Idyllisch gelegen: Der Unternehmenssitz der Firma Dorst Technologies am Kochelsee.
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Idyllisch gelegen: Der Unternehmenssitz der Firma Dorst Technologies am Kochelsee.

25 Stellen abgebaut

Umsatzeinbruch: Entlassungen bei Dorst in Kochel

  • Andreas Steppan
    vonAndreas Steppan
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Die Kochler Firma Dorst Technologies, einer der wichtigsten Industriebetriebe der Region, hat 25 Stellen abgebaut. Die Unternehmensleitung spricht von einvernehmlichen Lösungen. Die Gewerkschaft protestiert.

Kochel am See – Die Firma Dorst Technologies hat insgesamt 25 Stellen an seinen beiden Standorten in Kochel am See und Bad Kötzting abgebaut. Dabei kam es auch zu betriebsbedingten Kündigungen. Das Unternehmen begründet dies in einer Pressemitteilung mit einem erheblichen Umsatzrückgang. Laut der Gewerkschaft IG Metall könnten in den kommenden Jahren sogar „Massenentlassungen von mindestens 100 Leuten“ anstehen. Dies weist Hubert H. Löcherer, Generalbevollmächtigter von Dorst, jedoch entschieden zurück.

„Nach zehn wirtschaftlich starken Jahren ist bereits im Frühjahr 2020 das Geschäft bei Dorst eingebrochen“, heißt es in der Mitteilung. Das Unternehmen sei mit einem Umsatzrückgang von rund 35 bis 40 Prozent konfrontiert, frühere Jahresumsätze von 80 bis 90 Millionen Euro könnten in den kommenden zwei bis drei Jahren nicht mehr erreicht werden.

Von Rückgängen im internationalen Geschäft sei der gesamte deutsche Maschinenbau betroffen. „Der europäische Markt liegt am Boden, in den USA spricht man immer noch vom größten Einruch seit 1945, und auch das für Dorst wichtige Asien-Geschäft kommt nicht in Gang.“ Allein das China-Geschäft laufe langsam an – ohne jedoch die weltweiten Ausfälle zu kompensieren.

Corona-Krise hat Lage noch schwieriger gemacht

„Die Arbeitsplätze, die durch den politisch erzwungenen schnellen Umstieg auf die E-Mobilität verloren gehen, werden von der Politik als Kollateralschaden hingenommen“, kritisiert Löcherer in diesem Zusammenhang. Die Covid-Krise habe dann noch einen draufgesetzt.

Das Unternehmen habe sich nun gezwungen gesehen, Personal abzubauen. Im Schnitt seien schon etwa 35 bis 40 Prozent der zuletzt etwa 400 Dorst-Mitarbeiter in Kurzarbeit, aber „das ist keine Dauerlösung“.

Der Abbau der 25 Stellen erfolgte laut Löcherer ungefähr zu gleichen Teilen in Kochel am See und Bad Kötzting. Zum Teil habe man sich mit den Betroffenen auf Vorruhestandsregelungen geeinigt, es habe aber auch Entlassungen gegeben. Der Prozess sei „im Einvernehmen mit dem Betriebsrat und den Betroffenen“ vonstatten gegangen. Dabei sei es zu „keinerlei Konflikten“ im Unternehmen gekommen. „Mit jedem einzelnen wurde ein Sozialplan vereinbart und sauber definiert, zu welchen Konditionen er ausscheidet.“ Priorität habe für Dorst, „die laufenden Entwicklungsarbeiten uneingeschränkt fortzuführen und die Aus- und Weiterbildung junger Know-how-Träger nicht zu gefährden“.

Ob in den kommenden Jahren ein weiterer Arbeitsplatzabbau notwendig werde, darüber lasse sich zum jetzigen Zeitpunkt keinerlei Aussage treffen, so Löcherer. Man wisse heute noch nicht, wie sich die für Dorst wichtigen Märkte entwickeln. „Wir haben auch einige tolle Entwicklungen in Planung.“

IG Metall: Kritik an Vorgehensweise

Kritik am Stellenabbau kommt von der IG Metall. Der Betriebsrat habe es auf Druck der Geschäftsleitung abgelehnt, dass die Gewerkschaft die Sozialverhandlungen mit einem Fachanwalt begleitet, sagt Helmut Dinter, Bevollmächtigter der IG Metall Weilheim. Diesen Aspekt greift die SPD Kochel in einer Presseerklärung auf. Gemeinderat Klaus Barthel meint, die Unternehmensleitung setze sich dem Verdacht aus, „die Beschäftigten schutzlos und ohne entsprechende Beratung übervorteilen zu wollen“.

Die Vorwürfe seien „schlichtweg Unsinn“ und eine „Unverschämtheit“, wehrt sich Löcherer. Der Betriebsrat entscheide „völlig selbstständig“, seine Beziehung zur Unternehmensleitung sei „traditionell sehr gut“.

„Großes Vertrauen“ spricht der Betriebsführung Kochels Bürgermeister Thomas Holz (CSU) aus. Wenn Dorst in der Vergangenheit Stellen abbauen musste, sei dies „immer sehr mitarbeiterfreundlich“ geschehen. Auch dieses Mal sei er überzeugt, dass der Schritt zur Sicherung des Unternehmensstandorts notwendig sei. Dennoch bedauert Holz den Stellenabbau. „Hinter jeder Kündigung, die ausgesprochen wird, steht ein persönliches Schicksal.“ Dorst sei für Kochel enorm wichtig, nicht nur als Gewerbesteuerzahler, sondern „für das ganze soziale Gefüge“.

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