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Florian Drexler (li.) und Fabian Schinko (re.) haben die Briefe geschrieben. 

Unterstützung für Familie Nazimi 

Kinder schreiben an Seehofer und Merkel

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Die von der Abschiebung nach Ungarn bedrohte afghanische Familie Nazmini (wir berichteten) erfährt in Kochel weiterhin große Unterstützung aus der Bevölkerung. Nun machen sich auch die Klassenkameraden des neunjährigen Sahil stark. Der Junge besucht die dritte Klasse der Franz-Marc-Grundschule in Kochel.

Kochel am See– Fabian Schinko und Florian Drexler, zwei Klassenkameraden von Sahil, haben einen Brief verfasst, den sie an Bundeskanzlerin Angela Merkel und Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer geschickt haben. Viele Mitschüler haben ihn unterschrieben. Die beiden Kinder schreiben, dass sie traurig und wütend sind, dass die Familie abgeschoben werden soll, und dass ihr Freund Sahil einer der besten Schüler sei. „Sahil gehört in unsere Klasse, er ist wie wir und ein sehr guter Schüler“, steht in den handgeschriebenen Briefen. Die Familie sei seit fast drei Jahren in Kochel zu Hause, und der Vater mache eine Ausbildung zum Altenpfleger: „Hier in Kochel wird er in diesem Beruf gebraucht“, schreiben Florian und Fabian.

„Warum schicken Sie die Familie auf einmal weg, obwohl Sie gesagt haben, dass Flüchtlinge gerne zu uns kommen dürfen?“, steht in dem Brief an Merkel. Die beiden Kinder berichten, dass sie den Satz „Wir schaffen das“ gut finden. „Bei dieser Familie haben wir es geschafft.“ Sie, die Kinder, seien sehr enttäuscht, dass die Bundeskanzlerin wohl nun anders denke. „Wir finden es ungerecht, dass Flüchtlinge nicht die gleichen Chancen haben wie wir, obwohl sie sich bemühen. Sie haben sich ihr Geburtsland nicht aussuchen dürfen.“

Zum Schluss folgt ein zu Herzen gehender Appell mit vielen Ausrufezeichen: „Wir möchten nicht, dass sich unser Heimatland so verhält. Gerechtigkeit und Mitgefühl sollten in Deutschland an erster Stelle stehen.“

Bislang haben die Eltern noch keine Antwort von den beiden Politikern erhalten. Auch Fabians Mutter Sonja Schinko, die sich ehrenamtlich als Lernhelferin für Flüchtlinge engagiert, hat einen Brief an die Bundeskanzlerin geschrieben. Sie berichtet, wie gut die Integration vor Ort klappe. Und sie weist daraufhin, wie sehr der Frust in den Asylhelferkreisen steigt: „Wir alle, Flüchtlinge und Helfer, werden von unserer Regierung regelrecht schikaniert, wenn Familien, die sich eine eigene Existenz aufgebaut haben und hier gebraucht werden, plötzlich abgeschoben werden sollen.“ Da die Bürger aus eigener Kraft und ohne Zutun des Staates bei der Integrationsarbeit schon so weit gekommen seien, „wäre es doch das Mindeste, dass unsere Mühe jetzt nicht vom deutschen Staat mit Füßen getreten wird“.

Familie Nazimi, so Schinko weiter, sei ein Beispiel für „Wir schaffen das“. Die Kochlerin hinterfragt, ob CSU und CDU wirklich christliche Werte vertreten, und fragt: „Wie sollen wir unsere Bereitschaft für Gerechtigkeit, Menschlichkeit und Nächstenliebe aufrechterhalten, wenn unser Heimatland so unmenschlich handelt?“

Das Schicksal der Familie Nazimi geht jetzt vor Gericht. Laut Helferkreis hat die Anwältin ihre Klageschrift eingereicht, begleitet von zahlreichen Unterstützungsbriefen über die gelungene Integration. Wann der Fall behandelt wird, ist offen. Vor Kurzem wurde Familienvater Munir Nazimi sogar von seinem Arbeitgeber zur Ausländerbehörde nach München begleitet. Dort muss sich die Familie fortan jeden Monat melden. „Sein Chef wartete mit ihm drei Stunden lang, um ihm zur Seite zu stehen“, berichtet Elisabeth Voigt vom Helferkreis.

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