Die Leitschwellen gibt es seit 2016 in einigen Kurven des Kesselbergs.
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Die Leitschwellen gibt es seit 2016 in einigen Kurven des Kesselbergs.

Unfallkomission 

Kesselberg: Gefahrenabwehr mit Nebenwirkungen

  • Andreas Steppan
    vonAndreas Steppan
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Die Leitschwellen am Kesselberg bleiben – es kommen aber keine neuen dazu. Das ist das Ergebnis eines Treffens der Unfallkommission, die die Situation an der berüchtigten Serpentinen-Strecke kürzlich erneut unter die Lupe genommen hat.

Kochel am See – Die Leitschwellen – mit flexiblen Warnbaken bestückte Erhebungen in der Fahrbahnmitte – wurden im Jahr 2016 in einigen besonders scharfen Kurven am Kesselberg installiert. Es ist ein weiterer Versuch, mit baulichen Mitteln die Verkehrssicherheit zu erhöhen. Die Verantwortlichen hatten sich damals eigentlich drei Jahre Zeit gegeben, um die Auswirkungen zu beobachten und zu beurteilen. „Im vergangenen Jahr haben wir aber am Kesselberg eine Böschungssanierung durchgeführt“, erklärt Michael Herda, der für den Landkreis zuständige Abteilungsleiter im Staatlichen Bauamt Weilheim. Die Bauarbeiten hätten speziell eine bestimmte Motorrad-Klientel, die den Berg gerne hinauf- und hinunterfährt, abgehalten. „Das war deutlich zu spüren.“ Das Jahr 2019 sei deshalb nur bedingt aussagekräftig, die Datenlage „etwas dünn“ gewesen. Mit der Zwischenbilanz ließ man sich deshalb bis heuer Zeit.

Jahr 2019 nur bedingt aussagekräftig 

Als die Vertreter von Polizei, Landratsamt und Staatlichem Bauamt nun zusammenkamen, gelangte man laut Herda zu dem Schluss, dass seit der Installation der Leitschwellen „ein leichter Rückgang der Unfallzahlen zu verzeichnen ist“, erklärt Herda – wenn auch „nicht ganz in dem Ausmaß, wie wir es erhofft hatten“. Dennoch betrachte die Unfallkommission die Leitschwellen als „wirksames Mittel“, um den Kesselberg sicherer zu machen. „Deswegen sollen sie in dieser Form erhalten bleiben“, sagt der Abteilungsleiter.

Andererseits wolle man aber auch keine zusätzlichen Leitschwellen in weiteren Kurven errichten. „Denn sie bringen auch gehörige Nachteile mit sich.“ Dazu zähle, dass es im Bereich der Leitschwellen für Autofahrer nicht möglich sei, einen Fahrradfahrer mit dem vorgeschriebenen Abstand zu überholen. „Man müsste also hinter dem Fahrradfahrer herfahren“, stellt Herda fest. Das möge abwärts okay sein, doch gerade bergauf würden die Kfz-Lenker „verleitet, mit zu geringem Abstand zu überholen“ – und das berge für die Radler entsprechende Risiken.

Leitschwellen bringen auch Nachteile mit sich 

Zudem räumt Herda ein, dass die Leitschwellen die Straßenreinigung und den Winterdienst erschweren. Es sei ein höherer Aufwand nötig, an manche Stellen kämen die Räumfahrzeuge auch kaum heran. „Und wenn die Straßenmeisterei dort etwas zu tun hat, dann blockiert sie den gesamten Verkehr.“ Denn die Arbeitsfahrzeuge überholen kann man im Bereich der Leitschwellen nicht.

„Als Unfallschwerpunkt wird der Kesselberg weiter im Fokus der Unfallkommission bleiben“, betont Herda. Die baulichen Maßnahmen sieht er aber mittlerweile als „ziemlich ausgereizt“ an. Schon lange gelten auf dem kurvigen B 11-Abschnitt zwischen Kochel und Urfeld eine Geschwindigkeitsbegrenzung und ein Überholverbot. An Wochenenden und Feiertagen ist das Motorradfahren in der Richtung von Kochel nach Walchensee verboten. Ein Unterfahrschutz an den Leitplanken soll möglichen Unfällen „zumindest die Schwere nahmen“, sagt Herda. Denn es werde dadurch verhindert, dass gestürzte Motorradfahrer direkt an die Pfosten prallen.

Kesselberg weiter im Fokus der Unfallkomission 

Dennoch kann es laut dem Mitarbeiter des Staatlichen Bauamts durchaus sein, dass am Kesselberg in den kommenden Jahren wieder die Baumaschinen anrücken. „Sicher steht dort irgendwann einmal eine Erneuerung der obersten Asphaltschicht an, wenn sich über die Zeit die Griffigkeit vermindert.“ Aber auch das sei ein zweischneidiges Schwert. Denn eine griffige, homogene Straßendecke könne die Motorradfahrer auch wieder dazu verlocken, mehr Gas zu geben – in diesem Fall würde der Schuss nach hinten losgehen.

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