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Nach dem Tod eines Wieners im walchensee

Urteil im Tauchunfall-Prozess: „Man lässt niemanden unten“

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Wegen fahrlässiger Tötung hat das Amtsgericht einen Tauchlehrer zu 3150 Euro Geldstrafe verurteilt – und nach dem tödlichen Unfall im Walchensee schwere Kritik geübt.

Walchense/Wolfratshausen Die Geschichte setzt selbst einem erfahrenen Richter zu. „Es gab in meiner ganzen Amtszeit nicht viele Fälle, bei denen ich allein bei der Aktendurchsicht gefroren habe“, sagte Helmut Berger. „Man will sich gar nicht vorstellen, was da unten passiert ist.“

Da unten, auf dem Grund des Walchensees, starb am 31. Juli vorigen Jahres ein Wiener (34) bei seinem ersten Tauchgang in einem Bergsee. Nun wurde ein Münchner Tauchlehrer (27) wegen fahrlässiger Tötung zu 3150 Euro Geldstrafe verurteilt.

Wie berichtet hatte der Vater von zwei kleinen Kindern seine Lebensgefährtin (35) begleitet, die bei einer Münchner Tauchschule einen Wertgutschein einlöste: Tauchen im Bergsee, inklusive eines erfahrenen Guides. Beim Tauchgang zum „Spiegel“geschah das Unglück. Weil die Luft schneller als erwartet zur Neige ging, trat das Paar den „Rückweg“ an. Viel zu schnell schossen die zwei aus rund 30 Metern Tiefe nach oben. Der Tauchlehrer konnte den gefährlichen „Notaufstieg“ zwar in zehn Metern stoppen, trudelte dann jedoch mit den beiden Hobbytauchern wieder in die Tiefe. Die Frau konnte sich retten. Wenige Minuten später tauchte auch der Tauchlehrer an der Wasseroberfläche auf. Allein. Der Mann sei völlig panisch gewesen. Er habe ihn nicht beruhigen können, berichtete der sehr gut ausgebildete Angeklagte, der neben seinem Studium für das Münchner Unternehmen als Tauchlehrer arbeitet.

In Todesangst habe er entschieden, aufzusteigen. Den Wiener ließ er zurück. „Das ist ein absolutes No Go“, hielt der Richter dem Angeklagten vor. „Die oberste Regel beim Tauchen lautet: Man lässt niemanden unten.“ Zumal er nach Erkenntnissen von Sachverständigen beim Absinken die Möglichkeit gehabt habe, den Mann „zu packen und ihn mit nach oben zu ziehen“. Dazu habe der Angeklagte nur seine eigene Tarierweste wieder mit Luft befüllen müssen. „Er hätte genug Luft gehabt, um ihn mit zu versorgen“, sagte Staatsanwältin Sandra Hagenfeldt, die das „verantwortungslose Verhalten“ des Tauchlehrers anprangerte. Als „Gleichgültigkeit, die ich überhaupt nicht verstehen kann“, bezeichnete Richter Berger die Tatsache, dass der Beschuldigte die Ausrüstung des Verstorbenen nicht überprüft hatte. „Das hat mit dem späteren Unglück zu tun“, so der Richter, der auch der Tauchschule gravierende Versäumnisse vorwarf. So hatte das Münchner Unternehmen statt der bestellten Zwölf-Liter-Pressluftflaschen nur zehn Liter bereitgestellt. Außerdem war vor dem Tauchgang bekannt, dass der Tauchanzug viel zu dünn für den Walchensee war und der Wiener viel zu viel Blei am Körper trug.

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