Trotz Wochenendfahrverbots war der Auszubildende mit seiner Suzuki von Kochel bergauf Richtung Walchensee unterwegs.
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Trotz Wochenendfahrverbots war der Auszubildende mit seiner Suzuki von Kochel bergauf Richtung Walchensee unterwegs.

Gericht

Verfolgungsjagd am Kesselberg: Mildes Urteil für Biker (25)

  • vonRudi Stallein
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Mitten im dichtesten Ausflugsverkehr lieferte sich ein Motorradfahrer am Kesselberg eine wilde Verfolgungsfahrt mit der Polizei.

Kochel am See/Wolfratshausen – Nun musste sich der 25-jährige Gröbenzeller wegen eines verbotenen Kraftfahrzeugrennens vor dem Wolfratshauser Amtsgericht verantworten. Er kam mit 80 Tagessätzen zu je 20 Euro Geldstrafe sowie noch fünf Monaten Führerscheinsperre davon.

Wegen des Vorfalls, der heuer am 16. Mai gegen 13 Uhr seinen Lauf nahm, war ein Strafbefehl erlassen worden. Dagegen legte der Mann Einspruch ein, weshalb die Sache öffentlich verhandelt wurde. Allerdings ging es dem Beschuldigten nur um die Höhe der Strafe, die gegen ihn erhobenen Vorwürfe räumte er vollumfänglich ein.

Trotz Wochenendfahrverbots war der Auszubildende mit seiner Suzuki an jenem Samstag von Kochel bergauf Richtung Walchensee unterwegs. Als die Polizei ihm signalisierte anzuhalten, raste der Mann davon, mit deutlich überhöhter Geschwindigkeit überholte er mehrere Fahrzeuge. Kurz vor Urfeld durchbrach er eine Kontrollstelle, überholte einen weiteren Pkw und schoss mit 80 bis 100 km/h durch das Dorf. Wegen des extremen Ausflugsverkehrs brach die Polizei hier die Verfolgung ab.

Der Halter des „Höllengeschosses“, wie Richter Helmut Berger die Maschine bezeichnete, die es auf eine Höchstgeschwindigkeit von rund 260 Stundenkilometer bringt, war jedoch anhand des Kennzeichens schnell ermittelt. Er habe keine Scherereien mit der Polizei haben wollten, weil er dort nicht fahren durfte, begründete Rechtsanwalt Eckstein die Kurzschlussreaktion seines Mandanten. „Ich bin schnell weggedüst, in der Hoffnung, dass sie das Nummernschild nicht erkennen“, sagte der Gröbenzeller. Der Grund liegt wohl in seiner Vergangenheit, die eine gewisse Panik bei unverhofften Begegnungen mit der Polizei ein wenig nachvollziehbar macht. Wegen schwerer räuberischer Erpressung hatte der junge Mann im Gefängnis in Landsberg eine Jugendstrafe von drei Jahren und neun Monaten abgesessen, 2018 ist er entlassen worden. Seither arbeite er an einer „Rückkehr in ein normales Leben“.

Vor allem um diese Bemühungen nicht zu gefährden, plädierte der Verteidiger für eine verkürzte Sperrfrist für die Fahrerlaubnis. Denn der Arbeitgeber habe bereits ein neues Fahrzeug gekauft, das dem Angeklagten nach Ende seiner Ausbildung im kommenden Frühjahr zugedacht sei. Der Entzug des Führerscheins habe ihn „dazu gebracht, darüber nachzudenken, was das für eine riskante Fahrt auch für andere war“, zeigte er sich einsichtig. Zudem habe er in der Zwischenzeit bereits eine Verkehrsnachschulung gemacht, ergänzte sein Verteidiger. „So lange ich den Schein nicht habe, werde ich diese Sache bereuen“, sagte der Angeklagte. Das kann er nun noch fünf weitere Monate tun.

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