Andacht und Besuch am Grab von Franz Marc anlässlich seines 100. Todestages in Kochel am See (Foto: Arndt Pröhl)

Todestag von Franz Marc: Die Pflicht der Erinnerung

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Kochel am See - Die Gedenkveranstaltung zum 100. Todestag von Franz Marc stand ganz im Zeichen der deutsch-französischen Freundschaft. Mit einer bewegenden Ansprache beeindruckte der Vertreter einer Delegation aus Verdun die Festgäste.

Mit einer ökumenischen Andacht in der Michaelskirche und einem Empfang im Museum wurde am Freitagabend in Kochel des 100. Todestages von Franz Marc gedacht. Unter den zahlreichen Gästen befand sich auch eine siebenköpfige Delegation von Politikern und Kulturschaffenden aus der Region Verdun. Im Laufe des Abends wurde immer wieder der Wert der deutsch-französischen Freundschaft betont und appelliert, die Schrecken der Weltkriege nicht zu vergessen, um nachfolgenden Generationen ein Leben in Frieden zu ermöglichen.

„Franz Marc hat diese Kirche gekannt und sie sicher auch besucht“, sagte Pfarrer Pater Heiner Heim, der zusammen mit seinem evangelischen Amtskollegen Corvin Wellner die 30-minütige Andacht gestaltete. Sie wurde durch einfühlsame Harfenmusik von Elisabeth Wöhrle mitgestaltet. Bürger aus Kochel und Umgebung nahmen ebenfalls an der Andacht teil.

„Franz Marc war sehr verbunden mit diesem Ort“, so Pfarrer Wellner. Pater Heim betonte, man wolle an diesem Abend aller Gefallenen gedenken und ein „Zeichen der Versöhnung und Freundschaft setzen“. Gleichwohl nahm Heim immer wieder Bezug zu Marc und dem „Blauen Land“. „Von hier aus wuchs er über den Raum hinaus und wurde weltberühmt. Hier begegnete er der Tierwelt, die ihn so stark beeinflusst hat, und hier hat er sich die Landschaft, die wir in seinen Bildern sehen, erwandert.“ Es sei mehr als verständlich gewesen, dass seine Witwe Maria den Leichnam nach Kochel überführen ließ.

Heim ging kurz auf Marcs Leben ein: französische Mutter, katholisch getauft, protestantisch erzogen. Das Bewusstsein, dass sich Vertreter beider Konfessionen und Franzosen an diesem Abend in der Kirche versammelten, gab der Andacht eine besondere Note. „Wie viele Werke hätte er uns noch geschenkt“, sagte Heim. „Wir haben allen Grund, seiner dankbar zu gedenken.“ Am Grab bat Pfarrer Wellner um einige Augenblicke der Stille, um dann die Andacht mit einem gemeinsamen Vaterunser zu beenden.

Im Anschluss hatte die Gemeinde zu einem Empfang ins Museum geladen. Unter den Gästen begrüßte Bürgermeister Thomas Holz die Stifter des Museums, Mitglieder des Kuratoriums, Kulturstaatssekretär Bernd Sibler, Leiter der umliegenden Museen und aus München, regionale und lokale Politiker sowie zahlreiche Wegbegleiter des Franz-Marc-Museums aus Kochel und Umgebung. „Unsere Gemeinde hat die klare Verpflichtung, das Andenken an Franz Marc zu bewahren“, sagte Holz. Man sei stolz auf dieses Museum, in dem hervorragende Ausstellungen gezeigt würden, und das einen großen Bekanntheitsgrad genieße. Holz wird kommende Woche mit einer Delegation aus Kochel zu den Feierlichkeiten in Verdun reisen.

Die bewegendste Rede an diesem Abend kam von Philippe Gerardy, Verwaltungspräsident der Region Verdun. Dort, genauer gesagt in Braquis, war Marc gefallen. Gerardy berichtete, wie sehr der Krieg die Region geprägt habe, dass man zum Beispiel noch heute Spuren von Granateinschlägen erkennen könne. 310 000 Menschen mussten allein in der Schlacht um Verdun ihr Leben lassen. Gerardy erinnerte an das Leid der Zivilbevölkerung, insbesondere an jenes der Frauen. Für die Franzosen, so Gerardy, sei es „unverzichtbar, Vertreter aus Deutschland zu den Gedenkveranstaltungen einzuladen“. Gerardy sprach von einer „Pflicht der Erinnerung“: „Nur durch die Erinnerung an die Schrecken des Krieges können wir dazu beitragen, dass auch künftige Generationen in Frieden leben können. Die aktuellen Ereignisse zeigen, wie zerbrechlich der Frieden ist.“

Für seine auf Deutsch gehaltene Ansprache erhielt Gerardy langen Applaus von den sichtlich bewegten Gästen. „Dass sich zwischen Deutschen und Franzosen heute so eine Freundschaft entwickelt hat, hätte Franz Marc gefallen“, sagte Museumsdirektorin Dr. Cathrin Klingsöhr-Leroy.

Nach den Ansprachen unterhielt die Kochler Blaskapelle die Gäste, die sich schnell in anregende Gespräche vertieften – und es natürlich genossen, ganz exklusiv einen Blick in die neue Sonderausstellung zu werfen. Diese wurden am Sonntag offiziell eröffnet.

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