiten mehr Aufwand. Am Abend wird’s auch immer etwas später.

Wie sieht es mit den Wartezeiten aus?

Jörg Findeisen: Die haben sich etwas reduziert. Trotzdem darf man nicht vergessen: Es ist Hauptsaison. Schon früher hatten wir bei voller Auslastung Wartezeiten von mindestens 30 Minuten. Jetzt dauert es länger. Die Schlangen sind vor allem vormittags wegen der Mindestabstände doppelt bis dreimal so lange.

Halten sich die Fahrgäste an die Vorgaben?

Jörg Findeisen: Ja, abgesehen von wenigen Ausnahmen halten sich die Leute dran. Es kommt nur ganz selten vor, dass wir die Leute mit dem Megafon freundlich darauf hinweisen müssen, die Abstände einzuhalten. Überwiegend spielen die Fahrgäste sehr gut mit.

Wie sieht es mit Beschwerden aus?

Jörg Findeisen: Seit der Wiedereröffnung hatten wir drei Beschwerden. Eine davon war ja auch im Tölzer Kurier nachzulesen.

Was sagen Sie zur Beschwerde der Leserin, dass an der Herzogstandbahn die Mindestabstände nicht eingehalten werden?

Jörg Findeisen: Bei allem Verständnis: Die Leute tragen auch eine Eigenverantwortung. Ich bin nicht der Vormund eines jeden Fahrgasts. Wenn sich jemand bedrängt fühlt, hat er das Recht zu sagen: „Bitte haltet Abstand.“ Wir gehen regelmäßig mit dem Megaphon durch und informieren die Leute. Aber wir können nicht immer überall sein. Wir können keine Hilfs-Polizei sein, die immer sofort einschreitet. Und das wird ja auch im Hygiene-Konzept nicht vorgeschrieben. In den Vorgaben des Ministeriums heißt es sinngemäß gleich im ersten Satz: „Das Konzept kann nur funktionieren, wenn sich die Gäste an die Grundregeln halten.“ Man erreicht immer nur 98 Prozent der Leute. Das ist die Krux an der Sache.

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