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Erfahrener Taucher: Der aus Lenggries stammende Unterwasserarchäologe Florian Huber geht häufig auch im Walchensee in die Tiefe. Dass am Samstag drei Männer bis in 120 Meter Tiefe abtauchten, bezeichnet er als „ambitioniertes Unterfangen“. 

Interview

Tieftaucher im Walchensee: „Das waren keine Größenwahnsinnigen“

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Den Tauchgang, von dem ein Taucher im Walchensee nicht wieder an die Oberfläche zurückkehrte, bezeichnet der Unterwasser-Archäologe Florian Huber als ambitioniert.

Walchensee/Lenggries – Sie wollten 120 Meter in die Tiefe. Beim Auftauchen aber verloren zwei Kameraden am Samstag im Walchensee ihren 52-jährigen Begleiter aus dem Augen – seither wird er vermisst. Die Suche wurde am Montag mit Leichenspürhunden fortgesetzt. Wie war dieses Unterfangen einzuschätzen, wie riskant ist das Tauchen im Walchensee? Dazu äußert sich der aus Lenggries stammende Unterwasserarchäologen Florian Huber (43) im Interview.

Herr Huber, der Walchensee ist bis zu 190 Meter tief. Wie tief kann man dort eigentlich tauchen?

Je nachdem, wie man ausgerüstet ist, kann man durchaus 190 Meter tief tauchen. Der Weltrekord liegt bei über 300 Metern.

„Der Walchensee ist für Tieftaucher ein Hotspot“

Warum macht man so etwas?

Rekordjagd. Man sucht die Herausforderung und will eine bestimmte Marke in sein Logbuch eintragen. Zum Genießen ist das sicher nichts mehr. Die Menschen machen das aus demselben Grund, aus dem sie 6000er-Berge besteigen – weil sie es es können und weil es eben ihr Sport und ihr Hobby ist.

Wie ist in diesem Zusammenhang das Vorhaben einzustufen, im Walchensee auf 120 Meter hinabzutauchen?

120 Meter, das ist schon ein ambitioniertes Unterfangen. Bei etwa 40 Metern hört das normale Sporttauchen auf, jede weiteren zehn Meter sind extrem aufwendig. Dort unten ist es stockdunkel und eiskalt, ungefähr vier Grad – wobei man unter Wasser 20-mal schneller auskühlt als an Land. Um wieder aufzutauchen, braucht man mindestens zwei Stunden. Man muss auf mehreren Stufen Dekompressionsstopps einlegen und mehrere Gase mit sich führen, die man unterwegs auswechselt. Was nicht passieren darf, ist, dass man sich in 90 Metern Tiefe aus den Augen verliert, denn das Buddy-Prinzip, dass man sich gegenseitig helfen kann, dabei extrem wichtig. Normalerweise hat man deshalb helle Handlampen dabei. Bei dem Tauchgang der drei Männer muss etwas gewaltig schief gegangen sein. Auf jeden Fall ist davon auszugehen, dass der Vermisste bereits tot war, als seine Kameraden an der Oberfläche ankamen.

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Kommt es häufig vor, dass im Walchensee so tief getaucht wird?

Der Walchensee ist für Tieftaucher ein Hotspot. Es gibt nicht so viele Seen, in denen man so tief tauchen kann – dazu kann man sein Auto an der „Galerie“ in Ufernähe parken. Das sorgt dafür, dass es Tauchtourismus von weither gibt. Heute wird auch mehr tief getaucht als vor 15 oder 20 Jahren. Es gibt Kreislauftauchgeräte, in denen die Ausatemluft in einen zweiten Schlauch gepumpt, gefiltert und mit Sauerstoff angereichert wird, sodass man sie wieder einatmen kann. Diese Geräte sind günstiger und populärer geworden. Das ändert aber nichts daran, dass ein tiefer Tauchgang hochkomplex ist. Viel Erfahrung und Training sind nötig.

Florian Huber war schon 160 Meter tief im Walchensee - aber im U-Boot

Waren Sie selbst schon einmal so tief unter Wasser?

Mit der „Jago“ war ich im Walchensee in 160 Metern Tiefe. Aber da saß ich ja in einem U-Boot. Als Taucher war ich schon einmal in 80 bis 90 Metern Tiefe. Bei mir ist es aber so, dass ich dort unten arbeite. Und ich würde es nicht ohne Surface-Support machen, also ohne ein Team, das über der Wasseroberfläche da ist, um den Tauchgang logistisch zu unterstützen.

War es von den Männern leichtsinnig, so tief tauchen zu wollen?

Das waren sicher keine Größenwahnsinnigen. Wer so etwas macht, tut es in der Regel seit vielen Jahren und hat viel Geld in seine Ausrüstung investiert. Aber auch dem Erfahrensten kann etwas passieren. In der Regel sind es keine Anfänger, die im Walchensee sterben. Vielleicht ist sogar so: Je erfahrener man ist, desto mehr denkt man, dass man sich über die Natur und die Physik hinwegsetzen kann.

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Würden Sie Tauchen generell als gefährlichen Sport bezeichnen?

Nein, Tauchen ist nach wie vor ein sehr sicherer Sport – wenn man sich anschaut, wie viele tausend Menschen täglich tauchen gehen und wie wenige verunglücken. Tauchen ist eine sehr schöne Sportart: die Ruhe da unten, was man im Wasser sieht, das schwerelose Dahingleiten. Taucher sind Naturliebhaber.

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