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Das Verstärkeramt am nördlichen Ortseingang von Kochel. Für manche ist es ein Architektur-Denkmal, für andere reif für die Abrissbirne. 

Streit um Denkmalschutz

Verstärkeramt: Am Dienstagkommt der  Petitionsausschuss nach Kochel

  • Christiane Mühlbauer
    vonChristiane Mühlbauer
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Die Gemeinde Kochel will das ehemalige Verstärkeramt der Post abreißen lassen, um Platz für neuen Wohnraum und den Bauhof zu schaffen. Dagegen regt sich Widerstand, angeführt vom Weilheimer Architekten Heiko Folkerts. 

Kochel am SeeDer Petitionsausschuss des Bayerischen Landtags ist an diesem Dienstag in Kochel, um sich das Verstärkeramt anzuschauen und zu beurteilen.

Für Folkerts ist das Areal ein „herausragendes Denkmal in Oberbayern“ und stellt ein „hervorragendes Beispiel der bedeutenden Münchner Postbauschule von 1927“ dar. „Die Kochler Postbauten sind mit dem Walchenseekraftwerk, dem Ferienheim von Emil Freymuth (das ehemalige Verdi-Areal, Anm. d. Red.) und dem Franz Marc Museum ein fundamentaler Bestandteil der Kochler Kulturbauten und bilden ein wichtiges Zentrum der frühen Moderne in Bayern“, so Folkerts. Sie müssten auch als „eines der schönsten Verstärkerämter der deutschen Postbaugeschichte und wichtiger Bestandteil der Münchner Postbauschule dringend erhalten bleiben“. Folkerts Initiative haben sich weitere Architekten angeschlossen, unter anderem der ehemalige stellvertretende Direktor des Deutschen Architekturmuseums.

Das Areal umfasst 5000 Quadratmeter und gehört seit 2017 der Gemeinde. Diese hat ein Nutzungskonzept entwickelt, das Platz schafft für 16 Wohnungen, Jugend- und Vereinsräume, eine Obdachlosenunterkunft und für den neuen Bauhof. Die Gemeinde kritisiert, dass das Landesamt für Denkmalpflege im Zuge des Bebauungsplanverfahrens keine Stellungnahme abgegeben hatte.

Auf Initiative von Folkerts steht das Areal seit 2018 unter Denkmalschutz. Die Untere Denkmalschutzbehörde erteilte aber im Oktober 2019 eine Genehmigung zum Abriss. Anlass dafür war der sogenannte Vertrauensschutz – sprich die Gemeinde hatte das Areal mit dem Wissen gekauft, dass es nicht unter Denkmalschutz steht.

Folkerts schaltete deshalb den Petitionsausschuss ein. Er argumentiert, dass sich die „großzügig geschnittenen Wohnungen mit geringem Aufwand sanieren lassen“. Die Gemeinde könne den Bauhof auch an anderer Stelle errichten. Hier hält wiederum die Kommune dagegen. Man habe weitere Möglichkeiten untersucht. Ein Neubau nahe dem jetzigen Standort sei wegen der Nähe zum Kochelsee aber nicht möglich.  

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