Das Bild zeigt Müllberge am Walchensee
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Jede Menge Müll ließen die Ausflügler am Walchensee zurück.

Ansturm der Ausflügler

Ausflügler-Chaos am Walchensee erreicht neues Level: Müll, Corona-Verdacht und ein Feuer aus Zaunlatten

  • Alois Ostler
    vonAlois Ostler
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  • Veronika Ahn-Tauchnitz
    Veronika Ahn-Tauchnitz
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Es kam, wie es zu erwarten war: Die Naherholer haben am Wochenende den Walchensee gestürmt und vor allem jede Menge Müll hinterlassen. Zudem gibt es einen Corona-Verdachtsfall.

  • Wie erwartet war der Andrang am Walchensee am Wochenende groß.
  • Am Samstag und Sonntag stellten die Mautposten ihre Arbeit ein.
  • Am Rande gab es allerlei Zwischenfälle - von einem Lagerfeuer aus Zaunlatten bis zum Corona-Verdachtsfall.
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Walchensee/Jachenau/Fall – Stehender Verkehr von der Galerie bis zum Ortsanfang von Walchensee. So begann am Samstagvormittag dieses heiße August-Wochenende aus Sicht der freiwilligen Helfer. „Im Ort war es der Wahnsinn“, berichtet Lisa Grünwald von der Walchenseer Wasserwacht. „Da waren schon sehr früh viele Großfamilien mit ganz viel Gepäck unterwegs – Badesachen, Picknickdecke und jede Menge Proviant.“ Die Badestrände waren laut Grünwald bald voll, die Nachzügler machten sich allerorten auf die Suche nach freien Plätzen.

Ausflügler-Chaos am Walchensee: Sobald alle Parkplätze belegt sind, wird keine Maut mehr verlangt

Um kurz vor Mittag hörten die Mitarbeiter an den Mautstellen in Einsiedl und Niedernach auf, Gebühren von den Autofahrern am Walchensee zu kassieren. Der Grund: Mehr als 1200 Fahrzeuge hatten zu diesem Zeitpunkt die Mautstellen passiert. Damit war klar: Es gibt nirgendwo mehr einen freien Platz. Das ist der Moment, wo es ungemütlich für die Mitarbeiter werden kann. Denn auch der gut gemeinten Hinweise, dass alles voll ist, hält die meisten nicht von der Weiterfahrt ab. „Dann kommen vermehrt Klagen, dass sie keinen Parkplatz finden und die Forderung, das Geld zurückzugeben“, sagt Forstrevierleiter Hans Bierling von den Bayerischen Staatsforsten, die für die Mautstraße zuständig sind.

Ausflügler-Chaos am Walchensee: Ein Drittel der Urlauber kommt aus Tirol

Um diesen – oft harschen – Debatten aus dem Weg zu gehen, verzichte man ab diesen Zeitpunkten auf die Maut. Das tat man auch am Sonntag ab etwa 14 Uhr. Sperren kann der Forst die Straße übrigens nicht. „Dazu sind wir nicht befugt. Das kann nur die Polizei oder die Straßenverkehrsbehörde“, sagt Bierling. Die Erholungssuchenden kommen nach der Erfahrung des Revierleiters übrigens nicht nur aus München an den Walchensee. „Mindestens ein Drittel der Besucher stammt aus dem Großraum Innsbruck und Schwaz.“

So sah es am Sonntag in der Früh an einigen Badeplätzen am Walchensee aus.

Auch wenn am Sonntag die Parkplätze voll waren, sei die Lage „viel ruhiger als am Samstag“ gewesen, so Lisa Grünwalds Einschätzung. „Vielleicht haben ja bei dem einen oder anderen die Alarmglocken geläutet.“ Froh ist sie, dass sie zusammen mit den anderen freiwilligen Helfern „zu keinem Einsatz am See alarmiert wurden“.

Ausflügler-Chaos am Walchensee: Corona-Verdachtsfall wird ins Krankenhaus eingeliefert

Gefordert waren die Ersthelfer der Wasserwacht allerdings am Samstag beim Zusammenstoß eines Motorradfahrers und eines Radler auf der B 11. Ansonsten standen lediglich ein paar internistische Hilfeleistungen und eine aufgeschlagene Nase im Einsatzbericht vom Wochenende.

Ein außergewöhnlichen Einsatz gab es noch am spätem Samstagabend kurz vor Mitternacht. Am Nachtparkplatz in Einsiedl hatte ein Mann „klassische Symptome für einen Verdacht auf einen Corona-Infektion“. Der Mann war laut Grünwald „mit einem Wohnwagen oder Wohnmobil“ von einem Urlaub in Kroatien zurückgekehrt und hatte am Walchensee einen Zwischenstopp eingelegt. Das Rote Kreuz brachte ihn in die Klinik nach Garmisch-Partenkirchen. Das Ergebnis des Corona-Tests lag bis Redaktionsschluss noch nicht vor.

Ausflügler-Chaos am Walchensee: Lagerfeuer aus ausgerissenen Zaunlatten und ein offener Haftbefehl

Einen weiteren nicht alltäglichen Zwischenfall gab es in der Nacht zum Sonntag gegen 3 Uhr in Walchensee. Nahe dem Wikinger-Dorf Flake hatten vier junge Männer ein Feuer angezündet – mit Zaunlatten, die sie in der Umgebung abgerissen hatten. Nach Polizeiangaben wurde das Treiben von Beamten der Inspektion in Mittenwald beendet, da die Tölzer Streifen anderweitig alle Hände voll zu tun hatten. Gegen einen 32-jährigen Mann aus der Gruppe liegt ein offener Haftbefehl vor, so die Auskunft der Polizeiinspektion Bad Tölz. Das Quartett wird wegen Sachbeschädigung und Verstoß gegen das Naturschutzgesetz angezeigt.

An der Mautstraße am Walchensee-Südufer war am Wochenende „Land unter“. „Da haben die Autofahrer wieder mal kreuz und quer geparkt“, berichtet Walchensee-Rangerin Sabine Gerg. Ihrer Einschätzung nach war „brutal viel los“. Das könnte unter anderem darauf zurückzuführen sein, dass die Ufer und damit die Badeplätze am Sylvensteinsee nach dem Hochwasser der vergangenen Tage noch weitgehend voller Schlamm sind. Dadurch werde der Ansturm auf den Walchensee zwangsläufig größer. Offenes Feuer, verbotenes Camping und zugeparkte Rettungswege – die insgesamt drei Ranger, die am Wochenende am Walchensee und Sylvensteinsee unterwegs waren, hatten gut zu tun, berichtet Gerg.

Was wie immer zurück blieb, war jede Menge Müll, der sich am Sonntag in der Früh auf den Liegeflächen stapelte.

Auch an den Osterseen hielten sich einige Ausflügler nicht an die Verbote. Ein Münchner ließ sich besonders dreist mitten in einem Naturschutzgebiet nieder.

Baden, Grillen, Hunde und manches mehr sind auf dem Seehauser Fiedler-Grundstück nicht erlaubt. Doch einige Besucher halten sich offenbar nicht an die Regeln.

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