Um das Gebäude zu entkernen, wurde an verschiedenen Stellen die Fassade geöffnet, teilt die Gemeinde mit. Die Arbeiten kosten rund 500 000 Euro.
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Um das Gebäude zu entkernen, wurde an verschiedenen Stellen die Fassade geöffnet, teilt die Gemeinde mit. Die Arbeiten kosten rund 500 000 Euro.

Denkmalschützer zeigt Bürgermeister Holz (CSU) an

Verstärkeramt Kochel: Abriss hat begonnen

  • Christiane Mühlbauer
    vonChristiane Mühlbauer
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In Kochel ist am Samstag mit den ersten Arbeiten zum Abriss des Verstärkeramts begonnen worden. Bürgermeister Thomas Holz (CSU) verteidigt das Vorgehen, von der SPD kommt starke Kritik. Denkmalschützer Heiko Folkerts hat Strafanzeige gegen Holz gestellt.

  • Am Kochler Verstärkeramt sind die Bagger angerückt
  • Denkmalschützer Heiko Folkerts hat Strafanzeige gegen Bürgermeister Thomas Holz gestellt
  • Der Bürgermeister wehrt sich gegen die Vorwürfe

Kochel am See – Am Kochler Verstärkeramt sind am Samstag die Bagger angerückt. Wie die Gemeinde am Wochenende in einer Pressemitteilung bekannt gab, wurde mit den „ersten Vorbereitungen begonnen“: „Um die notwendige Entkernung durchführen zu können, wurde die Fassade an verschiedenen Stellen geöffnet“, schreibt Bürgermeister Thomas Holz (CSU). „Hierüber werden zunächst die asbesthaltigen Materialien und später auch alle Einbauteile wie Türen, Fenster, Böden, Unterdecken, nichttragende Innenwände sowie die Gebäudetechnik entfernt.“ Grundlage für den Abriss sei die bestandskräftige Abrisserlaubnis der Unteren Denkmalschutzbehörde, so Holz. Wie berichtet, hat die Gemeinde das Areal gekauft. Geplant sind 21 Wohnungen im kommunalen Wohnungsbau, ein neuer Bauhof, Räume für Vereine sowie eine Obdachlosenunterkunft. Dafür gibt es einen Bebauungsplan.

Eine Initiative um den Weilheimer Architekten Heiko Folkerts will das Verstärkeramt hingegen erhalten. Die Gebäude seien ein wichtiger Bestandteil der Münchner Postbauschule.

Das Landesamt für Denkmalpflege stufte das Amt jedoch erst nach Inkrafttreten des Bebauungsplans und auf Initiative Folkerts als Denkmal ein. Die Untere Denkmalschutzbehörde im Tölzer Landratsamt erteilte im Oktober 2019 eine Genehmigung zum Abriss. Anlass dafür war der sogenannte Vertrauensschutz – sprich die Gemeinde hatte das Areal mit dem Wissen gekauft, dass es nicht unter Denkmalschutz steht. Ende Mai 2020 war der Petitionsausschuss des Landtags in Kochel. Folkerts zog seine Petitions dann jedoch wegen der geringen Erfolgsaussichten zurück und reichte eine Popularklage vor dem Bayerischen Verfassungsgerichtshof ein. Eine Entscheidung steht noch aus.

Folkerts hat am Samstag Strafanzeige gegen Bürgermeister Holz gestellt. Er wirft ihm „die mutwillige Zerstörung eines hochrangigen Bayerischen Baudenkmals“ vor und spricht von einer „Nacht und Nebel“-Aktion.

Thomas Holz erfuhr beim Anruf des Tölzer Kuriers von diesem Schritt. „Wo liegt die strafbare Handlung, wenn die Verwaltung einen Gemeinderatsbeschluss vollzieht, der als Grundlage einen bestandskräftigen Bescheid der Unteren Denkmalschutzbehörde hat“, sagt Holz. Zusammen mit seinen Stellvertretern will er rechtliche Schritte gegen Folkerts besprechen. „Der Bogen ist überspannt.“

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Laut Holz hat der Gemeinderat am 15. September – mit der Gegenstimme von Klaus Barthel (SPD) – beschlossen, den Auftrag für den Abriss zu vergeben. Die Kosten beliefen sich auf rund 500 000 Euro, gearbeitet werde zirka vier bis fünf Monate. Die Popularklage, so Holz, richte sich nicht gegen die Erlaubnis zum Abriss, sondern habe das Ziel, den Bebauungsplan für verfassungswidrig erklären zu lassen, so Holz. Der Bebauungsplan regle aber nicht den Abriss, sondern setze fest, auf welche Art und Weise das Grundstück bebaut werden könne.

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Ein Fresko, immer wieder mal Bestandteil der Diskussion in jüngster Zeit, habe man gesichert. „Es wird im Neubau einen prominenten Platz bekommen“, verspricht Holz. Man werde auch auf die Geschichte des Verstärkeramts darstellen.

Die Kochler SPD stellt sich hingegen hinter Folkerts und spricht von „einem Akt der Barberei“, so Gemeinderat Klaus Barthel. Holz heble den Denkmalschutz aus und gehe „unübersehbare finanzielle Risiken ein“. Ortsvorsitzender Sebastian Salvamoser wirft Holz vor, er würde sich in Zeiten der Pandemie undemokratisch verhalten. Die Gerichte seien überlastet, und wegen Corona seien Informationsveranstaltungen – wie von der SPD geplant – und Unterschriftensammlungen nicht möglich.

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