+
Die Wiese bleibt Grünland: Der Kochler Gemeinderat hat die Pläne für einen vorübergehenden Ausweichparkplatz am Walchensee auf diesem Grundstück der Staatsforsten verworfen.

Ansturm der Ausflügler

Umstrittener Plan am Walchensee: Knappes Nein zum Ausweichparkplatz

Es war das knappest mögliche Votum. Mit 9:8-Stimmen lehnte der Kochler Gemeinderat die Schaffung eines Behelfsparkplatzes ab.

Kochel am See/Walchensee – Die Meinung im Kochler Gemeinderat hat sich gedreht: Das Gremium hat am Dienstagabend den Beschluss vom 23. Juni, in der Ortschaft Walchensee für den Ansturm der Naherholer einen nur temporär genutzten, zusätzlichen Parkplatz einzurichten, wieder aufgehoben. Die Entscheidung quer durch alle Fraktionen fiel wenige Tage vor Beginn der Schulferien. In namentlicher Abstimmung sprachen sich acht Gemeinderäte dafür und acht dagegen aus. Den Ausschlag gab – für manche Anwesenden überraschend – die Stimme des Bürgermeisters.

Anwohner am Walchensee sammeln Unterschriften gegen Parkplatz

Zur Situation am Walchensee: Stellplätze sind angesichts der Corona-bedingten Invasion von Naherholern dort gerade besonders knapp, weil die geplante Anlage von zwei Parkplätzen im Landschaftsschutzgebiet am Südufer noch länger auf sich warten lässt. Auch im Ort machen rücksichtslose Wildparker den Anwohnern das Leben schwer. Der am 23. Juni beschlossene neue Ausweichstellplatz war dafür vorgesehen, um dort den Parkdruck herauszunehmen. Die Gemeinde wollte dafür eine 9500 Quadratmeter große Fläche von den Staatsforsten pachten. Doch daraus wird nun nichts

In den vergangenen Tagen war in Walchensee eine Unterschriftensammlung gegen die Anlage des Parkplatzes mitten im Ort durchgeführt worden, die nun dem Gemeinderat vorlag.

41 Prozent der Wahlberechtigten haben unterschrieben

Laut Thomas Holz kamen 191 der 238 Unterschriften von Personen, die ihren ersten Wohnsitz im Ortsteil haben. Das seien knapp 41 Prozent der wahlberechtigten Einwohner. Und der Bürgermeister wies auch auf formale und inhaltliche Mängel der Vorlage hin, weshalb sie jetzt eigentlich überhaupt nicht behandelt werden müsste, weil sie nicht fristgerecht eingegangen ist. Doch hinter der Formalie „Zulässigkeit“ wollten sich weder Thomas Holz noch die Gemeinderäte verschanzen – zu wichtig erschien ihnen das Thema. Ausführlich wurden dann noch einmal alle Argumente für und gegen das Vorhaben ausgetauscht.

Corona hat das Freizeitverhalten der Menschen verändert

„Wir wollen niemanden ärgern“, versicherte der Bürgermeister. „Wir werden heuer von einem außergewöhnlichen Ansturm von Erholungssuchenden überrannt.“ Niemand könne etwas dafür, dass Corona das Freizeitverhalten der Menschen total verändert habe. Dass Holz am Schluss der völlig offenen Diskussion gleich einen Aufhebungsbeschluss zur Abstimmung stellte und auch selbst dafür stimmte, deutete sich vielleicht darin an, dass er die in Walchensee ansässigen Gemeinderäte eingangs ausdrücklich dazu aufforderte, ihre Position zu erläutern.

Reinhard Dollrieß war es dann, der ein düsteres Bild der aktuellen Situation in Walchensee zeichnete und seinen persönlichen Meinungswandel erklärte. Schon jetzt sei die vorhandene Infrastruktur in Walchensee völlig unzureichend, betonte er: „Die Uferflächen sind begrenzt und die Leute können die gebotenen Abstände nicht einhalten, sogar Flake ist zum Badeplatz geworden.“ Es würden auch ausreichend Toilettenanlagen und Kapazitäten in der Gastronomie fehlen: „Und wo sollen die Leute dann hin, wenn hier noch mehr Parkplätze angeboten werden?“ Dollrieß redete sich so in Rage, dass er den Bürgermeister attackierte, dieser „scheint so abwesend“ und höre ihm nicht zu, als der einmal mit seinem Stellvertreter sprach.

Die Anwohner am Walchensee haben „die Schnauze voll“

Frank Sommerschuh bestätigte, dass die Anwohner „die Schnauze voll“ hätten: Tausend Pkw-Stellplätze seien viel zu viel für diese kleine Ortschaft. Gegenrede kam von Markus Greiner: „Wir reden hier nur über eine temporäre Nutzung in Coronazeiten“. Auch gab Greiner zu bedenken, dass es „am Kochler Bahnhof und im Dorf ganz genauso zugeht“. Nachdem Max Leutenbauer einen nur ein- oder zweiwöchigen Probelauf ins Gespräch gebracht und Thomas Holz nochmals darauf hingewiesen hatte, dass die Fläche nur als reiner Ausweichparkplatz bei Überlastung geöffnet werden sollte, kam es zur Entscheidung.

Klaus Barthel beantragte eine namentliche Abstimmung, was gegen zwei Stimmen dann auch so umgesetzt wurde. Für die Aufhebung stimmten (in alphabetischer Reihenfolge): Klaus Barthel, Reinhard Dollrieß, Bürgermeister Thomas Holz, Max Leutenbauer, Rosemarie Marksteiner, Sonja Mayer, Jens Müller, Bettina Sindlhauser und Frank Sommerschuh. Gegen die Aufhebung waren: Veronika Atzinger, Zweiter Bürgermeister Thomas Eberl, Mathias Graf, Markus Greiner, Florian Lantenhammer, Eduard Pfleger, Hans Resenberger und Michael Zerluth. rbe

Lesen Sie auch:

Neben dem Walchensee gibt es einen zweiten Ausflugs-Hotspot im Tölzer Land: Ausflügler-Andrang am Sylvenstein: Müll, Feuer und Fäkalien - Isar-Ranger spricht von „Katastrophe“

Sonne, Ferien und Massen an Ausflüglern: Droht in Bayern ein Verkehrschaos in neuer Dimension? Die Polizei rüstet sich.

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Coronavirus im Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen: Infektionsgeschehen deutlich geringer als in München
Coronavirus im Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen: Infektionsgeschehen deutlich geringer als in München
Supercup-Finale in Budapest: Dem FC Bayern fehlt ein wichtiger Mann
Supercup-Finale in Budapest: Dem FC Bayern fehlt ein wichtiger Mann
Globaler Klimastreik: „Fridays for Future" meldet sich in Bad Tölz zurück
Globaler Klimastreik: „Fridays for Future" meldet sich in Bad Tölz zurück

Kommentare